Schaeffler ist mir 5 500 Mitarbeitern Bühls größter Arbeitgeber. Bei der Betriebsversammlung am Sonntag wurden die Mitarbeiter über die Zukunft des Unternehmens informiert. | Foto: Bernhard Margull

Betriebsversammlung in Bühl

Keine Aussage zur Beschäftigung nach 2019 bei Schaeffler

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Das geplante Entwicklungszentrum von Schaeffler im Gewerbegebiet Bußmatten in Bühl ist auf Eis gelegt. Diese Nachricht schlug in der vergangenen Woche ein wie eine Bombe. Die firmeninterne Betriebsversammlung des Unternehmens, zu der die Presse keinen Zugang hatte, wurde von den Mitarbeitern mit Spannung erwartet. Mit 5 500 Beschäftigten ist Schaeffler der größte Arbeitgeber in Bühl. Die BNN fragten bei den beteiligten Parteien nach, wie die Versammlung verlaufen ist.

Herausfordernde Situation

„Wir haben auf der lange geplanten Betriebsversammlung die Mitarbeiter am Standort Bühl ausführlich über die herausfordernde Situation und den aktuellen Stand informiert“, berichtete Petra Wolf, Leiterin Standortkommunikation in Bühl, auf Anfrage dieser Zeitung in einer schriftlichen Stellungnahme. „Wir befinden uns zurzeit in einer sehr herausfordernden Situation, die durch kurzfristige, aber auch langfristige Faktoren bestimmt wird. Wie andere Unternehmen in unserer Branche spüren wir zum Beispiel die andauernden negativen Auswirkungen der Fahrzeugzulassungsprobleme durch den neuen WLTP-Zyklus in Europa und die daraus resultierende Kaufzurückhaltung der Endverbraucher, die anhaltenden Unsicherheiten bezüglich Handelszöllen und ein rückläufiges Marktwachstum in China. Hinzu kommt, dass wir uns mittel- bis langfristig in einer Transformation befinden, die durch die zunehmende Elektrifizierung zu einer nachhaltigen Veränderung unseres Produktportfolios führt. Wir sehen hier große Chancen beispielsweise auch durch das autonome Fahren, das uns die Eröffnung neuer Märkte ermöglicht.“

Große Anstrengungen

Zur telefonisch gestellten Frage nach der Sicherheit der Arbeitsplätze äußerte sich Wolf in der schriftlichen Stellungnahme wenig konkret: „In der Zeit des Übergangs bedarf es allerdings auch sehr großer Anstrengungen sowie maximaler Flexibilität von allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen am Standort in Bühl, um die Arbeitsplätze zu sichern. Mit verschiedensten Effizienzmaßnahmen wird der Schwäche auf den Absatzmärkten zurzeit entgegen gewirkt, unter anderem wird auf den Abbau von Zeit- und Urlaubskonten gesetzt. Oder wie bereits berichtet wurde der geplante Bau des neuen Entwicklungsgebäudes am Standort in Bühl um mindestens ein Jahr verschoben. Diese Effizienz-Maßnahmen betreffen nach wie vor nicht alle Bereiche, wie gesagt, ist höchste Flexibilität gefordert. Insbesondere für den Bereich E-Mobilität wurde ein internes Qualifizierungsprogramm aufgesetzt. Das hat zum Ziel, das intern vorhandene Know-how in die Zukunftsbereiche zu überführen.“

 

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Wandel gestalten

Die IG Metall Offenburg beobachtet die Entwicklung bei Schaeffler in Bühl aufmerksam. Norbert Göbelsmann, 2. Bevollmächtigter der Gewerkschaft, hat an der Betriebsversammlung teilgenommen. „Gut fand ich, dass das Management auf einige Erfolge in Sachen Produkte im Bereich der Elektromobilität verwiesen hat“, erklärte Göbelsmann gegenüber dieser Zeitung. „Nicht so gut fand ich, dass es keine Aussage zur Beschäftigung über das Jahr 2019 hinaus gab. Es ist richtig und wichtig, mit Produkten für E-Mobilität und Hybridfahrzeuge vorwärts zu gehen.“ Göbelsmann fordert „Offenheit und Klarheit für die Beschäftigten“. „Sie müssen die Möglichkeit erhalten, den Wandel mitzugestalten“, sagt der Gewerkschafter. „Dazu gehört auch der Betriebsrat.“

Zwei Veranstaltungen geplant

Die IG Metall reagiert mit zwei Veranstaltungen auf die Krise bei Schaeffler und in der Branche. Nach Auskunft von Norbert Göbelsmann, 2. Bevollmächtigter der Gewerkschaft in Offenburg, ist am Freitag, 7. Juni, eine gemeinsame Veranstaltung der Betriebsräte an allen deutschen Schaeffler-Standorten geplant. Diese ist dezentral mit unterschiedlichen Angeboten an den jeweiligen Orten. In Bühl soll es nach Auskunft von Göbelsmann ab 12 Uhr eine Sprechstunde des Betriebsrats in der Kantine geben.

Verunsicherung bei Mitarbeitern

Bei den Mitarbeitern ist die Verunsicherung offensichtlich groß. „Es hat ursprünglich eine Zusage des Managements gegeben, die deutschen Standorte zu stärken“, berichtet Göbelsmann. „Jetzt wird darüber diskutiert, Teile ins Ausland zu verlegen.“ Der Gewerkschafter verweist auf das Beispiel Lahr. Ein Teilbereich des Werks könnte nach seinen Informationen nach Rumänien verlegt werden, obwohl die Mitarbeiter gerade erst einen Qualitätspreis erhalten hätten. „Es gibt viel operative Hektik, um kurzfristig Zahlen zu verbessern“, meint Göbelsmann. „Ob sich das langfristig lohnt, ist eine andere Frage.“

Kundgebung vor dem Bürgerhaus

Die IG Metall reagiert am Samstag, 15. Juni, mit einer gemeinsamen Kundgebung der Mitarbeiter der Bühler Automobilzulieferer Schaeffler und Bosch auf dem Europaplatz vor dem Bürgerhaus Neuer Markt. Auch Beschäftigte anderer Firmen werden hinzustoßen. „Wir wollen, dass in dieser Zeit der Transformation für Qualifizierung der Menschen gesorgt wird, deren Arbeitsplätze auf Grund von Automatisierung wegfallen könnten“, sagt Göbelsmann. „Der Wandel darf nicht über die Köpfe der Beschäftigten hinweg erfolgen.“

Keine Entlassungen

Volker Robl, Betriebsratsvorsitzender bei Schaeffler in Bühl, beurteilt die Betriebsversammlung am Sonntag positiv. „Am Abbau von 1 200 Arbeitsplätzen am Standort Bühl bis 2024, der im Vorfeld gerüchteweise kursierte, ist nichts dran“, erklärte er auf Anfrage dieser Zeitung. Vielmehr habe es in der Betriebsversammlung positive Ansätze im Hinblick auf die Elektromobilität gegeben.

Hoffnung auf VW

„Wir warten auf einen großen Auftrag von Volkswagen“, berichtete Robl. Schaeffler hat bereits das Muster eines Vorserienmodells für den Twindrive beim Kunden abgeliefert. „Es sieht gut aus“, urteilt Robl. „Wir hoffen auf die Zusage von VW. Robl bestätigte auf Nachfrage, dass bei Schaeffler seit der Vorweihnachtszeit nach wie vor Schichten ausfallen. „Es sind vor allem zwei Bereiche betroffen“, sagte er. Das sei zunächst das Schaltgetriebe. „Das läuft aus, weil immer mehr Fahrzeuge Automatikgetriebe haben und kein großer Bedarf mehr besteht“, sagte der Betriebsratsvorsitzende. „Das hat mit dem aktuellen Transformationsprozess eigentlich nichts zu tun.“ Auch das Kupplungsgeschäft stagniere. „Der Endkunde wartet ab, wie es weiter geht“, erklärte Robl. Dabei gehe es auch um politische Entscheidungen. Auf der einen Seite würden die alten Produkte wegen der geringen Nachfrage nicht im bisherigen Umfang von den Automobilherstellern nachgefragt. Aber auch für die neuen Produkte aus den Bereichen Elektro- und Hybridtechnik gebe es noch keine ausreichende Nachfrage, weil der Kunde mit dem Kauf zögere. „Der wartet auf politische Entscheidungen, ob er in den nächsten zehn Jahren noch einen Verbrennungsmotor fahren kann oder nicht“, meinte Robl.

Verständnis beim Betriebsrat

Dass der Bau des neuen Entwicklungszentrums im Gewerbegebiet Bußmatten verschoben wird, kann Robl nachvollziehen. „Mehrere kleinere Standorte stehen auf der Kippe“, nennt er einen Grund. „Die Entwicklung der Elektromobilität in Bühl stoppt aber deshalb nicht. Sie ist aktuell im ehemaligen Glaxo-Gebäude in Bußmatten angesiedelt. Wir arbeiten mit Hochdruck an diesem Thema.“ Robl ist überzeugt, dass das geplante Entwicklungszentrum mittelfristig am Standort Bühl doch noch gebaut wird.