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Facharzt im Interview

Grassierendes RS-Virus bei Kindern: „Die beste Vorsorge ist eigentlich Hygiene“

Das Respiratorische Syncytial-Virus (RSV) trifft Kinder in diesem Jahr besonders früh und besonders heftig. Warum ist das so und was kann man tun?

Ein Mann an einem Schreibtisch
Kinderarzt Reinmar Berg aus Mingolsheim hat derzeit viele Patienten mit RSV. Foto: Reinmar Berg

Das Respiratorischen Syncytial-Virus geht um. Es ist eines der häufigsten Erreger von Atemwegsinfektionen, doch trifft es dieses Jahr Kinder außergewöhnlich früh und besonders heftig.

Der Grund: Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen haben eine Stimulation ihres Immunsystems vermindert.

Reinmar Berg, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Mingolsheim, hat derzeit viele Patienten mit Respiratorischen Syncytial-Virus (RSV). Er erklärt, um was es geht.

Was ist der RSV und wie wird er übertragen?
Berg

RSV ist ein weltweit verbreiteter Erreger von akuten Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege, welcher die Schleimhäute befällt. Es äußert sich meist durch typische Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber, seltener auch Ohrenentzündungen. In besonders schweren Fällen kann sich eine Bronchiolitis oder Lungenentzündung entwickeln. Es ist hochansteckend und wird über Tröpfchen, vereinzelt auch über Schmierinfektion, übertragen. Der Erreger bleibt darüber hinaus relativ lang auf Oberflächen aktiv, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass die gesamte Familie betroffen sein wird, wenn sich ein Familienmitglied infiziert hat.

Ist das RS-Virus gefährlich und für wen besonders?
Berg

Da das RSV eines der häufigsten Erreger von Atemwegsinfektionen ist, hat sich bis zum Ende des zweiten Lebensjahres nahezu jedes Kind einmal damit infiziert. Aus diesem Grund verlaufen Infektionen bei Kindern ab dem Kitaalter meist harmlos. Das Immunsystem konnte bereits Antikörper bilden. Bei Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen und Kleinkindern, trifft der Erreger aber auf ein unvorbereitetes Immunsystem. Er kann dann die erwähnten schweren Erkrankungsformen auslösen und in Einzelfällen eine stationäre oder intensivmedizinische Behandlung erforderlich machen. Gleiches gilt für Kinder mit Vorerkrankungen. Solange es dem Kind gut geht und der Allgemeinzustand gut ist, muss man also nicht besorgt sein. Gerade in den ersten drei Lebensmonaten sollten Eltern ihre Kinder allerdings bei zähem und tiefem Husten, Atemnot, Fieber, Schlappheit oder Trinkunlust umgehend einem Kinderarzt vorstellen

Wie lässt sich einer Infektion vorbeugen beziehungsweise gibt es ein Mittel gegen das Virus?
Berg

Die beste Vorsorge gegen RS-Viren ist eigentlich Hygiene, was eine Vorbeugung insbesondere bei Kindern im Kitaalter deutlich erschwert. Einen Impfstoff gibt es zwar nicht, aber für Kinder mit den genannten Risikofaktoren wird eine Passivimpfung eingesetzt, die fertige Antikörper enthält. Da diese sehr teuer ist, spricht der Kinderarzt die Eltern betroffener Kinder direkt an. Alle anderen Kinder werden symptomatisch behandelt. Da es sich um eine Viruserkrankung handelt, helfen Antibiotika nicht. Erkrankte Kinder sollten reichlich trinken, viel frische kühle Luft atmen und ausreichend schlafen. Auch Nasensprays, Hustensaft, schleimlösende Mittel und Fiebersenker können die Symptome mildern. In der Regel klingt die Infektion dann von selbst wieder ab.

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