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Markt ist leergeräumt

Die Bruchsaler Luthergemeinde findet keinen Pfarrer - seit anderthalb Jahren

Das Warten geht weiter: Seit mehr als eineinhalb Jahren ist die Pfarrstelle der Bruchsaler Luthergemeinde inzwischen unbesetzt. Und kurzfristig wird sich dies auch nicht ändern. Der Markt scheint leergefegt, dazu kommen wachsende Nachwuchssorgen und die Dauerbaustelle Pfarrhaus.

Lutherkirche Bruchsal Foto: Christina Zäpfel

Die Stelle ist attraktiv, das Umfeld auch – und doch ist kein Bewerber in Sicht. Seit mehr als eineinhalb Jahren ist die Pfarrstelle der Bruchsaler Luthergemeinde unbesetzt. Zwei Ausschreibungen der evangelischen Kirchengemeinde blieben ohne eine einzige Bewerbung, inzwischen liegt die Sache beim evangelischen Oberkirchenrat (EOK) der Landeskirche in Karlsruhe.

Dort soll jetzt über ein Besetzungsverfahren ein Pfarrer oder eine Pfarrerin für Bruchsal gefunden werden. Doch auch für den EOK gestaltet sich das nicht so einfach, denn bisher konnte noch kein passender Kandidat vorgeschlagen werden.

Diakonin und Pfarrer mit Teilzeitstelle fangen auf

„Das Personalreferat sucht weiter. Wir hoffen, bald eine gute Besetzung zu finden“, sagt Daniel Meier, Sprecher der Landeskirche. Gezielt sollen jetzt Pfarrer und Pfarrerinnen angesprochen werden, die bereits seit zwölf Jahren in einer Gemeinde tätig sind. Nach dieser Zeit steht für die Geistlichen in der badischen Landeskirche üblicherweise ein Wechsel an. Die Besetzung einer Pfarrstelle gestalte sich „basisdemokratisch“, wie Meier erklärt. Letztendlich entscheide die Gemeinde, ob der Bewerber passt oder nicht.

Dafür muss es überhaupt eine Bewerbung geben. In Bruchsal jedenfalls ist man verständlicherweise nicht glücklich über die lange Vakanz, obwohl Gemeindediakonin Carmen Debatin und als 50-Prozent-Kräfte Pfarrer Christian Mono und Susanne Knoch, Pfarrerin zu Probe, viele Aufgaben übernehmen, sagt Markus Wittig, der in der Luthergemeinde dem Ältestenkreis vorsteht: „Durch den Pfarrer entsteht eine andere Zugehörigkeit für die Gemeindemitglieder. Die Menschen wollen einen Ansprechpartner.“

Pfarrhaus lange Zeit unbewohnbar

2007 kam die letzte Pfarrerin, Tanja Dittmar, nach Bruchsal. Ende April 2019 verließ sie die Stadt. Davor musste sie, im September 2017, mit ihrer Familie Hals über Kopf aus dem Pfarrhaus gegenüber der Lutherkirche ausziehen, weil dieses durch den Abriss des Nachbarhauses so schwer beschädigt worden war, dass das Haus unbewohnbar wurde. Wittig glaubt, dass die Probleme mit dem Pfarrhaus auch Interessenten abgeschreckt haben könnten. Denn zur Zeit der Ausschreibung war das Pfarrhaus immer noch unbewohnbar. „Die Bewerber haben die Auswahl, wenn dann die Wohnsituation unklar ist, wählt man eben die Stelle aus, bei der alles passt“, erklärt Dekanin Ulrike Trautz vom Kirchenbezirk Bruchsal-Bretten.

„Wir werben gezielt um Nachwuchs.“
Daniel Meier, Evangelische Landeskirche in Baden

Die Probleme mit dem Pfarrhaus kommen für Bruchsal noch oben drauf, das eigentliche Problem ist jedoch ein anderes. Auch die evangelische Landeskirche plagen Nachwuchssorgen. „Wir werben gezielt um Nachwuchs, da die Zahlen der Theologie-Studierenden zurückgehen“, berichtet Landeskirchen-Sprecher Daniel Meier.

Acht Vakanzen im Kirchenbezirk

Im Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal gibt es insgesamt 26 Gemeinden, bei acht sind die Pfarrstellen vakant. „Dank Pfarrern im Ruhestand, Prädikanten und Vakanzvertretern können wir die fehlenden Kräfte auffangen“, sagt Trautz, die selbst, wie auch der Schuldekan Walter Vehmann, aushilft.

Zu den vakanten Gemeinden zählen auch diejenigen, in denen ein Pfarrer zur Probe seinen Dienst tut, weil dieser zwar alle geistlichen Aufgaben erfüllen darf, aber noch nicht die Verwaltung einer Kirchengemeinde übernehmen kann. Diese Situation trifft auf Unteröwisheim, Münzesheim und Sulzfeld zu. Zwei Jahre ist ein Pfarrer in Probe, danach steht die Entscheidung an, ob er und die Gemeinde gemeinsam weitermachen möchten.

Wechsel in den Schuldienst

Neben der Bruchsaler Luthergemeinde sind außerdem die Gemeinden Kürnbach-Bauerbach, Karlsdorf-Neuthard-Forst und Ubstadt-Weiher von Vakanzen betroffen, außerdem Heidelsheim und Helmsheim, die sich eine Pfarrstelle teilen. Deren Gemeindeoberhaupt, Pfarrer Jörg Muhm, wechselte unlängst in den Schuldienst. Ein Trend, der schon länger zu beobachten sei, wie Dekanin Ulrike Trautz berichtet: „Die Attraktivität des Schuldienstes ergibt sich aus der klaren Struktur und dem klaren Aufgabenfeld.“

Einem Pfarrer im Gemeindedienst werde dagegen sehr viel abverlangt. Bauanträge und Seelsorge – die Bandbreite der Aufgaben ist groß. Da sich in Zukunft durch das Ausscheiden von Pfarrern aus geburtenstarken Jahrgängen die Zahl der vakanten Stellen erhöhen werde, müsse über eine Neustrukturierung der Arbeitsbereiche nachgedacht werden, so Trautz. Teams könnten sich Aufgaben teilen, für den Pfarrer werde die geistliche Begleitung wieder zum Schwerpunkt.

Zurück nach Bruchsal: Dort läuft inzwischen die Instandsetzung des Pfarrhauses. Neue Fenster seien bereits eingesetzt worden, teilt Markus Wittig vom Ältestenkreis mit. Nun warte man auf die Fachfirma, die sich um die großen Risse in der Fassade kümmern soll.

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