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Kulturgesichter 0721

Núria Cunillera Salas wurde vom Corona-Lockdown auf vielen Klangfeldern ausgebremst

Die Pianistin, Sängerin und Dirigentin Núria Cunillera Salas arbeitet in mehreren Disziplinen. Momentan ist das wegen der Corona-Pandemie aber kaum möglich.

Entschloss sich früh für die Musik als Beruf: Núria Cunillera Salas ist vielseitig, aber von Corona auf fast allen Feldern ausgebremst. Foto: Niklas Braun

„N“ wie „Núria“. „N“ wie „neugierig und nervig“. Núria Cunillera Salas benötigt zwei Begriffe, um ihre Stimmungslage zu fassen. „Ich bin neugierig, wie sich diese Situation weiter entwickeln wird“, so fühlt sie in guten Momenten. „Ich finde es nervig, dass die Kultur so viel darunter leiden muss und als erstes abgesagt wurde“, fühlt sie in den weniger guten. Denn den halbherzigen Lockdown im November empfindet sie als halbe Lösung und halbeffektiv.

Dass nur konsequente Umsetzung etwas bringt, hat sie durch ihre Familie und Freunde in Spanien gelernt. In diesem Land wurde Núria Cunillera Salas geboren. Im katalanischen Reus verlebte sie ihre Kindheit und Jugend. Auch wenn Reus keine Küstenstadt ist, so sind es bis zum Meer doch nur ein paar Kilometer.

Das vermisst sie sehr: „In jedem Zimmer meiner Wohnung gibt es ein Stück Meer“ sagt sie und meint die Muscheln, die sie gesammelt hat und die sie an die Weite erinnern, die der Anblick des Meers vermittelt und die ihr jetzt so fehlt.

Vielseitig wie ein Renaissancemensch

Eine Weite, die sich auch in ihrem musikalischen Geist zeigt: Sie ist Pianistin, Sängerin, Dirigentin und Musiktheoretikerin. Und zwar auf professionellem Niveau in all diesen Disziplinen. Dass Ideal der Universalität, sich nicht den Grenzen einer Disziplin zu unterwerfen, hat sie schon immer angezogen. Daher ist es ist kein Wunder, dass sich Núria Cunillera Salas als einen Renaissancemenschen beschreibt.

Schon in ihrer Jugendzeit fühlte sie sich von immer neuen Leidenschaften angelockt. Die Kunst, die Kinematografie und die Fotografie sind bis heute sozusagen ihre Augen-Leidenschaften. Die anderen Leidenschaften, die mit dem Ohr, begannen im Elternhaus. Da stand nämlich ein Klavier, auf dem ihre große Schwester unterrichtet wurde.

Was die kleine Núria von ihrer Schwester hörte, das spielte sie nach. In der Musikschule bekam sie dann geregelten Unterricht – und sang im Chor. Das eröffnete ihr den nächsten Weg, denn ihre Chorleiterin schlug sie für den Gesangsunterricht vor. Und als sie später ein Problem mit den Fingern bekam, fand sie in der Musiktheorie und dem Dirigieren Möglichkeiten, sich auszudrücken.

Mit zehn Jahren für Musik entschieden

Von ihrem schon als Zehnjährige gefassten Entschluss, die Musik zum Beruf zu machen, ließ sie auch nach dem frühen Tod ihrer Eltern nicht ab. Vom Konservatorium in Vila-Seca führte sie ihr Ausbildungsweg an die Musikhochschule in Barcelona, wonach sie ihre Abschlüsse in Klavier, Gesang und Musiktheorie in der Tasche hatte.

Aber das sollte es noch nicht gewesen sein, denn sie wollte unbedingt noch Dirigieren studieren. Das Salzburger Mozarteum hätte sie aufgenommen, da aber wollte sie dann doch nicht so gerne hin, denn „das war mir zu opernhaft.“ Sie entschied sich für Professor Martin Schmidt an der Karlsruher Musikhochschule.

Online fehlt ihr die Kreativität

Dort ist sie nach ihrem Abschluss, von einem kurzen Ausflug als Dozentin für Vokalmusik an die Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg abgesehen, beruflich geblieben. Natürlich war und ist sie auch ausübende Künstlerin. Mit dem von ihr aufgebauten und geleiteten Frauenchor Vox Pulchra überzeugte sie Publikum und Kritiker.

Das alles scheint so fern und es ist derzeit nur ihre Tätigkeit an der Musikhochschule, die sie finanziell über Wasser hält. Dort unterrichtet sie Musiktheorie. Das geschieht online, was Núria Cunillera Salas als eher unkreativ empfindet. Der Klang sei einfach komisch.

Glück mit Aufführung im ZKM

Leider hat die Pandemie ihre Pläne, einen Chor für Neue Musik zu gründen, wenn auch nicht durchkreuzt, so doch ins Ungewisse verschoben. Wer einmal Vox Pulchra gehört hat und daher weiß, auf welch hohes Niveau sie einen Chor führen kann, kann dies nur bedauern.

Die künstlerische Untätigkeit ging ihr sehr an die Nieren und es war ein Glück, dass sie mit der Online-Aufführung von Alvin Luciers „Wave Songs“ vor einigen Wochen im ZKM eine neue Aufgabe hatte und ihre Kraft in das Studieren einer ziemlich fordernden Gesangsstimme legen konnte. Das tat ihrer Seele mehr als gut. Der bedeutende Komponist war von ihrer Interpretation begeistert und hat sich in einer E-Mail bedankt. Das hilft: „Ich freue mich so sehr darüber!“

Zur Serie

Die Kulturszene ist besonders hart getroffen von den Corona-Maßnahmen: Hier arbeiten zahlreiche Menschen, denen seit dem ersten Lockdown im März die Einnahmen größtenteils oder sogar komplett weggebrochen sind. Auch viele Karlsruherinnen und Karlsruher sind davon betroffen und machen derzeit mit der Fotoaktion „Kulturgesichter0721“ auf die bedrohliche Lage ihrer Berufsgruppen aufmerksam. Einige hiervon stellen die BNN in einer Porträt-Reihe vor.

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