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Raub im Badischen Landesmuseum

Verfahren eingestellt: Was wurde aus dem gestohlenen Diadem von Großherzogin Hilda von Baden?

Mehr als drei Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden des wertvollen Brillant-Diadems der letzten Großherzogin Badens hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt. Man habe die Täter nicht ermitteln können, so die Anklagebehörde. Nach Ansicht von Kennern der Szene ist das Diadem wahrscheinlich zerlegt beziehungsweise umgearbeitet worden. Die staatlichen Museen in Baden-Württemberg haben ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

ARCHIV - HANDOUT - Das am 08.05.2017 veröffentliche Handout des Landeskriminalamtes baden-Württemberg zeigt ein Diadem im geschätzten Wert von 1,2 Millionen Euro. Das Diadem wurde aus dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe (Baden-Württemberg) gestohlen. (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung vom und bei vollständiger Nennung der Quelle: Foto: Fotoatelier Blm/Thomas Goldschm/Badisches Landesmuseum Karlsruhe/dpa (zu dpa: "Weiter keine heiße Spur bei Suche nach gestohlenem Diadem" vom 10.06.2017) Foto: Fotoatelier Blm/Thomas Goldschm/Badisches Landesmuseum Karlsruhe/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ - Foto: None

Im Fall des vor drei Jahren aus dem Badischen Landesmuseum verschwundenen Diadems der Großherzogin Hilda von Baden hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt. „Wir haben in alle Richtungen ermittelt“, sagte Matthias Hörster von der Anklagebehörde den BNN. Der oder die Täter hätten bisher nicht ermittelt werden können. Sollten sich neue Ermittlungsansätze ergeben, werde man das Verfahren selbstverständlich sofort wieder aufnehmen, so der Sprecher der Anklagebehörde.

Der Diebstahl des Schmuckstücks im geschätzten Wert von 1,2 Millionen Euro Ende April 2017 hatte ein erhebliches Echo ausgelöst. Das Diadem stammte aus dem Besitz, der letzten badischen Großherzogin, die von 1864 bis 1952 lebte und in der Bevölkerung großes Ansehen genoss.

Ihre letzte Ruhestätte befindet sich in der Krypta der fürstlichen Grabkapelle im Hardtwald. Nach der Großherzogin sind unter anderem die Nördliche und die Südliche Hildapromenade sowie die „Hildabrödle“ benannt, eine badische Gebäckspezialität, die zu Weihnachten gereicht wird.

Das Schmuckstück lagerte bis zu seinem Verschwinden in einer verschlossenen Vitrine im Thronsaal, einem öffentlich zugänglichen Ausstellungsraum im Obergeschoss des Museums im Schloss. Es ist im klassizistischen Stil gearbeitet, hat einen Rahmen aus Gold und Platin und ist mit 367 in zeitgenössischem Stil geschliffenen Brillanten besetzt.

Hatten der oder die Täter Insiderwissen?

„Der Verbleib ist unbekannt“, fasst Staatsanwalt Hörster die Lage in der trockenen Diktion des Juristen zusammen. Welchen konkreten Spuren man nachgegangen sei, gibt er „aus ermittlungstaktischen Erwägungen“ nicht preis. Es habe diverse Hinweise gegeben. Unter anderem hatte man nach einer älteren Frau gesucht. Auch was aus dieser Spur geworden ist, bleibt unklar. Das Gleiche gilt für die Frage, ob die Täter von Insiderwissen profitiert haben.

„Natürlich hätten wir beide abhanden gekommenen Objekte gern wieder“, sagt der Direktor des Badischen Landesmuseums, Eckart Köhne. Beide. Denn neben dem Diadem war bereits im Oktober 2016 ein ebenfalls einmaliger Kunstgegenstand aus dem Schloss verschwunden. Die Elfenbeinskulptur von Leinhard Kern, die die Römerin Fulvia mit dem abgetrennten Kopf Ciceros darstellt, wird auf rund 500.000 Euro taxiert. Der Verlust des Diadems hatte den Fall der Skulptur überlagert. Den materiellen Wert des Diadems hält Köhne für nicht so hoch wie den ideellen.

Diadem von Großherzogin Hilda wohl längst zerlegt

Die Bandbreite der Reaktionen, die das Landesmuseum seit den dreisten Diebstählen erreicht haben, ist beträchlich. „Wir haben viel Zuspruch und Bedauern erfahren, aber auch Reaktionen bis hin zur Diffamierung und Beleidigung“, berichtet Museumschef Eckart Köhne. Angepasst habe man die Sicherheitsmaßnahmen, damit sich derart unerfreuliche Ereignisse nicht wiederholen.

Köhne verweist auf den „Zehn-Punkte-Plan zur Museumssicherheit“ , den eine Arbeitsgruppe mit Fachleuten unter anderem der Polizei und der staatlichen Bauverwaltung entwickelt hat. Die Experten haben etwa Sicherheitstechnik, bauliche Gegebenheiten aber auch die Abläufe innerhalb der staatlichen Museen unter die Lupe genommen und wo möglich verbessert. Auch jeweils einen Sicherheitsbeauftragten haben die Häuser zwischenzeitlich installiert.

Was bleibt übrig vom Diadem der Großherzogin? Nach Lage der Dinge vor allem die Erinnerung, zahlreiche Fotografien und historische Abhandlungen. Dass das Stück längst zerlegt, verwertet und umgearbeitet sein dürfte, gilt als wahrscheinlich, dass man den oder die Täter jemals fasst, eher nicht. Ein Stachel im Fleisch der Ermittler? Staatsanwalt Hörster will sich zu dieser Frage nicht gern äußern. Nur eines sagt er: „Das ist sicher kein alltäglicher Fall.“

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