Skip to main content

Obere Bodenschichten ausgetrocknet

Keine Wasserknappheit in Karlsruhe - dennoch droht tausendfacher Baumtod

In der Region Karlsruhe droht keine Wasserknappheit - zumindest nicht für Menschen. Die Bäume der Stadt allerdings finden im Boden keine Flüssigkeit mehr. Tausende könnten sterben.

Lebenswichtig: Wie in der Kleingartenanlage Hagsfelder Allee dieser Blumenfreund seine Beete besprengt, hält bei der extremen Hitze in der Stadt fast überall nur menschliche Hilfe das Stadtgrün am Leben. Ein Trost: In und um Karlsruhe ist die Trinkwasserreserve unerschöpflich. Foto: Jörg Donecker

Heiße Luft aus Spanien in Karlsruhe, täglich 14 Stunden Sonne, nachts wenig Abkühlung: Diese Augustwoche setzt den meisten Menschen mächtig zu. Auch für Pflanzen ist sie eine extreme Herausforderung. Gras ist gelb, Rasenflächen verbrennen, Bäume werfen ihr Laub zu Boden, manche sterben ganz ab. Vieles, was sonst in der Stadt sprießt und grünt, erliegt nun dem Trockenstress.

Trinkwasser für die Stadtbewohner sprudelt weiter unbegrenzt. Das Stadtgrün hingegen hängt nun von menschlicher Pflege ab. Gartenfreunde retten es mit Wasserschlauch und Gießkanne. Freiwillige Feuerwehrleute rücken zum Wässern an. Das Team des städtischen Gartenbauamts besprengt es täglich stundenlang im Stadtgarten, steuert Schmuckbeete und junge Straßenbäume an. Im Frühjahr neu beschaffte Bewässerungsfahrzeuge mit 6.000-Liter-Fässern helfen dabei.

Pflanzen in Karlsruhe kommen nicht mehr an Wasser

Den vier Wasserwerken der Stadtwerke Karlsruhe fordern die rund 600.000 zu versorgende Menschen in Stadt und Region jetzt die maximale Leistung ab. Der Spitzenwert liegt aktuell bei 90.000 Kubikmetern Trinkwasser am Tag, erreicht am Freitag, 31. Juli 2020. Das war direkt zu Beginn der Ferien- und Reisezeit.

Die Daheimgebliebenen zapfen aber weiter reichlichst Trinkwasser, täglich bis zu 88.000 Kubikmeter. Es fließt aus dem größten Hochbehälter auf dem Turmberg in Durlach und vielen dezentralen Behältern. 63 Tiefbrunnen in den ausgedehnten Waldgebieten rings um Karlsruhe spenden rückstandsfreies, klares, kühles Nass aus 40 Metern Tiefe. Rund um die Uhr laufen die Pumpen, damit der Bedarf jederzeit gedeckt ist, erklärt Stadtwerke-Sprecher Markus Schneider.

Die Entnahme des Trinkwassers schadet den Wäldern nicht zusätzlich, versichert Matthias Maier, der Leiter der Karlsruher Wasserwerke und Vizepräsident der Europäischen Brunnengesellschaft. Alles, was im Erdreich wurzelt, auch die grüne Lunge insgesamt, kann die lebensnotwendige Feuchte nur aus dem oberen Bereich von ein bis drei Meter Erdreich saugen. In Karlsruhe kommen die Pflanzen schon seit zwei Wochen nicht mehr an verfügbares Wasser, zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung.

Genug Nachschub aus dem Schwarzwald

Während mancherorts schon das Bewässern verboten ist, spricht in Karlsruhe und der Region nichts dagegen, Gärten und Bäume zu gießen. Denn selbst bei Extremhitze wie jetzt fördern die Pumpen der Stadtwerke nur ein Drittel dessen zutage, was aus dem Schwarzwald nachströmt, erläutert Maier. Das Wasser werde nicht „verbraucht”, sondern „zurückgegeben”, sofern das Wässern morgens und abends stattfindet, wenn das kostbare Nass nicht gleich verdunstet.

7.08.2020 Trockenheit an Kiefern in der Kurt-Schuhmacher-Straße Foto: Jörg Donecker

Für viele Stadtbäume allerdings ist es bereits zu spät. In der Kurt-Schumacher-Straße in der Nordweststadt etwa verdorren übermannsdicke Kiefern reihenweise. In Neureut ist in der Straße „Am Baufeld” der Verfall schon einen Schritt weiter. Dort liegen Kiefernstämme knockentrocken in einer Wiese. „Tote Bäume kontrollieren unsere Leute wegen der Unfallgefahr, wässern sie aber nicht mehr”, erklärt Doris Fath, die Leiterin des städtischen Gartenbauamts.

1.000 abgestorbene Bäume hat ihr Team dieses Jahr schon gezählt. Im Jahr davor gingen schon 4.000 verloren. Wie viele Stadtbäume der Hitzesommer 2020 letztlich das Leben kostet, wird erst das Frühjahr 2021 weisen, erst dann zeigen sich alle Schäden. Doris Fath treibt die Entwicklung Sorgenfalten auf die Stirn: „Das ist schon beängstigend, weil wir nicht wissen, wohin die Reise geht.”

Große Sorgen um den Stadtwald macht sich auch der Leiter des städtischen Forstamtes, Ulrich Kienzler. Hainbuchen, Linden und andere Baumarten werfen ihre gelb vertrockneten Blätter wie im Herbst ab, schildert er die Lage. Die Waldwege sind staubtrocken, sogar Radfahrende ziehen Staubfahnen hinter sich her. Bei Stupferich und Grötzingen haben Borkenkäfer letzte übriggebliebene Fichten befallen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang