Der markante achteckige Bau verschwindet aus dem Baden-Badener Stadtbild.
Der markante achteckige Bau verschwindet aus dem Baden-Badener Stadtbild. | Foto: Kamleitner

Edeka-Neubau folgt

Discothek Achteck in Baden-Baden wird abgerissen

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Der Abrissbagger hat schon kräftig zugebissen. In der vergangenen Woche zerlegte er die letzten noch verbliebenen Teile des Geschäftshauses, ab diesem Montag fällt der markante achteckige Turm. Bis Freitag, prophezeit Martin Ernst von der Immobilien Real AG in Baden-Baden, ist auch dieser Teil der Immobilie platt gemacht. Dann gibt es das Achteck mit der legendären Discothek endgültig nur noch in der Erinnerung.

Siegfried Wilbur hat ein Auge auf die Abrissarbeiten. Seit über 15 Jahren ist er für Ernst tätig. Das Achteck hat er in unzähligen Fotos dokumentiert – von der Grundsteinlegung im Jahr 1973, der Eröffnung des Turms im Jahr 1974, dem Einzug des VtH Modellbau Verlags im Jahr 1975 und dem Ende der 70er Jahre gebauten Edeka-Markt. Die Daten hat er noch immer im Kopf. Seine Aufnahmen hat er auch in soziale Netzwerken gestellt – und große Resonanz erfahren.

Erinnerungen aus aller Welt

Vor allem ehemaligen Soldaten aus Kanada, Frankreich und den USA, die zu den Hochzeiten der Discothek Achteck in der Region stationiert waren, schwelgen in Erinnerung. „Über Facebook schreiben mir viele, dass sie einst in der Disco waren“, berichtet Wilbur. Die Vergnügungsstätte im Untergeschoss des Gebäudes war in den 70er und 80er Jahren weit über die Region hinaus ein Begriff. Später gab es als Discostadl Anton noch eine Renaissance.

Natürlich war ich da auch!

Ortsvorsteher Hans-Dieter Boos geht es wie vielen: Er kennt die Discothek Achteck noch aus eigener Anschauung. „Natürlich war ich da auch!“ Allzuviel Wehmut kommt bei ihm derzeit aber nicht auf. „Als Ortsvorsteher möchte ich den Blick in die Zukunft richten“, sagt er im BNN-Gespräch. Mit dem an der Stelle geplanten Edeka-Markt und dem mehrstöckigen Bürogebäude werde das Areal schließlich modernisiert und wieder aufgewertet. Bei Wilbur weckt der Abriss dagegen deutlich mehr Emotionen: „Das ist schon herzblutend“, räumt er ein.

Achteck bleibt in Bildern

Den „Außerirdischen“, der im ehemaligen Jugendtreff im Keller des Turms die Wand zierte oder die noch verbliebenen Waschbecken im ehemaligen Friseursalon und Überreste einer alten Tapete mit nackten Frauenkörpern – Wilbur hat alles im Bild festgehalten, bevor der Abrissbagger in den nächsten Tagen ganze Arbeit leistet.

Große Geräte im Einsatz

Die Maschine ist ein Hightech-Gerät. Sechs Kameras kann der Bediener bei der Arbeit nutzen. Die Abrisszange hat laut Wilbur eine Spannkraft von 80 Tonnen, der Baggerausleger eine Reichweite von 32 Metern. „Ein Wahnsinnsgerät“, wie Wilbur findet. Voraussichtlich bis diesen Freitag wird es in Haueneberstein noch im Einsatz sein. Dann ist das Achteck, einst der Begriff für ausgelassene Partys in der Region, Geschichte.

Sportliches Ziel für Edeka-Markt

Dort Zum ersten Adventswochenende Ende November soll der neue Edeka-Markt in Haueneberstein öffnen. „Das ist ein sehr sportliches Ziel“, räumt Martin Ernst von der Immobilien Regional AG ein. Das Projekt wird auf dem Areal des ehemaligen Geschäftshauses mit dem achteckigen Turm realisiert. Bis Ende Oktober soll das neue Gebäude stehen. Dann bleiben dem Marktbetreiber noch etwa vier Wochen, um im Innern die Verkaufsinfrastruktur zu schaffen und die Regale schließlich mit Waren zu füllen, erläutert Ernst.

So wird es aussehen: An der Stelle des Geschäftshauses mit dem markanten Achteck-Turm, der ab diesem Montag abgerissen wird, entstehen ein neuer Edeka-Markt und ein Bürogebäude. Der Markt soll bereits Ende November fertig sein, das Bürogebäude rund ein halbes Jahr später.
So wird es aussehen: An der Stelle des Geschäftshauses mit dem markanten Achteck-Turm, der ab diesem Montag abgerissen wird, entstehen ein neuer Edeka-Markt und ein Bürogebäude. Der Markt soll bereits Ende November fertig sein, das Bürogebäude rund ein halbes Jahr später. | Foto: IR AG (Visualisierung)

Ortsvorsteher Hans-Dieter Boos ist optimistisch, dass die Kundschaft im 4 200 Einwohner zählenden Baden-Badener Ortsteil ihre Nikolaus-Einkäufe im neuen Edeka-Markt besorgen kann. Bis dahin müssen die Einwohner weiterhin Einschränkungen bei der Nahversorgung in Kauf nehmen.