Gebäudereinigerin
Die Unternehmen der Region müssen sich auf die Corona-Pandemie einstellen. Zu den Kunden zählen auch Kindergärten und Schulen. | Foto: Sebastian Kahnert

Wirtschaft

Regionale Reinigungsunternehmen haben wegen Corona andere Aufträge als gewöhnlich

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Gebäudereiniger sind doch sicher Firmen, die jetzt sehr gefragt sind, viele Aufträge haben und großen Umsatz machen. Das mag sich so mancher denken, angesichts der aktuellen Corona-Pandemie. Doch wie komplex das Thema auch für diese Branche ist, zeigen die Gespräche mit den Reinigungsprofis.

Von unserem Mitarbeiter Martin Stock

Bnn.de hatte mit drei unterschiedlichen Unternehmen Kontakt: Mit Karin Mai aus Tiefenbach, die rund 30 Mitarbeiter beschäftigt. Sowie mit Günter Eckert von der Eckert-Gebäudereinigung in Karlsruhe, der rund 160 Mitarbeitende hat und Klaus Händel, der Geschäftsführer der Händel GGG GmbH aus Bruchsal, der fast 400 Menschen beschäftigt.

Reinigung von Kindergärten fällt weg

„Die Corona-Krise hat unterschiedliche Auswirkungen,

Sprühen und Wischen: Klaus D. Händel beim Reinigen eines Handlaufs.
Sprühen und Wischen: Klaus D. Händel beim Reinigen eines Handlaufs. | Foto: pr

je nach Zusammensetzung des Kundenkreises“, sagt Klaus D. Händel analytisch. „Wir haben viele Kindergärten sowie kleine und große Einzelhandelsgeschäfte zu reinigen, was derzeit wegfällt.“ Dadurch würden Mitarbeiter frei, die man aber nicht ohne weiteres in anderen Objekten einsetzen könne. „Ich muss mich deshalb erstmals mit der Kurzarbeit-Thematik auseinandersetzen“, sagt Händel.

Karin Mai ist als staatlich geprüfte Desinfektorin mit ihrem Fachwissen und ihren Fachkräften in besonderer Weise gefragt. Die Wirksamkeit einer Desinfektion ergibt sich aus der Dosis und der Einwirkzeit. Mai setzt auf längere Einwirkzeiten, „weil wir dann geringere Mengen verwenden können. Das ist angesichts zu erwartender Lieferengpässe und steigender Preise sicher wichtig“, sagt sie.

Dann könne man eben bestimmte Bereiche einige Stunden nicht betreten. Für die Desinfektion gebe es Vorgaben des Robert-Koch-Instituts, welches Mittel in welcher Konzentration zu verwenden ist.

Mehr Bedarf in Supermärkten

Günter Eckert hat viele Industriebetriebe, Lebensmittelmärkte und Verwaltungsgebäude, von denen er erwartet, dass sie ihren Betrieb aufrecht erhalten. „Möglicherweise wird dort sogar eine erhöhte Reinigungsleistung notwendig, die Ausfälle an anderer Stelle kompensieren kann“, sagt Eckert.

Jede Fläche, die mit den Händen berührt wird, muss gereinigt werden

Ihm sei es wichtig, dass in der derzeitigen Situation auch Hoffnung auf Überwindung der Krise vermittelt wird. „Wenn wir mit unserer Reinigungsdienstleistung und Beratung dazu beitragen können, dann würde mich das freuen.“

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Die Reinigungsunternehmen schulen ihre Mitarbeiter verstärkt. „Jede Fläche, die mit den Händen berührt wird, muss gereinigt werden“, sagt Händel. „Denn das sind die Infektionsbrücken; insbesondere in den öffentlich zugänglichen Bereichen.“ Dazu gehören Türklinken, Lichtschalter und Treppengeländer, Sanitärbereiche, Toilettensitze und Waschbecken, Schreibtische und natürlich die Telefone.

Im Besprechungszimmer spielen die Kinder der Mitarbeiter

Für die gründliche Reinigung hat Händel eigens eine große Menge weißer Reinigungstücher zusätzlich angeschafft, die die Reinigungskräfte bei der Desinfektion verwenden. „Wir müssen die derzeitige Situation aktiv angehen“, sagt Händel. Weder eine „Vogel-Strauß-Haltung“, die Probleme leugnet, sei hilfreich noch das gebannte Verharren in Tatenlosigkeit wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange.

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So wird Händel jetzt aus einem Besprechungszimmer ein Spielzimmer machen für einzelne Kinder von Verwaltungsmitarbeitern, damit diese ihrem Job nachgehen können. „Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen“, sagt Händel. „Außerdem bereiten wir Home-Office-Möglichkeiten vor, um unseren Betrieb am Laufen zu halten.“