Auf das Jackett darf an den heißen Tagen auch in Baden-Baden verzichtet werden. Sogar das Casino hat die Kleidervorschriften gelockert.
Auf das Jackett darf an den heißen Tagen auch in Baden-Baden verzichtet werden. Sogar das Casino hat die Kleidervorschriften gelockert. | Foto: Ole Spata/dpa

Casino verzichtet auf Sakko

Kleidervorschriften werden bei der Hitze in Baden-Baden gelockert

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„Sonne raus, Sakko aus!“, so lautet der derzeitige Slogan auf der Internetseite des Casino Baden-Baden. Hier hat man die Kleiderordnung für Gäste in einer Sommeraktion während der heißen Tage ein wenig gelockert. Doch nicht nur am Spieltisch, auch in anderen Bereichen der Kurstadt gibt es aufgrund der Hitze Entschärfungen des offiziellen Dresscodes.

Bei der Sparkasse Baden-Baden gab es in der vergangenen Woche, schon zum zweiten Mal in diesem Jahr, per E-Mail die Anweisung des Vorstandes, dass die Krawattenpflicht aufgrund „unverhältnismäßig hoher Temperaturen“ aufgehoben wird. Ansonsten gelte aber weiterhin die normale „Bank-übliche“ Kleiderordnung, erklärt Jörg Bertsch, der dort für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Das bedeute für die Frauen bedeckte Schultern und für die Männer eigentlich Langarm-Hemden.

Kunden stören sich nicht

Die Kunden aber störten sich an einer fehlenden Krawatte oder einem kurzärmeligen Hemd weniger. Im Gegenteil, seien sie oft verwundert, wenn die Kundenberater bei einer solchen Hitze überhaupt noch Krawatte und Jackett tragen. Allerdings, so betont Bertsch, gebe es ja auch kaum Filialen, die noch nicht klimatisiert seien, was das Ganze schon deutlich angenehmer mache.

Bei über 30 Grad kommt man dann eben mal ohne Krawatte.

Mit Klimaanlagen sind auch ihre Räumlichkeiten ausgestattet, bestätigt Uwe Schnurr, Bereichsdirektor der Volksbank Baden-Baden. Das Sakko habe man zwar immer dabei, das hänge in den meisten Fällen aber über dem Stuhl, „und bei über 30 Grad kommt man dann eben mal ohne Krawatte“. Um die Motivation der Mitarbeiter auch bei diesem Wetter hochzuhalten, würde an ganz heißen Tagen auch schon mal das Eismobil für die gesamte Belegschaft vorfahren, erzählt Schnurr weiter.

Das Thermometer klettert: An diesem Donnerstag soll es noch heißer werden
Das Thermometer klettert: An diesem Donnerstag soll es noch heißer werden | Foto: dpa

Dresscode nur bei Hitze

Den Dresscode für seine männlichen Besucher hat das Baden-Badener Casino zwar gelockert, allerdings handelt es sich dabei um eine zeitlich begrenzte Sommeraktion für die heißen Tage, betont Direktor Thomas Schindler. Viele Gäste hätten bei ihrem Besuch in der Kurstadt in einer solchen Hitze einfach kein Jackett dabei. Man wolle damit einfach ein Stück weit eine Erleichterung bieten, obwohl ihre Räume selbstverständlich auch klimatisiert seien. Auch wenn der Großteil der Gäste die zeitbefristete Änderung begrüße, gebe es durchaus manche, die sich darüber echauffierten, weil ihnen das Bild nicht gefalle.

Uniform für den Sommer

Auch im Brenners Park-Hotel seien die meisten Arbeitsplätze mittlerweile klimatisiert, was eine Anpassung des Dresscodes überflüssig mache, erklärt Personalchefin Heike Berger. Schon vor einer Weile sei der Großteil der Arbeitskleidung in ihrem Haus angepasst und auf leichtere Materialien umgestellt worden. Allein die Portiers, die dem Wetter vor der Tür meist direkt ausgesetzt sind, haben eine Winter- und eine Sommeruniform.

Wer an solchen Tagen mit Krawatte kommt, ist selbst schuld.

Klimaanlage? Die gibt es im Rathaus nicht. Deswegen wird dort die Kleiderordnung in diesen Tagen auch sehr großzügig ausgelegt, erklärt Pressesprecher Roland Seiter. „Wer an solchen Tagen mit Krawatte kommt, ist selbst schuld. Die Zeiten sind zum Glück vorbei“, sagt er lachend. Kurze Hosen, ein Polo-Shirt und leichte Schuhe seien vollkommen in Ordnung, so lange alles noch angemessen aussehe. Viele Kollegen hätten sich außerdem auch kleine Ventilatoren für ihre Büros angeschafft. Einige Damen, darunter auch Oberbürgermeisterin Margret Mergen, nutzten mit einem Fächer die umweltfreundliche Variante – wohlgemerkt auch die stilvolle.

Knigge verbietet nackte Füße

Der Knigge, Ratgeber für Etikette, hat seine ganz eigene Meinung zur Stilsicherheit bei hohen Temperaturen. Sowohl bei Damen, als auch bei Herren gilt hier: Nackte Füße in Flip-Flops oder Badelatschen will keiner sehen. Zu kurzen Hosen bloß keine Socken in Sandalen und Röcke sollten, ganz traditionell, immer eine Handbreit unter dem Knie enden. Doch bei der Krawatte ist selbst der alte Knigge gnädig und erlaubt den hitzebedingten Verzicht.

Kommentar
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Hitzejammer

Oh diese Hitze! Sie lässt die Menschen jammern und macht sie schlapp. Gequengelt wird über schlaflose tropische Nächte, fiesen Sonnenbrand und die zu langsam kühlende Klimaanlage im Auto auf dem Weg zur Arbeit. Und dann auch noch der Dresscode am Arbeitsplatz: Langarm-Hemden und sogar Krawattenpflicht bei diesen extremen Temperaturen?

Schwere Sommeruniform

Doch wer denkt an diejenigen, die in dieser Hitze tatsächlich so ganz ohne Klimaanlage oder gar in der prallen Sonne, ihre Arbeit verrichten müssen? Der Fensterputzer an der Fassade oder der Hähnchen-Brater in der Imbissbude. Der Zimmermann auf dem Dach, das Maskottchen im Freizeitpark oder die Straßenarbeiter auf der Baustelle, um nur ein paar wenige zu nennen. Und auch Polizisten und Feuerwehrmänner haben keine leichtere Sommeruniform.

Wohltemperiert

Beim Gedanken an die, in dieser Zeit bedauernswerten, Zeitgenossen fällt uns fast das Eis aus dem Mund, wir stellen das Klimagerät im wohltemperierten Büro schnell ein bisschen kälter und auch die Krawatte sitzt plötzlich gar nicht mehr so eng.

Ganzjährige Tradition

Und wer ehrlich ist: Meckern übers Wetter ist kein sommertypisches Phänomen, es hat doch mittlerweile ganzjährig Tradition. Deswegen verkneifen wir uns lieber das kollektive Hitzejammern und halten uns an die Parole: Durchhalten und die Sache einfach auss(chw)itzen!