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Buchempfehlungen

Lese-Trends: Der Herbst ist in Karlsruhe die Zeit für Belletristik

Literaturnobelpreis, Frankfurter Buchmesse und Karlsruher Literaturtage: Im Herbst sind Bücher gefragt - und dementsprechend viele Neuerscheinungen kommen auf den Markt. Die Redaktion hat sich deshalb in der Karlsruher Innenstadt nach Empfehlungen für die Herbst-Lektüre umgeschaut. 

Belletristik und Satire: Vor allem Romane würden im Herbst gerne gekauft, erklärt Christoph Schön. In der Buchhandlung Stephanus fragen die Kunden häufig direkt nach den Neuerscheinungen, die in den Feuilletons besprochen wurden. Foto: Jörg Donecker

Der Herbst ist die Hoch-Zeit in der Buchbranche: Literaturnobelpreis, Frankfurter Buchmesse und auch die Karlsruher Literaturtage finden in dieser Jahreszeit statt. Anlass für die Redaktion, dem aktuellen Bücherangebot in der Innenstadt auf den Grund zu gehen.

Der öffentliche Bücherschrank am Lidellplatz sieht schon ziemlich ausgeplündert aus. Viel Luft ist noch zwischen den Bänden, die in dem frei zugänglichen Glaskasten auf neue Leser warten. Doch es ist wie in einem gut sortierten Bekleidungsgeschäft: Man muss sich nicht erst durch eine Fülle von Angeboten wühlen, um moderne und zeitlose Klassiker zu finden.

„Das Geisterhaus“ von Isabel Allende liegt da neben der „Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann. Paul Austers „Moon Palace“ neben einem Sammelband mit Kafka-Texten. Und ein Taschenbuch mit dem offenbar nicht ganz ernst gemeinten Titel „Ich hasse den Sommer“ (Sibylle Weischenberg) macht dazwischen mit sonnengelbem Einband auf sich aufmerksam. Dazu noch ein Roman des französischen Schriftstellers Le Clézio („Fisch aus Gold“) und ein paar Krimis von Henning Mankell oder Elisabeth George – für jede und jeden ist etwas dabei, und zwar aus dem Bücherschrank kostenlos.

Was in den Feuilletons besprochen wird, geht gut

Wer die allerneusten Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt haben will, muss dagegen in eine Buchhandlung gehen. „Im Herbst wird immer mehr gekauft, klar“, sagt Christoph Schön bei Stephanus in der Herrenstraße. Durch die Frankfurter Buchmesse, die Verleihung von Literaturnobelpreis und Deutschem Buchpreis sei Lesen im Oktober einfach angesagt. „Es wird viel Belletristik gelesen, Romane und Erzählungen“, sagt Schön.

Die Bücher, die in den Feuilletons besprochen werden, seien auch diejenigen, nach denen die Kunden dann fragten. Aktuelle Hits bei Stephanus: Die Erzählbände „Abschiedsfarben“ von Bernhard Schlink und „Männer in Kamelhaarmänteln“ von Elke Heidenreich sowie „QualityLand 2.0“, die Fortsetzung von Marc-Uwe Klings satirischer Dystopie.

Bibliothekare geben Empfehlungen

Die Stadtbibliothek Karlsruhe hat die Spiegel-Bestsellerliste abonniert, erklärt Leiterin Andrea Krieg. „Wir bekommen alle diese Titel regelmäßig geliefert, und sie werden auch stark nachgefragt“, sagt sie. Innerhalb der Bibliothek geben auch die Expertinnen und Experten eigene Lesetipps: In Form von Einsteckern, ähnlich einem Lesezeichen.

„Die Auswahl erfolgt nach der persönlichen Einschätzung und Erfahrung, wird aber auch quer geprüft, das heißt, man achtet auch darauf, was in den Feuilletons, in Fachmedien oder in den BNN besprochen wird.“ Auf eine bestimmte Jahreszeit lassen sich die Vorlieben der Bibliotheksnutzer heute nicht mehr eindeutig eingrenzen. Eine stärkere Nachfrage nach Büchern allgemein gebe es nach wie vor ab Herbst bis über den Jahreswechsel, aber auch zum Sommerbeginn.

„Die Spiegel-Bestseller und Krimis sind bei uns Dauerbrenner, im Moment zum Beispiel der neueste Allgäu-Krimi“, sagt Krieg. In den Schaufenstern der Bibliothek im Neuen Ständehaus wird regelmäßig eine kleine Auswahl der neuesten Anschaffungen gezeigt. Viel Ratgeber-Literatur ist dort oft zu finden, etwa zu Gesundheitsthemen, aber auch Selbstbewusstsein und Partnerschaft.

„Diese im weitesten Sinne psychologischen Themen gehen immer gut“, sagt Krieg. Die gerade laufende Buchmesse in Frankfurt beeinflusse auch das Nutzerverhalten. „Viele Leute in Karlsruhe nehmen sehr bewusst wahr, was zur Buchmesse erscheint.“ Sie lesen laut Krieg die Besprechungen und fragen auch in der Stadtbibliothek nach, ob das Buch schon zu bekommen sei – im Moment zum Beispiel Thomas Hettches Roman „Herzfaden“ über die Augsburger Puppenkiste.

Auf Reisen in Büchern

Lektüre anstelle von Last-Minute-Reisen ist in diesem Jahr die wohl sicherste Art, in die Ferne zu schweifen. Im Reisebuchladen in der Herrenstraße empfiehlt Volker Hager zum Beispiel den Grafik-Band „100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern“ mit Darstellungen zur Verteilung der Leuchttürme in Europa oder der Verbreitung des Löwen, erschienen 2019 im Katapult-Verlag, sowie den Nachfolger „100 Karten über Sprache“.

„Das Thema Touristik ist in diesem Jahr ja schwierig“, sagt Hager. „Gut läuft es bei uns aber mit regionalen Themen.“ Gerne gekauft wird zum Beispiel das Buch „Frauenperspektiven“ von Christiane Möschle und Katja Sievers. „Gefragt ist auch alles zum Thema Deutschland entdecken“, erklärt der Buchhändler. Auf kulinarische Geistreise gehen kann man auch gut mit Doris Dörrie: Hager empfiehlt „Die Welt auf dem Teller“ – „schöne kleine Geschichten über das Essen“. Zu Weihnachten verschenken viele seiner Kunden außerdem einen beleuchteten Globus: Zum „Lesen“ der Weltkugel mit dem Finger auf der Karte.

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