Draußen nur mit den Eltern oder Geschwistern spielen: Wegen des Coronavirus müssen Kinder derzeit auf Spielplätze und das Toben mit Freunden oder auch fremden Kindern in der Natur verzichten.
Draußen nur mit den Eltern oder Geschwistern spielen: Wegen des Coronavirus müssen Kinder derzeit auf Spielplätze und das Toben mit Freunden oder auch fremden Kindern in der Natur verzichten. | Foto: Ute Grabowsky

Schreiben von BNN-Redakteuren

BNN-Redakteure danken ihren Kindern für Stärke in der Corona-Krise

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Seit Mitte März sind Schulen und Kitas in Baden-Württemberg wegen der Corona-Krise geschlossen. Auch Spielplätze dürfen die Kleinen nicht betreten, geschweige denn ihre Freunde treffen. Auch wenn die Schulen von Montag an langsam wieder öffnen: Die psychische Herausforderung für Kinder und Jugendliche ist und bleibt riesig. Sieben BNN-Redakteure haben ihren Kindern für die Stärke in den vergangenen Wochen gedankt.


Susanne Jock: „Wir zünden deine Geburtstagskerzen nochmal an“

Liebe Svenja,

deine Geburtstagskerzen stehen noch auf dem Tisch. Kurz vor dem Shutdown wurdest Du 15 – und warst erwachsen genug, um kluge Entscheidungen zu treffen: Die Familienfeier hast du gecancelt, noch ehe das Land in Schockstarre verfiel, ein Treffen mit den Freundinnen abgesagt. Respekt!

Du hast dich früh mit dem beschäftigt, was da auf uns zu kam – und leidest umso mehr. Weil Dir klar war, dass das mühsame Homeschooling für dich noch länger Alltag sein wird. Weil Du weißt, dass wir vieles, was nun weggebrochen ist, nicht einfach nachholen können.

Du warst gerade wieder auf der Überholspur und wurdest komplett ausgebremst.

Und weil Du dich sorgst, was aus all deinen Plänen wird. Allein im April wolltest Du für eine Woche zum Schüleraustausch nach Frankreich, zum Kurs für Jugendgruppenleiter und zum Lehrgang für Sportmentoren. Wir hatten Karten fürs Ballett und Deinen Abschlussball.

Kurzum: Du warst gerade wieder auf der Überholspur und wurdest komplett ausgebremst. Selbst das BoGy im Juli, in das Du viel Energie gesteckt hast, musstest Du absagen. Und klar fehlen dir deine Freunde, auch wenn ihr telefoniert, skypt, Nachrichten und Fotos schickt.

Dein Verstand sagt: Wir jammern auf hohem Niveau. Das Wichtigste ist, dass alle gesund bleiben. Dein Gefühl sagt: Das verdammte Virus nimmt mir vieles. Womöglich auch noch meinen großen Traum, das nächste Schuljahr im Ausland zu verbringen??? Ganz ehrlich: Vielleicht musst Du auch das verschieben. Aber wir hoffen mit dir. Und wir zünden deine Geburtstagskerzen nochmal an, wenn die Familie wieder zusammenkommen kann, um dich zu feiern.

Susanne Jock
Susanne Jock | Foto: Hora

Susanne Jock ist Redakteurin im „Fächer“ der BNN. Ihre 15-jährige Tochter beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Corona und den Folgen.


Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick


Anne Weiss: „Diese Zeit hat unsere Familie auch zusammengeschweißt“

Lieber Leander, lieber Mattis,

was gerade auf der ganzen Welt vor sich geht, versteht Ihr noch nicht. Aber Ihr merkt, dass in eurer kleinen Welt gerade einiges anders läuft. Lange habt Ihr euch in der Kita schwergetan, jetzt vermisst Ihr eure Erzieherinnen und Freunde. In verdrehten Worten und holprigen Sätzen erklärt Ihr uns das deutlich. Ihr fordert „Kita gehen“, „draußen spielen“ und habt schnell den Satz „hoffentlich bald wieder“ verinnerlicht.

Noch mehr als euren Alltag vermisst Ihr aber eure Großeltern. Die Distanz kann keiner der Videoanrufe überbrücken, bei denen euch ohnehin der Mut verlässt. Stumm starrt Ihr auf die Gesichter eurer Omas und Opas, während ich erzähle, was noch Sekunden zuvor aus euch herausgesprudelt ist.

So unterschiedlich Ihr seid, so stark ist dieses besondere Band.

Nächste Wochen werdet Ihr zwei Jahre alt. Ich hätte euch so gerne versprochen, dass wir diesen Tag mit allen gemeinsam feiern. Er wird sicher trotzdem schön. Denn gleichzeitig hat diese Zeit unsere kleine Familie auch zusammengeschweißt – vor allem euch. Als Zwillinge wart Ihr von der ersten Sekunde an zu zweit. Bisher war das ehrlich gesagt oft anstrengend für euren Papa und mich. Natürlich streitet Ihr. Sobald jedoch einer das Zimmer verlässt, lässt der andere meist alles stehen und liegen.

So unterschiedlich Ihr seid, so stark ist dieses besondere Band. In den vergangenen Wochen hat mir vieles Sorgen bereitet. Dass Ihr euch in dieser Zeit alleine fühlen könntet, gehört nicht dazu.

Anne Weiss
Anne Weiss | Foto: Hora

Anne Weiss ist Editoren-Chefin für die Ausgaben der BNN im Norden und Osten des Verbreitungsgebiets. Ihre Zwillinge wissen bereits, dass sie bei der Zeitung arbeitet und blättern das Ergebnis täglich durch. Am Ende interessieren sie aber nur Bilder von Tieren und Autos.


Jörg Seiler: „Ihr jammert nicht, Ihr motzt nicht“

Lieber Marvin, lieber Cedric,

eine Freundin der Mama hat kürzlich selbst genähte Schutzmasken geschickt, und Ihr habt ganz freudig gesagt, jetzt könntet Ihr ja endlich wieder mit mir einkaufen gehen. Das findet Ihr toll, allein schon wegen des Kinder-Karussells im Supermarkt. Und Einkaufen mit Papa ist sowieso prima, denn in Sachen Lieblingskekse bin ich ja alles andere als ein konsequenter Neinsager.

Leider muss das noch warten – wie so vieles, was Ihr echt gern macht: In die Kita gehen, Freunde treffen, Turnen, Schwimmen und Tennis, Eisdiele besuchen, ganz zu schweigen vom Oma-Tag. Und obwohl so vieles momentan nicht möglich ist, seid Ihr immer gut drauf.

Ihr rockt die Bude und den Garten gleich mit. Ihr jammert nicht, Ihr motzt nicht.

Ihr rockt die Bude und den Garten gleich mit. Ihr jammert nicht, Ihr motzt nicht. Das finde ich echt stark, daran können sich manche Erwachsene ein Beispiel nehmen. Ihr seid für mich die tollsten Jungs, die es gibt.

So hoffe ich gerade für Euch, dass bald alles wieder normal wird. So normal es eben geht. Dann kannst Du, Cedric, endlich in den Waldkindergarten gehen, auf den Du Dich schon so freust. Ich erinnere mich noch an unseren Spaziergang, als wir dort vorbeikamen und Du ganz traurig geschaut hast, dass er geschlossen ist.

Marvin, Du kannst wieder in die neue Kita und Deine Freunde sehen, die Du so sehr vermisst. Und unsere Fahrt mit dem superschnellen ICE nach Köln zum Eis essen steht auch noch aus, ebenso wie vieles andere.

Jörg Seiler
Jörg Seiler | Foto: Hora

Jörg Seiler ist Redakteur in der Bühler Lokalredaktion. Seine Söhne sind fünf und drei Jahre alt. Sie vermissen Freunde, Großeltern und den Kindergarten sehr. Dass der Papa derzeit im Homeoffice arbeitet, finden die Kurzen allerdings klasse.


Briefe an unsere Eltern: Was wir euch in der Corona-Pandemie unbedingt sagen müssen


Dominic Körner: „Diese schwierige Zeit bringt uns näher“

Liebe Lara,

du hast es gut: Mama und Papa haben dir einen Spielplatz im Garten eingerichtet. Sandkasten, Rutsche, Trampolin und Schaukel – alles da. Wenn wir nicht gerade Regenwürmer ausgraben, die du „Hinohuum“ nennst, oder die Hühner besuchen gehen, spielst du mit Mama. Oder du platzt in Papas Büro, um mit deinen kleinen Händen auf der Tastatur zu hacken.

Oma und Opa hast du zuletzt furchtbar vermisst, den ganzen Tag von ihnen geplappert, aber bei unseren Facetime-Sitzungen warst du etwas überfordert. Seit einigen Tagen haben deine Großeltern ihre neuen Schutzmasken und können hin und wieder mit dir spazieren gehen. Das findest du klasse, auch wenn die Dinger im Gesicht doch ein wenig komisch aussehen.

Vorher warst du ein echtes Mama-Mädchen, doch das hat sich jetzt geändert.

Diese schwierige Zeit bringt uns näher. Vorher warst du ein echtes Mama-Mädchen, doch das hat sich jetzt geändert: Als deine Mutter dich kürzlich ins Bett bringen wollte und du „Nein! Papa!“ gerufen hast, hab’ ich mich diebisch gefreut. Aber pssst: Mama soll ja nicht neidisch werden. Ist schließlich kein Wettkampf (aber wenn doch, dann führe ich gerade).

Dennoch freue ich mich auf unbeschwertere Tage. Ich werde bald wieder mit dir ins Kinderturnen gehen, wo wir Zwei immer für viel Chaos sorgen. Ich verspreche dir: Beim nächsten Mal lassen wir es krachen!

Dominic Körner
Dominic Körner | Foto: Hora

Dominic Körner (34) ist Redakteur in Gaggenau. Seine Tochter ist zwei Jahre alt und schwer begeistert, dass Papa im Homeoffice immer zu Hause ist. Sie sollte eigentlich ab Mai in den Kindergarten gehen, wenn Frau Körner nach ihrer Elternzeit wieder mit der Arbeit beginnt. Nun muss Papa einspringen.


Tina Mayer: „Mama, wenn das Coronavirus wieder weg ist, dann machen wir das alles, ja?“

Liebe Frieda, liebe Pauline, lieber Hannes,

es tut mir leid für Euch, dass Ihr diese Zeit erleben müsst. Dass Ihr nicht zur Schule und in die Kita gehen könnt, dass Ihr nicht einfach unbeschwert mit Euren Freunden spielen dürft. Es macht mich wütend, dass Ihr Abstand halten müsst, dass Ihr nicht dort Fahrrad fahren könnt, wo Ihr gerne möchtet, dass Ihr meinen schlechten Mathe-Unterricht ertragen müsst.

Es bricht mir fast das Herz, dass Ihr Eure Großeltern in diesen Tagen und Wochen nicht sehen dürft.

Und es bricht mir fast das Herz, dass Ihr Eure Großeltern in diesen Tagen und Wochen nicht sehen dürft. Dass Ihr Oma und Opa nur auf dem Handybildschirm zuwinkt, oder bestenfalls von der Straße oder vom Garten aus nach oben zum Balkon. Wann können wir sie wieder richtig besuchen, das fragt Ihr oft. Ich würde Euch so gerne eine Antwort darauf geben können.

Gleichzeitig möchte ich Euch an dieser Stelle auch Danke sagen – dafür, dass Ihr die Situation in Eurer kindlichen Unbeschwertheit so annehmt, wie sie eben ist. Dass Ihr alles nicht so ernst nehmt, (meist) klaglos akzeptiert, was gerade alles nicht erlaubt ist, auch wenn Ihr das eigentlich „voll doof“ findet.

Und danke auch dafür, dass Ihr mit mir immer an die Zeit danach denkt. Dass Ihr davon träumt, Eure Freunde wieder zu treffen, zum Reiten zu gehen oder ins Ballett. Danke, dass Ihr mir immer wieder sagt „Mama, wenn das Coronavirus wieder weg ist, dann machen wir das alles, ja?“ Versprochen!

Tina Mayer | Foto: Tanja Mori Monteiro

Tina Mayer ist Redakteurin der Karlsruher Lokalredaktion, momentan aber in Elternzeit. Ihre Kinder sind sieben Jahre, vier Jahre und vier Monate alt. Die derzeitige Lage finden die Großen „so mittel“. Dass es für die gute Stimmung daheim jetzt öfter Eis gibt, dagegen super.


Julius Sandmann: „Zusammen, als Brüder, übersteht ihr jede Krise“

Lieber Jasper, lieber Jona,

es wird Jahre dauern, bis ihr diese Nachricht lesen könnt und noch viel länger, bis ihr sie versteht. Ich hoffe, dass die Kitas bald wieder gänzlich öffnen und du dich wieder mit deinen geliebten Freunden treffen kannst, Jasper. Dass ich dich nicht mehr trösten muss, wenn du auf der Toilette sitzt und weinst, weil „wir keinen Besuch mehr bekommen“.

Dein erstes Fahrrad und das ferngesteuerte Auto zu Ostern von den Omas und Opas aus Nordrhein-Westfalen und Hessen konnten dich darüber nicht hinwegtäuschen. Stattdessen saßt du beim Videoanruf mit meiner Familie auf dem Schoß deiner Mutter und erzähltest deiner Oma, dass du traurig bist.

Ich hoffe, dass dieser Spuk bald vorbei ist.

Dass ich die Besuche bei deinen Cousins Anton und Nils absagen musste, tat mir weh. Genauso, dass du ständig fragst, warum die Spielplätze geschlossen sind oder wo „die Krankheit“ lauert. Ich hoffe, dass dieser Spuk bald vorbei ist.

Ich möchte deinen flehenden Blick nicht länger ignorieren, wenn du herumfährst – früher mit drei, seit kurzem mit zwei Rädern – und Kinder siehst, mit denen du gerne spielen würdest, aber nicht darfst. Kein Vater soll dich mehr freundlich bitten müssen, etwas Abstand von seinem Sohn zu halten, wenn du am Karlsruher Kolpingplatz freudig auf sie zusteuerst.

Wenn es einen positiven Aspekt dieser Krise gibt, dann den, dass ich sehe, wie du den kleinen Jona bespaßt und ihn streichelst, wenn er weint. Zusammen, als Brüder, übersteht ihr jede Krise.

Julius Sandmann
Julius Sandmann | Foto: Hora

Julius Sandmann arbeitet in der Online-Redaktion. Seine Frau ist derzeit in Elternzeit und kümmert sich um die beiden Söhne Jasper (drei Jahre) und Jona (fünf Monate). Er macht vor allem Frühschichten, um mittags wieder zu Hause sein zu können.


Florian Konrad: „Du darfst hoffentlich bald wieder mit Freunden spielen“

Lieber Jakob,

dein Weg ins Leben war nicht leicht. Viel zu früh bist Du auf die Welt gekommen. Ich erinnere mich gut an deine Zeit auf der Intensivstation. Dort warst Du mit deinen zwei Kilo einer der Schwersten, doch anders als bei deinem eine Minute älteren Zwillingsbruder Julius war deine Lunge noch nicht bereit für ein Leben außerhalb von Mamas Bauch.

Es war nicht schön, all die Schläuche an deinem winzigen Körper zu sehen. Doch wirklich Angst hatte ich um dich nie, weil die Ärzte genau wussten, was dir fehlt und was zu tun war. Genau drei Jahre später sorge ich mich mehr. Eine neue Krankheit ist unterwegs, die gerade für Menschen wie dich gefährlich scheint. Du hast dich prima entwickelt, das tägliche Inhalieren muss aber sein.

Trotz eines anstrengenden Alltags bringt uns die Situation aber noch enger zusammen und wir erleben viele spaßige Momente miteinander.

Deine Mama und ich dachten, dass das Schlimmste überstanden sei. Vor einigen Wochen hörten sich die Worte deiner Kinderärztin dann nicht gut an. Deshalb musstest du zusammen mit deinen beiden Brüdern auch schon zu Hause bleiben, als der Kindergarten noch geöffnet war. Seitdem sind wir Fünf nur noch unter uns, auch an deinem Geburtstag. Trotz eines anstrengenden Alltags bringt uns die Situation aber noch enger zusammen und wir erleben viele spaßige Momente miteinander.

Seit Ostern sind Mama und ich etwas entspannter. Wir haben die Info bekommen, dass das Coronavirus in Deutschland auch mit vorerkrankten Kindern wie dir recht mild umgeht. Du darfst also hoffentlich bald wieder mit deinen Freunden im Kindergarten spielen.

Florian Konrad
Florian Konrad | Foto: Hora

 

Florian Konrad leitet die Sportredaktion Mittelbaden in Bühl. Derzeit im Homeoffice, verbringt er die Mittagspause meist auf dem Trampolin mit seinen Söhnen Jonathan (fünf Jahre), Julius und Jakob (beide drei).