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Ministerpräsident besucht Tech-Startups

Kretschmann äußert „großen Respekt“ vor Karlsruher Gründern

Seine Sommertour führt Ministerpräsident Winfried Kretschmann erstmals zum Cyberforum nach Karlsruhe, zum Zeiss Innovation Hub auf dem KIT Campus Nord und zum E-Fuel-Produzenten Ineratec. Für den Grünen ein Besuch mit überraschender Erkenntnis.

Beeindruckt vom Gründergeist: Ministerpräsident Kretschmann im Gespräch mit Startups wie Daedalus beim Cyberlab in Karlsruhe. Foto: Andrea Fabry

Sein Besuch ist eine Premiere: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist zum ersten Mal beim Karlsruher Cyberforum, das in der Hoepfner-Burg im Herzen der Stadt immer größer wird.

Mit über 1.200 Mitgliedern ist das Cyberforum nach eigenen Angaben das größte Netzwerk für Hightech-Unternehmer in Europa. Es unterstützt KIT-Absolventen, ihre Ideen in Firmengründungen zu etablieren.

Mit einigen dieser jungen Gründer sitzt der Ministerpräsident rund um einen großen Tisch im ehemaligen Malzwerk der Brauerei. Kretschmann hört vor allem zu.

Start-up Daedalus setzt KI für automatische Roboter-Programmierung ein

Da ist die Geschichte des Start-ups Daedalus, 2019 gegründet. Die Entwickler setzen künstliche Intelligenz ein, um Roboter automatisiert zu programmieren. Gerade hat die kleine Firma erfolgreich eine Finanzierungsrunde auch in den USA mit Geldgebern wie Khosla Ventures abgeschlossen, auch Karlsruher Investoren sind dabei.

Daedalus zählt bereits Unternehmen wie Zeiss und VW zu seinen Kunden und bereitet sich derzeit auf Größeres vor. Entwicklungen wie der Roboter, der nebenan in der alten Bierfass-Lagerhalle unermüdlich und mit höchster Präzision Metallteile fertigt, sind vielversprechend.

Künstliche Intelligenz spielt auch bei der heliopas.ai GmbH eine Rolle: Die KI wertet Sensor-, Wetter- und Satellitendaten aus und hilft Landwirten oder Saatgut-Züchtern so bei Einschätzungen zur Bewässerung. Oder das Startup medical values: Hier unterstützt die KI mit der Auswertung von Massendaten Ärzte bei ihren Diagnosen.

Das Geld, das Stadt und Land zum Ausbau des alten Malzwerks zu einem Cyberlab vor sechs Jahren in die Hand genommen haben, sei gut investiert, rechnen die Verantwortlichen des Cyberforums vor. Mit Mitteln auch aus dem EU-Fonds EFRE waren es jeweils rund 700.000 Euro.

Dem stünden Steuereinnahmen von mehr als 2,3 Millionen Euro pro Jahr für die Stadt Karlsruhe gegenüber. Für den laufenden Betrieb des Cyberlabs zahle das Land aktuell für einen Förderzeitraum von zwei Jahren rund 800.000 Euro.

Vorstandsvorsitzender Mathias Hornberger wünscht sich hier eine Verstetigung, statt sich „kurzatmig“ alle zwei Jahre neu zu bewerben. „Natürlich prüfen wir so etwas ernsthaft, der Wunsch ist ja berechtigt“, so Kretschmann gegenüber den BNN.

Klimawandel mit intelligenter Technik begegnen

Denn was er sieht, stimmt den Ministerpräsidenten zufrieden. „Wir haben da etwas Richtiges auf die Spur gesetzt“, resümiert er, das Geld sei an der richtigen Stelle ausgegeben worden. „Da ist richtig was im Gange, es wächst etwas, und das ist das, was wir brauchen“, so Kretschmann. „Gerade auch die Herausforderungen durch den Klimawandel, da brauchen wir viel intelligente Technik und Software.“

Das Zeiss Innovation Hub auf dem Campus Nord des KIT gibt es erst seit rund anderthalb Jahren. Es ist Kretschmanns zweite Station auf seiner Karlsruher Technologie-Tour.

Entspiegelte Solarmodule: Ministerpräsident Kretschmann zu Besuch bei der KIT-Ausgründung Phytonics am Zeiss Innovation Hub. Foto: Andrea Fabry

Zeiss fördert die Ansiedlung von Hochtechnologie- und Digital-Start-ups, wie zum Beispiel die KIT-Ausgründung Phytonics. Es hat nach dem Vorbild von Rosenblüten eine Folie entwickelt, die Oberflächen entspiegelt. „Damit erhöhen wir bei Solarmodulen den Wirkungsgrad um fünf bis zehn Prozent“, erläutert Gründer Moritz Luck. Auch das eine Botschaft, die Kretschmann gerne vernimmt.

Kretschmann überrascht von Ineratec in Karlsruhe-Knielingen

Überrascht über den Stand der Entwicklung bei synthetischen Kraftstoffen zeigt sich der Ministerpräsident dagegen bei der letzten Station seiner Tour, der Firma Ineratec in Karlsruhe-Knielingen.

Sie stellt aus dem Treibhausgas CO2 und Wasserstoff synthetisches Kerosin, Benzin oder Diesel her, sogenannte E-Fuels. „Das hat mich total überrascht, dass Sie das so kompakt hinbekommen“, gibt Kretschmann zu. Die Firma mit 70 Mitarbeitern setzt nicht nur auf die Herstellung der Kraftstoffe selbst, sondern auch auf den Bau und Verkauf containergroßer Anlagen zur Herstellung der klimafreundlichen Treibstoffe.

Gerade die Flugindustrie erhofft sich davon viel. „Technologie-Offenheit ist wichtig“, sagt Kretschmann, der „probeweise“ im gerade erst vorgestellten E-Auto EQS von Mercedes Benz unterwegs ist. Ein E-Fuel-Fläschchen von ineratec, das er als Geschenk erhält, soll ihn an diesen Grundsatz erinnern.

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