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Genug für 700.000 Brötchen

700.000 Brötchen im Nebenerwerb: Wie ein Bauer aus Bruchsal sein „Kraichgau-Korn” erntet

Zwölf Hektar Land bewirtschaftet Hobby-Landwirt Heiko Jäger. Pro Jahr entstehen hier aus ungespritztem „Kraichgau-Korn” rund 35 Tonnen Mehl. Die Ernte sei für ihn eine Art Ausgleich, fast wie Sport, sagt Jäger.

Landwirt aus Leidenschaft: Heiko Jäger baut auf seinen Feldern Weizen an. Ende Juli ist das Getreide bereit zur Ernte. Das erledigt der Mähdrescher in wenigen Stunden. Foto: Martin Heintzen

Ein Feld so groß wie zehn Fußballfelder voller Weizen. Das reife, goldgelbe Getreide erntet ein Mähdrescher ab. „Der schafft bis zu 15 Hektar am Tag”, sagt Landwirt Heiko Jäger. Jägers Weizenfeld, das am Dienstagvormittag gedroschen wird, schafft die Maschine in etwa fünf Stunden. „Pro Stunde werden zwei Hektar gedroschen, das sind etwa zwei Fußballfelder”, erklärt er. Insgesamt bewirtschaftet Jäger zwölf Hektar Land, davon neun mit Weizen. Der Hobby-Landwirt baut ungespritztes „Kraichgau-Korn” an.

Um den 20. Juli beginnt die Getreideernte jedes Jahr. Wann genau gedroschen werden kann, hängt vom Wetter ab. Regnet es viel, kann das Getreide zu feucht sein, um verarbeitet zu werden. Etwa 15 Prozent Feuchtigkeitsanteil seien optimal. Nach rund eineinhalb Tagen sind Jägers Felder gedroschen. „Den Weizen liefern wir dann direkt an der Mühle ab”, sagt Jäger. Die nächstgelegene Kraichgau-Korn-Mühle liegt rund 14 Kilometer von Jägers Feldern entfernt, in Knittlingen.

Etwa 5,5 Tonnen Weizen pro Hektar werden geerntet

Den Mähdrescher selbst stellt ein Subunternehmer, in diesem Fall Jägers Schwager. Fabian Jägers imposantes Gefährt drescht das Getreide fast automatisch. Er ist nicht nur für seinen Schwager im Einsatz, rund um Bruchsal erledigt er für Landwirte den Dresch.

„Ganz automatisch geht es nicht”, erklärt Fabian Jäger. Je nach Fahrtempo oder Einstellung der Maschine landet das Korn nicht im Lager des Mähdreschers. „Etwa ein Prozent Verlust vom Ertrag sind normal”, so Mähdrescher-Fahrer Jäger. Pro Strecke über das acht Hektar große Feld braucht der Mähdrescher etwa acht Minuten.

Erntet fast automatisch: Fabian Jäger fährt den Mähdrescher über das acht Hektar große Weizenfeld in Bruchsal. Foto: Martin Heintzen

Nach zwei Bahnen ist der Getreidetank mit knapp fünf Tonnen fast bis oben hin voll. Die Weizenkörner werden anschließend auf einen Anhänger geladen. Rund 6,3 Tonnen Getreide passen auf einmal in den Mähdrescher.

Das riesige rote Rad vorne am Mähdrescher richtet die Ähren auf. Danach werden sie abgeschnitten. Im Inneren des Fahrzeuges trennt sich dann, nicht nur sprichwörtlich, die Spreu vom Weizen. Durch Reibung lösen sich die Getreidekörner und landen im Getreidetank des Mähdreschers. Was noch an Spreu hängen bleibt, wird später in der Mühle entfernt, erklärt Jäger.

Heiko Jäger erntet pro Hektar etwa 5,5 Tonnen Weizen. „Ich bin ganz zufrieden bisher. Es ist ein durchschnittliches Jahr”, meint er. Jägers neun Hektar bringen ihm also rund 50 Tonnen Weizen ein. Das ist so schwer, wie etwa zehn große Elefanten.

Aus 50 Tonnen Weizen werden 35 Tonnen Mehl

Probleme machte dem Landwirt vor allem das trockene Frühjahr. „Der Weizen braucht im Frühjahr Regen zum Wachsen. Aber durch den Klimawandel ist es da oft trocken”, sagt Jäger. Dank der Trockenheit seien aber dafür schädliche Pilze am Getreide kein großes Problem mehr.

Umrechnet auf den durchschnittlichen Mehlverbrauch, bekomme ich mit meinem Anbau etwa 530 Menschen pro Jahr satt.
Heiko Jäger, Landwirt

Der Weizen wird in der Mühle zu Mehl verarbeitet. „Wie viel Mehl es gibt, variiert je nach Mehltyp, also was vom Korn verwendet wird”, so Jäger. Aus den 50 Tonnen Weizen werden beim typischen Brotmehl Typ 550 rund 35 Tonnen Mehl. Das reiche für 700.000 Brötchen. „Umgerechnet auf den durchschnittlichen Mehlverbrauch, als zum Beispiel von Brot und Nudeln, bekomme ich mit meinem Anbau etwa 530 Menschen pro Jahr satt”, sagt der Bruchsaler Landwirt.

Übrig bleibt Weizen: Nach zwei Bahnen über das Getreidefeld ist der Tank des Mähdreschers fast voll. Der Weizen wird dann auf einen Anhänger gepumpt. Foto: Martin Heintzen

Nebenprodukt bei der Weizenernte ist Stroh, etwa drei bis vier Tonnen pro Hektar Getreidefeld fallen ab. Die lässt der Mähdrescher bei seiner Fahrt über das Feld hinter sich liegen. „Das wird vor dem nächsten Regen gepresst und zum Beispiel als Einstreu für Pferde verwendet”, sagt Jäger.

Jäger ist Landwirt aus Leidenschaft

Jäger betreibt den Getreideanbau nicht hauptberuflich. „Von neun Hektar Weizen kann ich meine Familie nicht ernähren”, schildert er. Für Jäger ist die Landwirtschaft ein Nebenverdienst, aber vor allem eine echte Leidenschaft. „Mein Großvater hatte einen Betrieb, mein Vater wollte ihn aber nicht übernehmen”, erinnert er sich. 2014 hat der heute 30-Jährige den Betrieb übernommen. „Ich hatte schon immer Spaß am Weizen-Anbau”, sagt er.

In den ersten Jahren arbeitete Jäger konventionell, seit 2017 ist er bei Kraichgau-Korn und baut nur ungespritztes Getreide an. Zwar würde der ökologische Anbau etwas weniger Ertrag bringen, dennoch ist Jäger von der Anbauweise überzeugt. „Das, was finanziell übrig bleibt, ist super”, sagt er. Der Weizen ist ein gutes Zubrot. Damit finanziert er beispielsweise seine Urlaube.

Das ist für mich mein Sport, einfach ein Ausgleich.
Heiko Jäger, Landwirt

Der Elektrotechnikingenieur macht Landwirtschaft aus Leidenschaft. Er arbeitet in Vollzeit in seinem Beruf, die Wochenenden verbringt er meistens auf den Feldern. „Das ist für mich mein Sport, einfach ein Ausgleich”, sagt er. Seit 2016 ist er ausgebildeter Landwirt. Jäger kennt sich aus mit der Materie. „Neben dem Anbau haben wir noch Legehühner auf unserem Hof”, erzählt er.

Getreide wird nur ein mal im Jahr gedroschen

Als „kleiner Landwirt” baut Jäger nur Weizen auf seinen Feldern an. Immer mehr gefragt sei aber auch Dinkel. „Dinkel ist viel leichter als Weizen, da bekommt man rund eine Tonne weniger Ertrag pro Hektar raus, als beim Weizen”, so Jäger.

Das nächste Mal gedroschen werden kann erst wieder in einem Jahr. „Pro Jahr gibt es nur eine Weizenernte”, sagt Jäger. „In der Zwischenzeit sähen wir Senf aus, der bleibt dann bis zum Frühjahr.” Neuen Weizen sät Jäger dann wieder im Frühjahr.

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