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Manche Arten nicht unproblematisch

Warum gibt es derzeit in und um Karlsruhe so viele Marienkäfer?

Sie sitzen auf Häuserwänden, krabbeln auf Fensterscheiben oder fliegen gleich direkt in die Wohnung: Im Moment scheinen Marienkäfer praktisch überall zu sein. Der Grund dafür ist schnell erklärt - und verweist auf eine problematische Entwicklung.

Im Herbst kein seltenes Bild: Zahlreiche Marienkäfer sammeln sich auf warmen Oberflächen - so wie hier auf einer Bank zwischen Odenheim und Neuenbürg. Foto: Stephanie Zimmermann

Die Frage, warum es derzeit in und um Karlsruhe so viele Marienkäfer gibt, ist im Grunde falsch gestellt. Es gibt derzeit nicht besonders viele der Insekten - sie fallen derzeit nur vermehrt auf. Warum das nun so ist? „Wahrscheinlich hat das mit der Jahreszeit zu tun“, erklärt Alexander Riedel. Riedel ist beim Naturkundemuseum Karlsruhe zuständig für Käfer und Insekten. Sein Erklärungsansatz: Die Tiere bereiteten sich derzeit auf den Winter vor, den sie üblicherweise in Mauerritzen oder unter Baumrinden verbringen. Dort also, wo es etwas Wärme gibt.

Die sei es wahrscheinlich auch, die die Käfer derzeit teils in großer Menge auf Hausfassaden, Fensterscheiben und auf andere Oberflächen treibt, die Wärme speichern. „Es ist wohl so, dass die Tiere jetzt die letzten warmen Tage noch einmal ausnutzen“, erklärt Riedel. Entsprechende Verhaltensweisen ließen sich auch bei anderen Insekten beobachten: So zieren an warmen Herbsttagen etwa auch Wanzen Fenster und Fassaden.

Freundlich aus der Wohnung weisen

Die großen Ansammlungen von Marienkäfern, die es derzeit teils zu beobachten gibt, sind wohl nur ein vorübergehendes Phänomen: Der Naturschutzbund (NABU) erklärt auf seiner Homepage, dass die Tiere bei der Suche nach geeigneten Winterquartieren bisweilen auf Hauswänden Rast machten - und am nächsten Tag dann schon wieder weg seien.

Einträchtiges Beieinander: Nicht nur Marienkäfer, auch Wanzen halten sich im Herbst gern auf Hausfassaden auf. Foto: Rake Hora

Den Weg ins Hausinnere treten die Tiere dabei in aller Regel nur versehentlich an. „Am besten ist es dann, sie einfach wieder aus dem Fenster zu bugsieren“, erklärt Alexander Riedel vom Naturkundemuseum.

Wer die Insekten dabei näher in Augenschein nimmt, dürfte häufig feststellen: Statt der klassischerweise in Deutschland verbreiteten Arten wie etwa der Siebenpunkt-Marienkäfer sind in der Landschaft immer stärker Asiatische Marienkäfer unterwegs. „Große Ansammlungen, wie wir sie derzeit teils sehen, sind von den ursprünglich hier beheimateten Arten so auch nicht unbedingt bekannt“, erklärt Riedel.

Charakteristisch für den Asiatischen Marienkäfer ist sein variationsreiches Äußeres - so kann sowohl die Zahl der Punkte als auch die Färbung der Flügel sehr unterschiedlich sein.

Biologische Kriegsführung unter Marienkäfern

Eine Oberflächlichkeit also, die aber auf ein tieferliegendes Problem verweist: Vermutlich Anfang der 2000er-Jahre kam der Asiatische Marienkäfer auf menschliches Betreiben nach Europa. Da er deutlich gefräßiger ist als heimische Arten, setzten ihn Gewächshausbetreiber als Schädlingsbekämpfer ein. Irgendwann begannen die Insekten dann, sich auch in der freien Natur zu verbreiten. „Und dort verhält er sich durchaus invasiv“, erklärt Käfer-Experte Alexander Riedel. So fresse er nicht nur Blattläuse in großem Stil, sondern etwa auch Schmetterlingslarven.

Zudem betreibt der Asiatische Marienkäfer eine Art biologische Kriegsführung gegen seine einheimischen Pendants: Er verbreitet über seine Körperflüssigkeit nämlich pilzähnliche Einzeller, sogenannte Mikrosporidien, die bei Kontakt für heimische Arten tödlich sind. Den Nachweis führten Forscher der Max-Planck-Gesellschaft im Jahr 2013 . Für den Menschen stellt der Asiatische Marienkäfer damit allerdings keine direkte Gefahr dar.

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