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Einsatz für Kinder auf dem Rad

Radelnde Familien beanspruchen die Straßen in Karlsruhe und Ettlingen

„Platz da für die nächste Generation“ fordern inzwischen mehr als 110 deutschsprachige Organisationen des Aktionsbündnisses „Kidical Mass“. Nun kommt die Kidical-Mass-Bewegung auch nach Karlsruhe und Ettlingen. Die Doppelpremiere ist fix und fertig vorbereitet.

Mit Kind und Sack und Pack aufs Fahrrad: Familien erobern Stadtstraßen bei Kidical-Mass-Ausfahrten. Vorbild ist unter anderem Dortmund. Die Doppelpremiere für Karlsruhe und Ettlingen haben Aktive des ADFC fix und fertig vorbereitet. Foto: ADFC

„Platz da für die nächste Generation“: Mit dieser Forderung rollen inzwischen mehr als 110 deutschsprachige Organisationen des Aktionsbündnisses „Kidical Mass“ auf die Straße. Nun kommt die Kidical-Mass-Bewegung auch nach Karlsruhe und Ettlingen.

Fix und fertig vorbereitet ist, dass dort eine Doppelpremiere stattfindet – nämlich dann, wenn bald erstmals in ganz Deutschland und der Schweiz zeitgleich Protestfahrten mit Kindern und Familien starten. Vorbild sind die Critical-Mass-Radlerdemos, zu der auch in Karlsruhe seit fünf Jahren jeden Monat teils Hunderte Erwachsene starten.

Die Doppelpremiere in Karlsruhe und Ettlingen organisiert der Kreisverband Karlsruhe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Insgesamt sind mehr als 70 kindgerechte Fahrraddemos geplant, von Aachen bis Zürich, auch in Heidelberg, Speyer, Freiburg und Stuttgart. Der geplante März-Termin ist wegen des Coronavirus hinfällig, der neue Starttermin wird noch bestimmt und bekannt gegeben.

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Der Traum: Schulweg ohne Autos

Der elfjährige Johann weiß, wie er sich Unterwegssein in der Stadt wünscht: „Bequem nebeneinander Rad fahren und quatschen können – und keine Autos mehr vor meiner Schule.“

Wien sperrt inzwischen eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn fünf Schulstraßen für Autos. Damit ist das auch in Karlsruhe verbreitete Problem mit „Eltern-Taxis“ passé.

Radreporter Logo Foto: Christian Bodamer

BNN-Radreporter

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Den Akteuren der Kidical-Mass-Ausfahrten geht es um eine Verkehrswende, die Radfahren in jedem Alter ermöglicht und attraktiv macht. Zu schmale, ungeschützte oder gar keine Radwege: Haben Eltern Angst um ihre Kinder, fahren sie den Nachwuchs lieber mit dem Auto durch die Gegend.

85 Prozent der Befragten in Großstädten und 74 Prozent insgesamt gaben im ADFC-Fahrradklima-Test 2018 an, man könne Kinder nur mit schlechtem Gefühl allein Radfahren lassen . Auch in Karlsruhe fanden das viele Umfrageteilnehmer.

Viele Kinder können nicht sicher Rad fahren

Ein bedenklicher Trend verschärft die Lage: Immer weniger Kinder können sicher Radfahren, auch in der Fahrradstadt Karlsruhe. Das weiß der Karlsruher ADFC-Vorsitzende Ulrich Eilmann von Schulleitern unter den aktuell 1.800 Clubmitgliedern.

Viele Eltern bringen ihrem Kind das Radfahren gar nicht bei.
Ulrich Eilmann, Vorsitzender des ADFC Karlsruhe

Wenn Eltern befürchten, ihre Tochter oder ihr Sohn könne sich beim Radfahren verletzen, passiert laut Eilmann immer öfter dies: „Sie bringen ihrem Kind das Radfahren gar nicht bei.“ In der Schule reiche die Zeit nicht, um blutige Anfänger auf die Radfahrprüfung vorzubereiten. Mit dieser Prüfung fördert die Verkehrswacht Karlsruhe die Kompetenz von Viertklässlern und testet am Schluss ihr Können.

ADFC kommt mit Roller-Parcours an Schulen

Nur wer die Prüfung besteht, erhält den Fahrradführerschein. Damit das möglichst viele Kinder schaffen, baut der ADFC Karlsruhe jetzt ein verkehrspädagogisches Angebot für Erst- und Zweitklässler auf. Mit einem mobilen Parcours für Roller wollen die Aktiven an Schulen kommen. „Da kann man gut das Gleichgewicht trainieren und ruhig auch mal umkippen“, erklärt Eilmann.

Eigenständige Mobilität ist enorm wichtig für die kindliche Entwicklung.
Simone Kraus, Mitorganisatorin der Kidical-Mass-Ausfahrten

„Die eigenständige Mobilität ist enorm wichtig für die kindliche Entwicklung. Sie fördert Bewegung, Selbstbewusstsein und das soziale Miteinander“, sagt die Kidical-Mass-Mitorganisatorin Simone Kraus.

Damit sich in Städten auch Kinder sicher und selbstständig mit dem Fahrrad bewegen können, stehen auch ein lückenloses Netz sicherer Schulradwege und generell Tempo 30 innerorts auf der Liste.

Eine Fahrradstadt ist auch kinderfreundlich

Eine Fahrradstadt, sagen die Kidical-Mass-Initiatoren, sei automatisch kinderfreundlich, mit viel Grün, guter Luft und Platz zum Spielen und Verweilen. Dass eine Familie auf guten Radwegen zudem sauber, leise und schnell am Stau vorbeikommt, weiß im Kombibau-Karlsruhe eh jedes Kind.

Permanent fahren Autos durch den Zirkel und beanspruchen den meisten Platz. Das ist typisch für Karlsruhes Fahrradstraßen. Radfahrer sind an den Rand gedrängt. Foto: jodo

Die Politik tue viel zu wenig, um die Situation zu verbessern, findet die Kidical-Mass-Initiative. Für eine Verkehrswende brauche es mehr, so wie es Utrecht oder Gent vormachten. Bloße Markierungen auf viel befahrenen Straßen reichten ebenso wenig aus wie Fahrradstraßen, die für Durchgangsverkehr offen sind.

Durchgangsverkehr trotz Fahrradstraße

Genau dies – für Durchgangsverkehr offen – sind Karlsruher Fahrradstraßen. Einzige Ausnahme ist der Zirkel, seit er im Juli 2019 – bisher nur versuchsweise – in der Mitte eine Durchfahrtsperre für Autos erhielt .

Aktion Kidical Mass

Erste deutsche Kidical-Mass-Ausfahrten gab es 2017 und 2018 in Berlin, Darmstadt, Stuttgart und Köln. 2019 folgten 30 Kidical-Mass-Fahrten in Deutschland und der Schweiz, die größte mit rund 1.100 Teilnehmern. Die Ausfahrten sollen auch die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an politischen Entscheidungen fördern.

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