Ein "Blaulichtzentrum" forcieren die aktiven. Das könnte auf dem Mellert-Fibron-Gelände entstehen. | Foto: Kampf

Minister hat keine Bedenken

Erstes landesweites „Blaulichtzentrum“ in Bretten?

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Die Idee klingt ebenso einfach wie genial: Warum, fragten sich die Mitglieder der Wählerinitiative „die aktiven“, bündelt man nicht alle Rettungs- und Einsatzorganisationen auf einem Gelände? „Ausrücken müssen die doch oft eh zusammen“, sagt Jörg Biermann, Fraktionssprecher der „aktiven“ im Gemeinderat und Geschäftsführer des DRK im Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Als möglichen Standort favorisieren die „aktiven“ das Mellert-Fibron-Gelände zwischen dem bestehenden Diakonie-Gebäude und der Pforzheimer Straße. „Die Lage im Süden der Innenstadt ist ideal für ein solches ,Blaulichtzentrum‘, wo es ja darum geht, schnell am Einsatzort zu sein. Das wäre ein Pilotprojekt, denn so etwas gibt es im ganzen Land noch nicht.“
Es treffe sich diesbezüglich gut, sagt Biermann weiter, dass sich derzeit gerade alle drei Organisationen Gedanken über ihre zukünftige räumliche Ausrichtung machten.

 

Biermann: Platzbedarf spricht für Blaulichtzentrum

Laut Recherche der BNN erarbeitet die Brettener Wehr aktuell ihr Feuerwehrkonzept, in dem es unter anderem darum geht, ob die bestehenden Räumlichkeiten auch in Zukunft für die anstehenden Aufgaben ausreichen. Weitere Details waren nicht in Erfahrung zu bringen, da Kommandant Oliver Haas telefonisch nicht erreichbar war.
Beim DRK gebe es jede Menge Platzbedarf, erläutert Jörg Biermann, denn es gebe mehr Einsatzfahrzeuge und auch die Bereitschaft benötige moderne Räume. In der Rechbergklinik werde übrigens keine neue Rettungswache gebaut, wie in Bretten kolportiert wird, sondern dort entstehe ein neuer Notarztstandort, quasi eine Notarztwache. „Das läuft nicht über uns, sondern über die Klinik“, stellt Biermann klar.
Auch bei der Polizei geht es aktuell um neue Standortüberlegungen: „Das derzeitige Dienstgebäude des Polizeireviers Bretten ist dringend sanierungsbedürftig“, erklärt der Leiter der Führungsgruppe, Ulrich Kritzer, auf BNN-Nachfrage.

 

Dringend sanierungsbedürftig ist das Polizeirevier Bretten. Oder man favorisiert gleich einen Neubau. | Foto: Janik Beyle

 

Vordringlich gehe es um einen behindertengerechten Zugang, die Umkleideräume und Duschen der weiblichen Beschäftigten und um den Brandschutz. Das Amt für Vermögen und Bau des Landes prüfe derzeit, was aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoller sei: die Sanierung des Gebäudes in der Weißhofer Straße oder ein Neubau an anderer Stelle. Für letztere Option sei das Mellert-Fibron-Gelände Gegenstand dieser Untersuchungen. Für die Brettener Polizei sei es „wichtig, dass auf jeden Fall zeitnah eine Verbesserung der derzeitigen Situation erreicht wird“, betont der Revier-Vizechef.

 

Minister Strobl sieht Synergieeffekte

Ob eine Verlegung des Polizeireviers, der Feuerwehr und des DRK-Rettungsdienstes zu einem gemeinsamen Blaulichtzentrum auf ein Grundstück Sinn ergebe, müsse das Land entscheiden, erklärt Kritzer weiter.
Der zuständige Innenminister Thomas Strobl (CDU) äußerte auf BNN-Nachfrage „keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine gemeinsame bauliche Unterbringung von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei“, sofern die sicherheitsrelevanten und fachlichen Anforderungen an die Organisationen berücksichtigt seien. Synergien, so der Minister, könnten „bei allgemeinen baulichen Themenstellungen“ erzielt werden, doch sei die jeweilige technische Infrastruktur für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst „separat vorzuhalten“.
Was eine Förderung vonseiten des Landes betrifft, erklärte Strobl, dass der Bau von Rettungswachen beim rettungsdienstlichen Teil mit 90 Prozent der förderfähigen Kosten gefördert werde. Über die Förderung der Baumaßnahmen der Polizei entscheide die Bauverwaltung des Landes, die beim Finanzministerium angesiedelt sei.
Dort war am Freitagnachmittag keine Stellungnahme mehr zu erhalten.

OB Wolff sieht „keinen Bedarf für neues Feuerwehrhaus“

Oberbürgermeister Martin Wolff bezeichnet den Vorschlag der „aktiven“ gegenüber den BNN als „eine grundsätzlich nette Idee“. Allerdings sehe er keine Realisierung in den nächsten zehn Jahren. Die Feuerwehr sei „noch gut aufgestellt“, verdeutlicht Wolff, und das gelte auch für die Stadtteile, wo es ein hervorragendes Engagement der Floriansjünger gebe. Zuletzt habe die Stadt am Standort Breitenbachweg 250 000 Euro investiert, um das Feuerwehrhaus „aufzupeppen“.
Wolff sieht denn auch „keinen Bedarf für ein neues Feuerwehrhaus“, zumal die nächsten Jahre „für Bretten haushaltstechnisch nicht einfach werden“.