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Riesenprojekte in der Karlsruher Innenstadt

Riesenprojekte in der Innenstadt: Die Karlsruher City steht vor einem neuen Umbruch

Karlsruhe steht vor einem gewaltigen Entwicklungsschub. Mitten in der City wird ein ganzes Quartier völlig umgekrempelt. Ein ungeliebter Baukomplex steht vor dem Abriss, und ein Hochhaus von 70 Metern kann kommen.

Das Markgräfliche Palais: Der Säulenbau von Weinbrenner am Rondellplatz gilt als architektonischer Schatz der Stadt. Das Haus steht zum Verkauf. Vielleicht wird es bald bundesweit als Forum Recht bekannt. Foto: Peter Sandbiller

Die Karlsruher City verändert sich gewaltig. Zwei benachbarte Riesenprojekte an zentraler Stelle werden gerade ausgebrütet. Es geht um die Zukunft des Markgräflichen Palais am Rondellplatz und des Postgiroamts an der Kriegsstraße. Was werden der oder die neuen Besitzer aus diesen Immobilien in Toplage machen? Wann werden die alten Gebäudekomplexe mit Ausnahme des denkmalgeschützten Säulenbaus von Weinbrenner abgerissen, wie schnell und mit was werden die Lücken gefüllt?

Inzwischen gibt es zwei immer wahrscheinlicher werdende Vorhaben: Erstens kommt die Stadt beim Erwerb des Markgräflichen Palais nach ewigem Gezerre mit dem Eigentümer BBBank letztlich doch noch in diesem Herbst per Vorkaufsrecht zum Zuge. Gleichzeitig kann der sich abzeichnende Wille des Gemeinderats damit den Weg ebnen, dass bei der badischen Verfassungssäule am Rondellplatz und damit eben doch nicht direkt beim Bundesgerichtshof (BGH) das Forum Recht eine bundesweit bekannte Karlsruher Adresse wird.

Spekulation an der Spiegelachse

Zweitens entsteht an Stelle des Postgiroamts ein neuer Riegelkomplex mit mindestens einem Hochhaus von mehr als 70 Metern Höhe. Die internationale Architektenwerkstatt zur Zukunft des Ettlinger Tors hat jüngst diese von der Jury hochgelobte Idee des Schweizers Max Dudler hervorgebracht. Auf jeden Fall steht dem Karree der Karl-Friedrich-Straße zwischen Rondellplatz und Ettlinger Tor sowie der Kriegs-, der Kreuz- und der Markgrafenstraße der Umbruch bevor. Die Innenstadt wird damit zum Boden der Spekulation großer Investoren. Ähnliches geschah vor 20 Jahren auf der anderen Seite der fächerstädtischen Spiegelachse Via Triumphalis: Damals wurde mit dem fast totalen Abriss eines ganzen Quartiers das Einkaufscenter Ettlinger Tor geschaffen.

Es ist klug, wenn bei der Projektentwicklung alles in einer Hand läuft.
Peter Unmüßig, Freiburger Immobilien-Investor

Was zeichnet sich ab? Die Rathausspitze mauert, die BBBank gibt sich schmallippig. Allein Peter Unmüßig, Chef der Freiburger Unmüssig Immobilien Management GmbH und Käufer des Postgiroamts, kommt aus der Deckung: Das Postgiroamt will er 2025 abreißen und durch einen Neubaukomplex ersetzen. „Mit großer Offenheit“ kann er sich ein Hochhaus sehr gut vorstellen, „wenn die Planung auch ökonomisch vernünftig ist“. Aber Umüßig will noch mehr: „Ja, wir sind dabei, ich habe auch beim Palais mitgeboten“, bekennt er. Unmüßig meint: „Es ist sicherlich klug, wenn bei der Projektentwicklung im ganzen Quartier alles in einer Hand läuft.“

Die Bank verkauft

„Die BBBank wird das Gebäude am Rondellplatz verkaufen“, bekennt Philipp Schultheiß, Bereichsleiter Vorstandsstab BBBank. „Zum Zeithorizont kann ich Ihnen keine Angaben machen“, mehr fügt er nicht hinzu. Dabei ist in gut informierten Kreisen zu hören, dass sich der Bankvorstand in diesem Monat entscheidet und im Oktober der Aufsichtsrat befindet. Der Bieterwettbewerb hat wohl zwei Favoriten erbracht, die deutlich über dem Angebot der Stadt liegen. Dabei schienen die nun entzweiten Partner schon vor fünf Jahren ihr Geschäft gemacht zu haben. Damals meldeten sie gemeinsam: „Die BBBank und die Stadt Karlsruhe haben grundsätzliche Einigkeit darüber erzielt, dass das im Eigentum der Bank befindliche Markgräfliche Palais am Rondellplatz in Karlsruhe von der Stadt erworben werden soll.“ Die Stadt wollte den Bauplatz mit Weinbrenner-Prunkstück „für die Entwicklung der Innenstadt in Rathausnähe“ nutzen. Doch dann kam die Bank darauf, dass sie ihre Immobilie teurer verkaufen müsse.

Fraktionen bringen Bewegung in die Forumsfrage

Jetzt werfen vier Fraktionen einen begehrlichen Blick auf das Palais am Rondellplatz. Sie möchten dort das Forum Recht sehen, weil in der Bürgerschaft ein Neubau im BGH-Park großen Widerstand findet. Die Rathausspitze ziert sich noch. Sie meint, auch wenn die Stadt das Vorkaufsrecht trotz deutlicher Verteuerung ziehen kann, würden Probleme das Prestigeprojekt verzögern. Schließlich muss im Bundesgesetz zum Forum Recht der Passus, der ein Gebäude direkt beim BGH vorschreibt, geändert werden.

Doch der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther, erfolgreicher Vorkämpfer Karlsruhes für das Forum in Berlin, sieht da keine großen Hürden. „Der Bundestag kann den Gesetzespassus recht einfach ändern“, betont er. Auch finanzielle Einwände wegen Mehrkosten für ein Forum am Rondellplatz räumt er aus. „Wie sich Karlsruhe und Leipzig die bereitstehenden 140 Millionen Euro für die zwei Standorte des Forums teilen, ist offen“, berichtet Wellenreuther. Am 29. September will der Gemeinderat in der Frage „Palais und Forum“ seine Position finden.

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