Nach wie vor nutzen zahlreiche Autofahrer die Möglichkeit der Zufahrt auf den Hornisgrindegipfel. Da die Parkmöglichkeiten dort begrenzt sind, wird an der ohnehin schon engen Straße „wild“ geparkt. | Foto: Bernhard Margull

Zufahrt zur Hornisgrinde

Schranke soll geschlossen bleiben

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Unter dem Eindruck massiver Kritik und angesichts der offenbar nicht einzudämmenden Blechlawine auf der Zufahrt vom Mummelsee zur Hornisgrinde drängt das Landratsamt nun auf drastischere Maßnahmen: „Wir wollen erreichen, dass die Schranke bis auf weiteres dauerhaft geschlossen bleibt“, kündigte Kai Hockenjos als Sprecher des Landratsamts am Freitag an. Menschen mit Handicap sollen wie bisher einen Transponder ausleihen können, der die Schranke am Mummelsee einmalig öffnet.

Seit der Eröffnung der Grindehütte und der damit verbundenen Freigabe der Zufahrt für den Anliegerverkehr hagelt es Kritik an der neuen Verkehrsregelung. Gleichzeitig nahm der Verkehr auf der schmalen Straße derart zu, dass Wanderer bereits von „Staus“ sprechen. Endgültig das Fass zum Überlaufen brachte dann offenbar ein am Donnerstag im „Acher- und Bühler Bote“ veröffentlichtes Bild vom Park-Chaos auf dem Hornisgrindegipfel: Das am Dienstagnachmittag entstandene Foto zeigt zahlreiche entlang der Zufahrt „wild“ geparkte Fahrzeuge. Das führte nun dazu, dass das Landratsamt noch am Donnerstag ein Halteverbot angeordnet hat.

Umstrittene „Anlieger-Regelung“

Am Freitag gab es zudem ein Gespräch zwischen Vertretern des Landratsamts, der Gemeinde Seebach und dem Busunternehmen, das im Sommer den „Freizeitbus“ betreibt. Dieser von verschiedenen Kommunen und dem Landkreis finanzierte „Freizeitbus“ fährt bisher nur in den Sommermonaten bis zur Hornisgrinde; die Linie endet im Winter am Mummelsee. Wie berichtet, hatte das Landratsamt die im Verantwortungsbereich der Gemeinde Seebach liegende Zufahrt zur Hornisgrinde im Zusammenhang mit der Eröffnung der „Grindehütte“ für den Anliegerverkehr freigegeben. Das führte dazu, dass viel mehr Autofahrer als offenbar gedacht, als „Anlieger“ einen Abstecher auf die Hornisgrinde unternahmen. Gut für den Betreiber der bei vielen Menschen sehr beliebten „Grindehütte“, schlecht aber für die vielen Wanderer, die auf der schmalen Straße ständig den zahlreichen Autos ausweichen mussten.

Szenen wie diese soll es auf der Straße vom Mummelsee zur Hornisgrinde nicht mehr geben. Das Landratsamt will, dass die Schranke geschlossen bleibt. Foto: Margull

Früherer Bau einer „intelligenten Schranke“ gefordert

Unter dem Eindruck der Proteste und angesichts der drohenden Gefahren für Fußgänger wurde beschlossen, die Schranke an den Wochenenden zu schließen und Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, am Seibelseckle gegen eine Kaution von 50 Euro einen Transponder zur Verfügung zu stellen, um die Schranke einmalig selbst öffnen zu können. Diese Regelung sollte bis zu dem im Sommer geplanten Bau einer „intelligenten Schranke“ gelten: Diese würde die Zahl der Autos in Abhängigkeit zu den an der „Grindehütte“ verfügbaren Parkplätze begrenzen.
Angesichts der chaotischen Verkehrsverhältnisse will das Landratsamt nun nicht mehr bis zum Sommer warten. Die Kreisbehörde drängt auf einen früheren Bau der „intelligenten Schranke“. Und bis dahin soll die bisherige Wochenend-Regelung an allen Wochentagen gelten.

Kommentar
Betrachtet man das Verkehrs- und Parkchaos auf der Zufahrt zur Hornisgrinde, fällt einem unweigerlich Goethes „Zauberlehrling“ ein: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“ Weder im Offenburger Landratsamt, noch im Seebacher Rathaus hatte man offenbar damit gerechnet, dass die Freigabe der viele Jahre für den öffentlichen Verkehr gesperrten kleinen Straße vom Mummelsee zur Hornisgrinde derartige Folgen haben könnte. Dass die Strecke nur „für Anlieger frei“ ist, scherte kaum jemanden, ein Übriges tat das Werbeschild der neu eröffneten „Grindehütte“, die in unübersehbaren Lettern zur freien Fahrt auf den Hornisgrindegipfel lockte.
Die ersten Reaktionen auf die nach Ansicht vieler Wanderer unhaltbaren Zustände auf der schmalen Zufahrtsstraße waren halbherzig. Der Verweis auf die im Sommer zu erwartende „intelligente Schranke“ half an den Feiertagen zwischen Weihnachten und Dreikönig nicht wirklich weiter, und die dann getroffene Regelung „Schranke zu am Wochenende“ erwies sich letztlich als ein hilfloser Versuch, der ständig wachsenden Blechlawine Herr zu werden. Als sich in dieser Woche dann zeigte, dass der Verkehr selbst an ganz normalen Arbeitstagen kaum abnimmt, war die auch von Goethes „Zauberlehrling“ empfundene „Not“ im Landratsamt endlich so groß, dass man nun offenbar bereit ist, den „Besen“ in Form von Halteverbot und Schrankenschließung zu schwingen.
Damit niemand das falsch versteht: Dem Betreiber der „Grindehütte“ sei der Erfolg durchaus gegönnt. Es geht allein darum, wie man dort hinauf gelangt. Am besten natürlich zu Fuß oder per Shuttle – aber die Überlegung, den „Freizeitbus“ nicht nur im Sommer zum Hornisgrindegipfel fahren zu lassen, wäre fürs Erste sicher auch keine schlechte Idee.