Hier ist Schluss. Andreas Weißhardt steht vor der Schranke seines Campingplatzes in Philippsburger.
Hier ist Schluss. Andreas Weißhardt steht vor der Schranke seines Campingplatzes in Philippsburger. | Foto: Schmidhuber

Zugang bleibt gesperrt

Dauercamper am Philippsburger Freyersee äußern Unverständnis über Corona-Beschränkung

Anzeige

Sie fühlen sich auch als „große Leidtragende“ der Corona-Pandemie. Denn die rund 85 Dauercamper auf dem Philippsburger Campingplatz, die ihren Standort für das ganze Jahr gemietet und dafür bezahlt haben, dürfen, wie andernorts auch, seit Beginn des Beherbergungsverbots am 18. März nicht mehr ihren Wohnbereich betreten – auch nicht, um nur nach dem Rechten zu schauen. Trotz allem Verständnis für Schutzmaßnahmen: Ist das gerechtfertigt? Bei Campern oder Betreibern besteht die Ansicht, es gäbe auch andere – bessere – Lösungen.

Von unserem Mitarbeiter Werner Schmidhuber

In Baden-Württemberg gilt das bundesweite Kontaktverbot. Campingplätze sind geschlossen, ebenso Wohnmobilstellplätze. Es gibt nur ganz wenige begründete Ausnahmen. Ausdrücklich verboten sind touristische Übernachtungen. Als eine der ersten Kommunen überhaupt kam Philippsburg den Betroffenen entgegen: Sie durften nach Anmeldung wenigstens für eine halbe Stunde auf den Platz, um zu überprüfen, zu gießen, zu reinigen. Ein Camper stellte dabei fest, dass es ihm durchs Dach regnet. Was tun? Nur Notmaßnahmen sind erlaubt.

Wir wollen gerne Entgegenkommen zeigen, doch sind uns die Hände gebunden.

Andreas und Janina Weißhardt, Geschäftsführer des Campingplatzes

„In begründeten Ausnahmefällen machen wir auch wohlwollend Ausnahmen und erweitern die halbstündige Aufenthaltsgenehmigung“, versichert der zuständige Fachbereichsleiter der Stadt, Mario Berny. Weitere Lockerungen sehe die neue Corona-Verordnung nicht vor. „Wir wollen gerne Entgegenkommen zeigen, doch sind uns die Hände gebunden“, sagen die Geschäftsführer Andreas und Janina Weißhardt. „Wir haben sogar das Gießen und Rasenmähen übernommen. Jetzt hoffen wir auf echte Lockerungen.“

Mehr zum Thema: Zehn beliebte Zelt- und Campingplätze zwischen Oberrhein und Schwarzwald

Nutzung für Dauercamper untersagt

Besonders ärgerlich: Das Eigentum der Dauercamper, die über 60 Prozent ausmachen, steht auf der Anlage, doch die Nutzung ist untersagt. „Wir könnten ohne Weiteres die notwendigen Abstände einrichten.“ Ihr Unverständnis äußert auch Dauercamperin Danica Kärgel. „Viele haben eine kleine Wohnung, keinen Garten, keinen Balkon, brauchen die Natur, auch aus gesundheitlichen Gründen.“

Dabei gibt es im Philippsburger Camperparadies jetzt schon allerlei Schutzmaßnahmen, weitere ausgeklügelte Konzepte sind in der Umsetzung. Ständig wird desinfiziert. Zutritte für Duschen und Toiletten sind bestens geregelt. Treffmöglichkeiten für größere Gruppen sind ausgeschlossen. Wie seine Camper, so klagt auch der Betreiber, der zu normalen Zeiten acht Personen beschäftigt, jetzt aber niemand mehr braucht. Erhebliche Umsatzeinbußen stehen zu befürchten. „Bis Ende April sind wir mit einem blauen Auge davongekommen, wenn es so weitergeht, haben wir zwei Veilchen.“

Mehr zum Thema: Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Mehr als 60 Prozent sind Dauercamper

Die zwei Hektar große Campingoase Freyersee gibt es seit 1979. 135 Plätze mit Wohnwagen und festen Wohnzelten stehen zur Verfügung. Davon machen die Dauercamper einen Anteil von mehr als 60 Prozent ein. Den Rest beanspruchen Kurzzeittouristen und die genauso große Gruppe der Monteure als Unterkunft.

Möglichkeiten für Wassersportler sind reichlich gegeben. Die Anlage verfügt über zwei moderne sanitäre Anlagen und alle notwendigen Campingeinrichtungen. Zum Angebot gehören zudem ein kleiner Spielplatz mit Spielschiff, ein Sandstrand, eine Liegewiese und eine Badeinsel. Die Camper kommen zu gut 50 Prozent aus der näheren Umgebung.