Die Erweiterung des SEW-Werks Graben wird auf diesem Bild deutlich. Links vorne steht die neue Produktionshalle, auf der Fläche rechts vorne wird eine weitere gebaut. | Foto: pr

Umsatz bei 3,2 Milliarden Euro

SEW erweitert den Standort Graben

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Die SEW Eurodrive bleibt weiter in der Erfolgsspur. Der in Bruchsal ansässige Produzent von Getrieben und Antriebslösungen hat in seinem Geschäftsjahr 2018/2019 den Umsatz auf 3,2 Milliarden Euro erhöht, nachdem im Jahr davor erstmals die Drei-Milliarden-Grenze überschritten worden war.

Aktuell sieht Geschäftsführer Johann Soder die weitere Entwicklung „noch sehr positiv“, erkennt allerdings auch „dunkle Wolken“ am Konjunkturhimmel. Das Unternehmen reagiere darauf mit einer gewissen Zurückhaltung bei Neueinstellungen.

Neue Produktionswerke

Dennoch setzt man bei der SEW langfristig auf weiteres Wachstum. Das Unternehmen nimmt eine Steigerung der Umsatzerlöse auf fünf Milliarden Euro ins Visier. Gelingen soll dies unter anderem dank hoch moderner Produktionsstätten wie etwa dem neuen Werk Süd in Graben-Neudorf.

Knapp 400 Millionen Euro investiert der Global Player mit seinen Dependancen in 51 Ländern in der Gemeinde nördlich von Karlsruhe. „In der ersten Welle“ macht Soder klar. Zu dieser gehören auch weitere gut 200 Millionen Euro, die am Standort Bruchsal für die neue Elektronikfertigung aufgewandt wurden – „ein Highlight“, wie er stolz betont. In Bruchsal  fertigt die SEW die gesamte Regelungs- und Steuerungstechnik für den Weltmarkt. 

Die „zweite Welle“ ist die „Halle Nord“, für die die SEW ab dem Spätjahr 2019 einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag aufwendet. In „Süd“ werden Motoren produziert, in „Nord“ sollen Zahnräder und Wellen hergestellt werden.

5.200 Mitarbeiter in Bruchsal und Graben

Der andauernde Erfolg der SEW zeigt sich auch bei der Zahl der Mitarbeiter – in Bruchsal und Graben-Neudorf sind es aktuell rund 5.200, 2.200 davon in Graben. 500 sind in jüngerer Vergangenheit hinzugekommen – „Festanstellungen“, wie Soder betont. SEW habe insgesamt wenig Probleme, geeignete neue Mitarbeiter zu finden, auch wenn sich da und dort eine Verknappung des Marktes andeutet.

Als eine Ursache nennt Soder, „dass wir sehr breit in Ausbildung investieren“. Da geht es um etwa 250 Auszubildende und Studenten an der Berufsakademie. Junge Ingenieure gewinne man zudem über den SEW-eigenen Forschungscampus in Bruchsal. „SEW ist als Marke gefragt“, stellt der Geschäftsführer fest und begründet damit die eher geringen Probleme beim Personalrecruitment.

Wir wollen Trendsetter sein

Für den Erfolg der SEW macht Soder unter anderem das konsequente Investieren in Forschung und Entwicklung verantwortlich. „Wir wollen der Trendsetter bei Antriebs- und Automatisierungstechnik sein“, formuliert er als Anspruch. Das Ganze läuft unter dem Leitgedanken „Bewährtes erhalten – Neues schaffen“, wobei „die Produkte beweglicher, veränderbarer und anpassbarer werden“. Kurzum: „Wir werden individueller und schneller.“ Die Aufgabe dabei sei, die Wertschöpfungskette neu zu denken und dabei auch Produkte mit der Stückzahl eins zu Kosten von Massenware zu produzieren.

 

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KI hilft SEW

Dabei soll die KI helfen. Die künstliche Intelligenz spielt im neuen Werk Graben eine Rolle. Die dort gefertigten Produkte werden weltweit eingesetzt. In der Fabrik sind mobile Assistenzsysteme „mit der Intelligenz des Schwarms“ an der Herstellung beteiligt. „Die Technik unterstützt die Produktion in Kooperation mit dem Menschen“, sagt Soder.

Eine Besonderheit des Unternehmens SEW prägt auch die aktuellen Investitionen. Man stellt nahezu alles, was man zusammenbaut, selbst her. Soder spricht von einer „Fertigungstiefe von 94 Prozent“. Viele Teile werden in einem gigantischen Hochregallager geparkt, dem der Geschäftsführer das Prädikat „hochdynamisch“ verleiht: Mehrere Holsysteme arbeiten parallel auf verschiedenen Ebenen.

Die Entwicklung in Graben

Gleich, von welcher Seite man kommt – man sieht, dass gebaut wird. Kräne weisen den Weg. Die SEW Eurodrive erweitert in großen Schritten ihren Standort Graben. Ganz zu Beginn war es freilich eine „Fremdmaßnahme“, die den Auftakt zu einer mehrere hundert Millionen Euro umfassenden Investition bildete.

Um den Standortausbau realisieren zu können, musste 2015/16 zunächst ein Umspannwerk der EnBW umgesetzt werden. In 700 Metern Entfernung entstand ein neues, das den Weg frei machte für die Erweiterung der SEW und die Versorgungssicherheit der Region erhöht.

Verbindungen schon angelegt

Es folgten das große Parkhaus und Ende 2018 die „Halle Süd“ mit einer Fläche von gut 40.000 Quadratmetern. Diese Halle, so erklärt Geschäftsführer Johann Soder bei einem Gang über das Grabener SEW-Areal, ist schon so konzipiert, dass sie mit der noch zu bauenden „Halle Nord“ mit geplanten 75.000 Quadratmetern Grundfläche verbunden werden kann.

Das geschieht auf zweierlei Weise und Ebenen. Quasi im Keller können Produkte und Materialien in einer Unterführung unter der Ernst-Blickle-Straße hindurch von A nach B gebracht werden. Die Mitarbeiter wiederum gelangen über eine Überführung trockenen Fußes vom Parkhaus zu ihrem Arbeitsplatz.

Altwerk wird modernisiert

Doch wird der Standort Graben nicht nur durch die beiden Produktionshallen gestärkt. Schon bald wird mit dem Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes begonnen. Und wenn erst einmal die „Halle Nord“ fertiggestellt und „besiedelt“ ist, wird das alte Werk modernisiert. Das bekommt nach Soders Angaben als Servicezentrum und Ausbildungswerkstätte neue Funktionen.

Von „CIM“ bis KI

In diesem alten Werk startete die SEW in den Achtzigerjahren eine Modernisierung ihrer Fertigungsprozesse, die – so Johann Soder – „unseren Erfolg mitbegründet hat.“ „CIM“ wurde damals als „Revolution“ empfunden. „Computer integrated manufacturing“ bedeutete den Aufbruch in eine neue Produktionswelt. Die aus den Achtzigerjahren liegt in Zeiten von Industrie 4.0 und künstlicher Intelligenz einige Entwicklungsgenerationen zurück.

Riesiges Hochregallager

Der Fortschritt lässt sich an den ersten Arbeitsinseln beobachten, die in der Halle Süd bereits eingerichtet sind. Roboter erledigen viele Produktionsschritte, für die der verantwortliche Mitarbeiter sie programmiert. Die Zulieferung erfolgt künftig aus dem riesigen Hochregallager, durch dessen stählernes Säulendickicht kein Mensch mehr geht.

Insgesamt rund 240.000 Stellplätze gibt es vom Hallenboden bis unters Dach. Fürs Holen der benötigten Teile und die weitere Verteilung in Richtung Arbeitsplatz sorgen unter anderem rund ein Dutzend „multi level shuttles“, die zwischen den Etagen und Reihen unterwegs sind. Ist das „Generalkonzept 2030“ aus 2013 erst einmal umgesetzt, wird die SEW dafür über 700 Millionen Euro investiert haben.