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Nutzer von 20 bis 80 Jahren

Seit Corona boomt in Weingarten die Kartenzahlung

Die Benutzung der EC-Karte als Zahlungsmittel hat aufgrund der Forderung nach kontaktlosem Bezahlen stark zugenommen. Aber nicht alle Händler sehen darin nur Vorteile.

Auch bei kleinen Beträgen erwünscht: In den Geschäften wird immer mehr mit Karte bezahlt, auch wenn es sich nur um kleine Beträge handelt. Foto: Marianne Lother

EC-Karte bevorzugt – auch kleine Beträge. Unübersehbar weist das Schild an der Kasse der Weingartner Metzgerei Kunzmann darauf hin, dass auch hier im Kampf gegen das Coronavirus verstärkt auf Kartenzahlung gesetzt wird.

„Electronic Cash“ bedeutet die Abkürzung – elektronisches Bargeld. Wo immer nur möglich, sollen Kontakte vermieden werden und die Übergabe von echtem Bargeld, womöglich von Hand zu Hand, galt schon immer als unhygienisch. Die eigene Karte einzustecken oder sogar nur aufzulegen, gilt dagegen als die Lösung der Stunde.

Sie benütze die Karte seit Beginn der Corona-Pandemie öfter, sagt die 27-jährige Weingartenerin Vanessa Graf, auch für kleinere Beträge. Denn gerade beim Münzgeld sehe sie Probleme mit der Hygiene. Außerdem gehe das einfache Auflegen der Karte „deutlich schneller als Geld herauszukramen“.

„Bei mir hat sich durch Corona nichts verändert“, erklärt die 65-jährige Weingarterin Renate Haiber. Im Supermarkt und in der Apotheke zahle sie mit Karte, in den anderen Läden – meist Bäcker und Metzger – nicht, es sei denn es handele sich um einen größeren Betrag. Das war vorher schon so und werde auch so bleiben.

Der 1961 mit deutlich verkürzten Armen geborene Weingartener Jörg Kreuzinger sieht in der Karte, die er nur aufzulegen braucht, eine enorme Erleichterung des Bezahlens und benutzt sie gerne. Seit Corona noch häufiger als vorher, denn er findet sie einfach praktisch.

Quer durch alle Altersschichten

„Seit Beginn der Krise ist die Kartenzahlung bei uns deutlich, man kann sagen sprunghaft, angestiegen“ berichtet Petra Meier, Inhaberin des Hofladens Meierhof in Stutensee-Staffort. „Wir fordern unsere Kunden nicht dazu auf, sie machen das von sich aus.“

Der Besitz eines elektronischen Zahlungsmittels gehe quer durch alle Altersschichten, „von 20 bis 80 Jahre“, hat Petra Meier beobachtet. Allerdings nutzen nahezu alle Kunden diesen Weg erst ab Beträgen von rund 15 Euro aufwärts, obwohl keine Mindestgrenze gesetzt ist. Wer im Meierhof nur kurzentschlossen einen Salatkopf kaufe, zahle bar.

Viele Kunden nutzen die Karte erst bei höheren Beträgen

Bereits ab fünf Euro darf man bei der Weingartner Metzgerei Kunzmann per Karte bezahlen. Die Metzgerei hat das elektronische Zahlsystem schon lange vor der Corona-Pandemie in Betrieb genommen, aber jetzt beobachtet Geschäftsführerin Beate Wilhelm ebenfalls eine Veränderung im Zahlungsverhalten ihrer Kunden, deutlich zugunsten der Karte.

„Zu Beginn der Woche zahlen rund 30 Prozent der Kunden mit der Karte, zum Wochenende sind es sogar 50 Prozent“, sagt sie. Kleinbeträge sind allerdings wenig dabei, in der Regel nutzen die Kunden die Karte erst ab Beträgen von zehn Euro. Die Karte ermöglichten Spontaneinkäufe auch dann, wenn der Käufer nicht genug Bargeld bei sich hat, sagt sie. Für das Geschäft sei von Vorteil, dass weniger Wechselgeld bereitgestellt werden muss.

Zusätzliche Gebühren

Als einen nicht unbedeutenden Nachteil nennt Beate Wilhelm jedoch hohe Kosten durch die zusätzlichen Gebühren, die die Bank für die Buchung von EC-Abrechnungen erhebt. Dennoch sei es im Dienste der Hygiene von Vorteil, nur die Karte aufzulegen.

Die Bäckerei Visel betreibt mehrere Filialen in Karlsruhe und Stutensee. Bäckermeister Mike Visel berichtet, die Pandemie habe offen gelegt, wie wichtig die elektronische Art der Zahlung geworden sei. Sie sei zwar noch nicht in allen Filialen eingeführt, aber dort wo es möglich sei, habe sich die Anzahl der EC-Zahlungen trotz des durch den Lockdown bedingten Umsatzrückgangs und des Rückgangs der Kundenzahlen mehr als verdoppelt.

Geschäftsleute benötigen weniger Rollengeld

Das überrasche insbesondere vor dem Hintergrund, dass die EC-Zahlung erst ab einem Einkaufswert von zehn Euro möglich sei. Mike Visel sieht in dem System nur Vorteile. Es spare nicht nur Zeit, sondern aus seiner Sicht auch Kosten, weil der Anfall von Münzgeld zurückgehe. Denn die Bank erhebe Gebühren für die Abgabe von Bargeld, insbesondere von Münzgeld, die obendrein nur nach terminlicher Absprache möglich ist, und zusätzlich Gebühren für die Abholung von Rollengeld.

Die Geschäftsführung, ist zu erfahren, beabsichtige, in naher Zukunft alle Filialen mit Kartenterminals auszustatten. Neben der klassischen EC-Karte sollen dann auch modernere Lösungen, beispielsweise Zahlung per App, möglich werden. Seiner Meinung nach habe die Pandemie den Trend zum bargeldlosen Zahlungsverkehr nur beschleunigt.

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