Tonnenweise Schotter: Bei der Renovierung der Schnellfahrstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart bereitet die Gleisbaumaschine auf einer Strecke von 99 Kilometern 240.000 Tonnen Steine auf, 200.000 Tonnen werden neu ins Gleisbett gelegt.
Tonnenweise Schotter: Bei der Renovierung der Schnellfahrstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart bereitet die Gleisbaumaschine auf einer Strecke von 99 Kilometern 240.000 Tonnen Steine auf, 200.000 Tonnen werden neu ins Gleisbett gelegt. | Foto: Heintzen

Fortschritt bei Forst

Arbeiten an Schnellfahrstrecke liegen auch dank der Gleisbaumaschine im Zeitplan

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Gemächlich schiebt sich die Gleisbaumaschine aus dem Autobahntunnel in den Lußhardtwald zwischen Forst und Hambrücken. Der ohrenbetörende Lärm von 120 Dezibel – vergleichbar mit dem Start eines Flugzeugs – bringt die Trommelfelle der Besucher im Betonschacht an die Grenzen der Belastbarkeit.

Der gelbe Gigant auf Schienen saugt den Schotter auf, entsorgt unbrauchbare Steine und befüllt die Gleise neu. Das ist nur ein Arbeitsvorgang bei einem Vorhaben mit immensen Zahlen und Maßen: die Sanierung der Schnellfahrstrecke zwischen Stuttgart und Mannheim. „Wir liegen voll im Zeitplan“, ruft Oberbauleiter Thomas Heise vom Unternehmen Spitzke aus Großbeeren bei Berlin seinen Zuhörern zu.

Im Schildkrötentempo: Gemächlich schiebt sich der Zug durch den Schacht.
Im Schildkrötentempo: Gemächlich schiebt sich der Zug durch den Schacht. | Foto: Heintzen

Demnach können Pendler ab November dieses Jahres wieder die direkte Verbindung zwischen der Landeshaupt- und der Quadratestadt nutzen; auf der derzeitigen Ausweichstrecke wird es Entlastungen geben.

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Lukas Sing vom Projektteam DB-Netz-AG blickt mit Respekt auf den gelben Koloss. „Diese Maßnahme ist auch für die Bahn etwas Neues“, sagt er und erklärt: „Erstmals wird eine derart lange Strecke an einem Stück renoviert.“

Sanierung der Schnellfahrstrecke soll 180 Millionen Euro kosten

Am 10. April dieses Jahres haben die Arbeiten, die insgesamt über 180 Millionen Euro kosten sollen, an der 99 Kilometer langen Trasse begonnen. Sie führt über 90 Brücken und durch 15 Tunnel. Die Spezialfirma erneuert rund 190 Kilometer Gleise und mehr als 50 Weichen. Sie verlegt 300.000 Schwellen und befüllt den Gleiskörper mit 440.000 Tonnen Schotter.

Während die Arbeiter am Schienenstrang im Lußhardtwald in diesen Tagen Lärm, Staub und Hitze trotzen, müssen Berufspendler und Reisende Geduldsproben bestehen. Die Fahrt über die Umleitungsstrecke über Graben-Neudorf, Bruchsal und Mühlacker dauert von Mannheim nach Stuttgart bis zu einer Stunde länger als üblich.

Präzision: An der Strecke zwischen Forst und Hambrücken begutachtet ein Mitarbeiter der Firma Spitzke den Fortschritt der Arbeiten.
Präzision: An der Strecke zwischen Forst und Hambrücken begutachtet ein Mitarbeiter der Firma Spitzke den Fortschritt der Arbeiten. | Foto: Heintzen

Bahnübergänge in Heidelsheim und Gondelsheim komplett gesperrt

Außerdem wurden einige Verbindungen zwischen den beiden Großstädten komplett aus dem Fahrbahn gestrichen. Und in manchen Orten wie Heidelsheim, Helmsheim oder Gondelsheim sind die Bahnübergänge wegen der vielen Züge zum Ärger von Fußgängern, Rad- und Autofahrern komplett gesperrt.

„Es war an der Zeit, alles zu erneuern. Es geht um Zuverlässigkeit und Stabilität. Es werden auch Arbeiten an den Oberleitungen vorgenommen“, sagt Lukas Sing. Im Mai 1991 war die Schnellfahrstrecke in Betrieb genommen worden. „Schienen und Technik brauchen nach fast 30 Jahren in Betrieb eine Frischekur, um auch für kommende Generationen einen zuverlässigen Eisenbahnverkehr ermöglichen zu können“, heißt es bei der Deutschen Bahn.

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Auf der Strecke fahren im Durchschnitt 185 Fern- und 24 Güterzüge pro Tag. Jedes Jahr sind zwischen Mannheim und Stuttgart etwa 24 Millionen Reisende mit der Bahn unterwegs. „Bei der gegebenen Größenordnung ist die komplette Sanierung nicht in Wochenendsperrungen oder nur in den Nachtstunden möglich“, teilt die Bahn weiter mit: „Deswegen werden die Arbeiten im Rahmen einer Totalsperrung der Strecke durchgeführt.“

Gigant auf Gleisen: Die Maschine ist rund 500 Meter lang.
Gigant auf Gleisen: Die Maschine ist rund 500 Meter lang. | Foto: Heintzen

Die etwa 500 Meter lange Gleisbaumaschine ist mittlerweile ein kleines Stück weiter in den Wald gerobbt, etwas schwerfällig, aber mit konstantem Tempo. In der Stunde schafft sie rund 200 Meter, etwa so viel wie eine Schildkröte. Mittlerweile ist ein sogenannter Materialförderwagen herangerollt, der den unbrauchbaren Schotter aus dem Gleisbett entsorgt.

Und in wenigen Tagen wird sich ein weiterer Gigant am Streckenabschnitt unweit der Autobahn bei Forst zu schaffen machen. Dann ersetzt ein Gleisumbauzug fast ohne menschliche Hilfe die Betonschwellen, die pro Stück 320 Kilogramm wiegen, und die tonnenschweren Stahlschienen.