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300 Meter Zaun

Bauzaun vor KIT sorgt für riskante Kletterpartien – Karlsruher Händler sammeln Unterschriften

In der Karlsruher Kaiserstraße trennt ein Bauzaun seit Monaten den KIT-Campus von den Geschäften. Einige nehmen das Hindernis sportlich und klettern darüber. Ungefährlich ist das nicht. Anlieger sammeln nun Unterschriften und hoffen auf eine offizielle Querung.

Riskanter Sprung: Vom KIT kommend, landet man nach dem Überklettern des Bauzauns auf Straßenbahnschienen. Foto: Samir Slim

Plötzlich wuchtet ein junger Mann sein Fahrrad über den Zaun, schwingt sich drüber und radelt weiter. Jiannis Vlantoussis hat ihn dabei beobachtet. Wenn er heute darüber berichtet, klingt er immer noch erstaunt.

Vlantoussis ist Eigentümer eines Gebäudes in der östlichen Kaiserstraße. Der angesprochene Zaun trennt die südliche Straßenseite mit den Geschäften von der nördlichen mit dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Rund 300 Meter ist die Absperrung lang. Zwischen Englerstraße und Durlacher Tor gibt es keine Möglichkeit, die östliche Kaiserstraße zu queren. Auch ohne Rad ist der Zaun kein leicht zu überwindendes Hindernis.

300 Meter lange Absperrung vor der Karlsruher Uni

Zudem fahren auf der südlichen Seite Stadt- und Straßenbahnen sowie Autos. So richtig freuen wollen sich die Geschäftsinhaber nicht über den starken Willen ihrer Kunden, auch auf riskantem Weg zu ihnen zu gelangen. Vlantoussis hat deshalb eine Unterschriftenaktion initiiert. Sein Ziel: eine reguläre Querung ohne Kletterpartie.

Unzählige Abkürzungsversuche haben die Ladenbesitzer in den vergangenen Wochen beobachtet. Wer sich ein wenig nahe der Baustelle aufhält, sieht das bald mit eigenen Augen: Eine Gruppe Studenten läuft vom Campus auf die Absperrung zu. Einer stützt sich auf den Zaun und prüft die Standfestigkeit. Nach kurzer Diskussion laufen sie doch in die Gegenrichtung davon.

Warnungen im Schaufenster in den Karlsruher Geschäften

Viele entscheiden sich aber anders. „Wir sehen ständig Leute über die Baustelle klettern“, erzählt Yaşar Sibel von Shirttuner. Im Schaufenster des T-Shirt-Druckservices sind deshalb wie in vielen weiteren Läden auffällige Plakate befestigt. „Nicht klettern“ steht darauf. Daneben prangt ein Gefahrensymbol. Auf den Ladentheken liegen Listen zum Unterschreiben aus.

Einer der Gründe für die Initiative sei das Risiko, sich beim Klettern zu verletzen oder vom Verkehr erfasst zu werden, erklärt Samir Slim. Der Betreiber der Bierstube Zapfkönig unterstützt den Vorschlag seines Vermieters Vlantoussis, ein Element aus dem Bauzaun zu entfernen, um einen Durchgang zu schaffen.

Als Gastronom habe er auch wirtschaftliche Hintergedanken, denn die Anbindung der Läden an den Campus ist seit über einem Jahr abgeschnitten. Seit dem Wegfall der provisorischen Haltestelle „Durlacher Tor/KIT-Campus Süd“ kämen noch weniger Kunden, klagt Slim. Viele meiden den Umweg und suchen sich Alternativen.

Karlsruher Anlieger sammeln Unterschriften für Durchgang im Bauzaun

Vlantoussis fürchtet, dass die Situation noch zwei bis drei Jahre unverändert bleiben wird. Er kann nicht verstehen, weshalb es bislang keine andere Lösung gibt. „Wir sind wirklich enttäuscht. Denkt die Stadt überhaupt nicht an die Gewerbetreibenden?“, fragt er. In knapp einer Woche hat seine Initiative über 200 Unterschriften gesammelt. Die gingen an Stadtrat Thomas Hock (FDP).

Denkt die Stadt überhaupt nicht an die Gewerbetreibenden?
Jiannis Vlantoussis, Anwohner

Der Liberale will die Ladenbesitzer unterstützen und hat ein Treffen vor Ort angeregt. Auch das Tiefbauamt soll dabei sein. Zunächst muss aber aus seiner Sicht geklärt werden, ob der Zaun in die Zuständigkeit der Stadt oder wegen des Bezugs zum KIT-Gelände in die des Landesamtes Karlsruhe von Vermögen und Bau Baden-Württemberg fällt.

Am KIT weiß man bisher nichts von der Unterschriftenaktion. Hoffnung auf eine andere Lösung macht die Pressestelle den Anliegern auf BNN-Nachfrage aber nicht. Laut Vermögen und Bau sei eine Querung nicht möglich. Man bezieht sich auf Rückmeldungen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), die für den Schienenverkehr zuständig sind. Die städtischen Ämter für Tiefbau und Ordnung hätten außerdem keine Querung gefordert.

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