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Metzger ließ Besteck im Asphalt einfassen

Reaktionen auf Werbe-Gag: Brettener treten dagegen, Auswärtige prüfen per Hand

In der Weißhofer Straße in Bretten hat ein Metzger Essbesteck im Asphalt einfassen lassen. Ein kleiner Werbe-Gag, der Einheimische und Auswärtige zu unterschiedlichen Reaktionen veranlasst. Auch eine Hutmacherin stellt entsprechende Mentalitätsunterschiede fest.

Axel Zickwolff und Georg Heller (links) an den im Asphalt eingelassenen Messer und Gabel. Foto: Arnd Waidelich Foto: Arnd Waidelich

Von Arnd Waidelich

Wer gedankenverloren die Weißhofer Straße entlang schlendert, dessen Blick fällt vis a vis der Weißhofer Galerie auf ein seltsames Arrangement im Asphalt des Fußweges. Zwei gekreuzte Gabel-Messer-Paare glitzern ihm vor dem Haus Nummer 10 entgegen. Sie sind dort nicht zufällig in den Asphalt geraten und haben sich dort festgetreten. Ganz im Gegenteil. Es hat Metzger Axel Zickwolf ein gutes Stück Überredungskunst gekostet, ehe er seine Idee realisiert sah.

Als kleinen Hinweis sieht er das Gourmet-Kreuz. „Damit will ich ein bisschen Aufmerksamkeit erregen und auf meinen Laden lenken. Der ein oder andere bleibt da doch stehen und guckt sich das an”, so seine Beobachtung in dem vergangenen Jahr. Vor exakt einem Jahr nämlich, am 15. August 2019, rückte der BBV-Bautrupp an, um schnelles Internet zu verlegen. Da sah Zickwolf seine Chance gekommen: „Ich habe den Bauarbeitern ein Mittagessen spendiert und die BBV-Mannschaft war gleich dabei.“ Er opferte ein altes Edelstahl-Besteck und ließ es in den noch warmen Asphalt einpressen.

Kein Verständnis für Sorgen von Hundebesitzern

Mit dem Messer und der Gabel wollte er besonders auf seinen Cateringservice hinweisen. Das ist ihm, wenn auch auf ganz andere Weise als beabsichtigt, schon gelungen. Beim Einladen in seinen Transporter sei ihm schon einige Male nachgerufen worden: „Halt, Sie haben da was verloren!“ Nicht zuletzt das überzeugt ihn davon, „dass ich die Aufmerksamkeit, die ich erregen wollte, auch erhalten habe.

Nicht überall ist er mit dieser Aktion auf Gegenliebe gestoßen, so sagt er. Als Höhepunkt nennt er die Hundebesitzer, die befürchten, ihre Vierbeiner könnten sich an dem eingelassenen Messer verletzen. Dafür hat er kein Verständnis, „denn an dem Messer kann bestimmt nichts passieren.“

Viel lustiger ist für ihn eine andere Beobachtung. Die Ur-Brettener und die Auswärtigen zeigen ein ganz anderes Verhalten vor diesem schmückenden Element. Seine einjährige Beobachtung sagt ihm: „Die Brettener, die bleiben vor dem gekreuzten Besteck verdutzt stehen, kicken mit dem Fuß dagegen und gucken, ob sie es so vom Asphalt loskriegen.“ In dieses Verhaltensmuster passt Zickwolf-Stammkunde Georg Heller. Auch er macht zunächst mal den Fuß-Test und ist prächtig amüsiert. Er finde das eine sehr gute, witzige Idee, meint der Brettener.

Auswärtige Kunden denken langfristiger

Die Auswärtigen hingegen verhalten sich ganz anders. Nachdem sie das Objekt wahrgenommen haben, beugen sie sich vornüber und prüfen vorsichtig mit dem Finger, ob sie Messer und Gabel loslösen können, so beschreibt Zickwolf das Alternativ-Verhalten.

Das ist nicht der einzige Punkt, in dem sich Brettener und Auswärtige anscheinend unterscheiden. Einen solchen Unterschied bemerkt auch Betina Laboranovits, wenn auch auf einem ganz anderen Terrain. „Die Auswärtigen sind nicht so kritisch, was den Preis anbelangt“, hat sie in ihrer Hutschmiede am Marktplatz bei Kunden aus dem ganzen Bundesgebiet von Hamburg bis ins Allgäu bemerkt.

Und noch einen anderen Unterschied bemerkt sie: „Die Brettener kommen vier Wochen vor dem Fest zu mir und dann muss alles sehr schnell gehen.“ Die auswärtigen Kunden hingegen dächten weit langfristiger, sagt sie: „Die wissen, dass es einfach länger dauert, so ein Original herzustellen, das nicht von der Stange kommt.“

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