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Im Vorstand des „Komitte gegen Vogelmord“

Warum eine Tierärztin aus Ubstadt-Weiher gegen ein Fütterungsverbot für Tauben ist

Die Tierärztin Bettina Volpe-Freiwald ist gegen ein Fütterungsverbot für Tauben. Deren große Populationen gingen schließlich nicht nur auf ein menschliches Hobby zurück. Vielmehr gebe es auch deutlich bessere Alternativen, sie einzudämmen.

Ein nicht gern gesehener Gast: Brieftauben landen häufig in Städten und verwildern dort. Dieses Problem wollen Kommunen beseitigen, dadurch häufig Dächer oder Kirchtürme verdrecken. Foto: Franz Lechner

Von Franz Lechner

Der Umgang mit Stadttauben ist heftig umstritten – auch in der Region. Während in Karlsruhe und Bruchsal sogenannte Taubenschläge für die verwilderten Haustauben gebaut wurden, in denen die Tiere zumindest teilweise von Tierschützern betreut werden, gibt es in anderen Städten und Gemeinden sogar ein generelles Fütterungsverbot für Stadttauben.

Die Erna-Graff-Stiftung, eine Berliner Tierschutzorganisation, will jetzt sogar bis vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen, um gegen dieses Fütterungsverbot vorzugehen.

Vorstandsmitglied im „Komittee gegen Vogelmord“

Auch die Tierärztin Bettina Volpe-Freiwald aus Ubstadt-Weiher spricht sich vehement gegen das Fütterungsverbot für Stadttauben aus. Die Tierschützerin, die auch Vorstandsmitglied im „Komittee gegen Vogelmord“ ist, einer Organisation, die in ganz Europa und im Nahen Osten gegen die illegale Jagd auf Sing-und Zugvögel kämpft, beklagt generell den schlechten Umgang mit Stadttauben.

„Stadttauben sind streng genommen nichts anderes als das Ergebnis eines weit verbreiteten menschlichen Hobbies, der Brieftaubenzucht“, erklärt die Tierärztin. „Tatsächlich sind die so genannten Stadttauben, die man nicht nur in Karlsruhe, Bruchsal, Bretten, Ettlingen oder Rastatt sondern auch in den meisten Dörfern findet, nichts anderes als vom Menschen gezüchtete Haustiere.“

Bettina Volpe-Freiwald ist Tierärztin und beschäftigt sich mit dem Schutz von Vogelrassen wie der Taube. Foto: Franz Lechner

Ursprünglich stammten sie wohl von den in Kolonien lebenden und an Meeresküsten in Felsen brütenden Felsenstauben ab, erklärt Volpe-Freiwald. Wann erstmals Haustauben gezüchtet wurden, ist nicht genau bekannt. Aufgetaucht sind die bereits in der Antike. Damals und noch bis in die Neuzeit hinein wurden die Vögel hauptsächlich zur Nachrichtenübermittlung genutzt.

Tauben als „Rennpferde des kleinen Mannes“

Heute sind sie vor allem als so genannte „Rennpferde des kleinen Mannes“ im Einsatz. Brieftaubenzüchter lassen ihre Tauben gerne in Wettkämpfen fliegen, bei denen es darum geht, wie schnell die in weiter Entfernung frei gelassenen Tauben ihren heimischen Taubenschlag erreichen.

Bei solchen Wettkämpfen kommt es immer wieder vor, dass einzelne Vögel ihren Heimatschlag vor Erschöpfung nicht mehr erreichen und dann irgendwo entkräftet landen
Bettina Volpe-Freiwald, Tierärztin

Bei diesen Wettkämpfen steht für die Züchter nicht nur die Ehre im Mittelpunkt, sondern oft auch Geld. Mehr als eine Million Euro hat jüngst bei einer Versteigerung ein chinesischer Käufer einem belgischen Brieftaubenzüchter für dessen bei internationalen Wettflügen erfolgreiche Taube bezahlt. Das war zwar ein Rekordpreis, deutlich mehr als zehntausend Euro für sehr erfolgreiche Tiere sind aber keineswegs selten

„Bei solchen Wettkämpfen kommt es immer wieder vor, dass einzelne Vögel ihren Heimatschlag vor Erschöpfung nicht mehr erreichen und dann irgendwo entkräftet landen“, sagt Volpe-Freiwald. Werden sie dann nicht Opfer von Beutegreifern, schließen sie sich zwangsläufig ihren verwilderten, in Kolonien lebenden Rassegenossen in den Städten und Dörfern an. „Dort werden die Vögel dann als ,Ratten der Lüfte’ verteufelt und meist ein Fütterungsverbot erlassen“, kritisiert Volpe-Freiwald.

Die Tierärztin hält das Verbot nicht nur für einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Sie glaubt auch, dass diese Maßnahme völlig ungeeignet sei, die Zahl der Stadttauben zu reduzieren.

Lob für die Tauben-Politik in Karlsruhe und Bruchsal

Falls das generelle Fütterungsverbot tatsächlich vom Bundesverwaltungsgericht aufgehoben wird, was bleibt den Kommunen in der Region dann, um der Taubenproblematik Herr zu werden? Für Volpe-Freiwald und andere Tierschützer gibt es nur eine tierschutzgerechte Lösung für das Problem: „Das sogenannte Augsburger Modell“, sagt sie. „Dabei geht es darum, für die Stadttauben Taubentürme oder -schläge zu errichten, an denen man die Tiere mit artgerechtem Körnerfutter versorgen und gleichzeitig ihre Vermehrung durch das Austauschen ihrer Eier gegen künstliche Eier kontrollieren kann“, so die Tierärztin.

Sie lobt die Stadt Karlsruhe und die Stadt Bruchsal, die seit Jahren mit diesem Modell arbeiten. Die Tierschützerin fordert, dass alle Kommunen, in denen es Stadttauben-Kolonien gibt, diesem Modell den Vorzug vor einem Fütterungsverbot geben sollten.

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