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Strobl unterstützt Petzen

Polizei muss trotz Corona-Einschränkungen viele Gartenfeiern und Partys auflösen

Trotz scharfer Einschränkungen und öffentlicher Ermahnungen hat die Polizei am Wochenende mehrere sogenannte Corona-Partys, Gartenfeiern, geheime Kosmetikbehandlungen und sogar ein Treffen in einer Shisha-Bar aufgelöst und Hunderte von Menschen angezeigt.

Warten wegen des Coronavirus: Schlange stehen gehört für viele Leute in Karlsruhe zum samstäglichen Einkauf dazu. Foto: jodo

Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe registrierte die Polizei am gesamten Wochenende 150 Verstöße . Darunter viele kleine Vergehen, aber auch eine noch Laufende Behandlung in einem Kosmetikstudio oder eine Ansammlung von gleich 29 Personen auf dem Werderplatz.

Wobei aus Sicht der Polizei alles noch harmlos verlief. „Größtenteils haben sich die Leute daran gehalten, obwohl es bei dem Wetter sicher vielen schwer fiel”, sagt eine Sprecherin des Karlsruher Polizeipräsidiums.

Die Mannheimer Polizei registrierte dagegen allein am Samstag 264 Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz, gegen rund 250 Menschen wurden Bußgeldverfahren und Strafverfahren eingeleitet.

Innenminister Strobl will das Coronavirus auch mit Hilfe von „Petzen” einbremsen

Innenminster Thomas Strobl rief jedenfalls dazu auf, festgestellte Verstöße gegen die Regeln der Polizei zu melden. „Ich finde es in Ordnung, wenn die Menschen wachsam sind”, sagte der CDU-Politiker am Montag der „Bild”. Es gehe darum, die Ausbreitung der Seuche zu verlangsamen und Menschenleben zu retten. „Wenn es Uneinsichtige gibt, die vorsätzlich oder fahrlässig dagegen verstoßen, müssen unsere Sicherheitsbehörden das wissen, damit sie das unterbinden können.”

Solche Meldungen verzeichnet auch die Polizei in Karlsruhe verstärkt. „Sie glauben nicht, wie viele Leute das inzwischen melden”, sagt eine Sprecherin. Noch seien die Meldungen nicht häufig, aber hin und wieder zeigen Menschen schon Nachbarn an, die sich nicht an Regeln zum Infektionsschutz halten.

Wo sonst offene Läden, Cafés und Eisdielen locken, sieht es für Einzelhändler und Gastronomen schlecht aus. Foto: Werry

So fand die Karlsruher Polizei auch eine versteckte Party im Bezirk des Polizeireviers West. Die Beamten trafen mehrere Menschen beim Essen in Abendkleidung an. Diese behaupteten dann, sie würden Renovierungsarbeiten durchführen. Die Polizei prüft jetzt, ob es sich um einen Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz handelt.

Lautsprecherdurchsagen waren daneben auf einem Karlsruher Wochenmarkt nötig, außerdem mussten am Wochenende im Stadt- und Landkreis Karlsruhe mehrere Gaststätten geschlossen werden.

Von der Polizei aufgelöst: Gartenpartys, ein geheimes Restaurant und ein „opulentes Picknick”

Besonders erstaunt dürften die Polizisten gewesen sein, die am Samstagnachmittag bei einem Picknick auf der Autobahn 6 einschreiten mussten: „Auf dem Grünstreifen der Tank- und Rastanlage Hockenheim-West hatten sich rund 25 durchreisende Personen niedergelassen und ein opulentes Picknick veranstaltet”, teilte die Polizei mit. Auch drei Gartenpartys in Heidelberg, Hemsbach und Rauenberg sowie einer Leimener Garagenparty bereiteten Beamte ein Ende.

In Neckarstadt mussten sie zudem eine Gaststätte schließen: Gäste waren über einen Nebeneingang und das Treppenhaus ins Haus gelassen worden, sie hatten hinter heruntergelassenen Rollos gefeiert.

Das seien Ausnahmen gewesen und keinesfalls die Regel, hieß es nicht nur in Mannheim bei der Polizei. Teilweise allerdings seien den Menschen die Vorschriften schlicht völlig egal, sagte ein Polizeisprecher in Mannheim am Montag.

In Stuttgart gibt es Streit um eine heimlich geöffnete Shisha-Bar in Zeiten von Corona

Auch die Feier in einer Stuttgarter Shisha-Bar wird Konsequenzen haben für rund zwei Dutzend Menschen: „Die dort angetroffenen Personen erwartet ein Verfahren nach dem neuen Bußgeldkatalog des Landes”, sagte ein Stadtsprecher. Der Strafrahmen liegt dabei zwischen 250 und 1.000 Euro. Das Ordnungsamt will zudem die Konzession des Betreibers prüfen.

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben die Tür von der Feuerwehr aufbrechen lassen müssen, weil in der Shisha-Bar niemand auf die Aufforderungen zu öffnen reagiert hatte. Die meisten Feiernden hatten sich in einem Lagerkeller verbarrikadiert, als die Polizei sie kontrollierte.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hatte das Verhalten als ignorant und unvernünftig kritisiert. „Wer sich jetzt noch in Gruppen versammelt und Partys feiert, handelt gegen die Gesellschaft und nimmt in Kauf, dass Menschen schwer krank werden oder sogar sterben”, hatte er der angezeigten Gruppe vorgeworfen.

Auf der Schwäbischen Alb fielen der Polizei Wandergruppen auf, in Rottenburg im Kreis Tübingen attackierte eine Gruppe von Jugendlichen die Beamten, und in Hechingen im Zollernalbkreis wurde die Schutzhütte eines Grillplatzes bei einer Party zerstört.

Im Stadt- und Landkreis Heilbronn wurden laut Polizei mehr als 100 Menschen angezeigt. Unter anderem musste die Polizei an einem Badesee per Lautsprecher auf die Regeln zur Eindämmung des Coronavirus verweisen. Die meisten seien den Aufforderungen nachgekommen und damit einer Strafe entgangen, erklärte ein Polizeisprecher. In einigen Fällen hätten die Beamten dieselben Gruppen jedoch später erneut erwischt.

In Baden-Württemberg sind Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen mit mehr als zwei Personen, die nicht zur Familie gehören, verboten. Am Sonntag hatte das Land dazu einen Bußgeldkatalog veröffentlicht.

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