Wegen Schneebruch ist die Schwarzwaldhochstraße teilweise für den Verkehr gesperrt. Die Straßenmeisterei Bühl will kein unnötiges Risiko für Autofahrer eingehen. | Foto: Bernhard Margull

Schwarzwaldhochstraße gesperrt

Lebensgefahr unter hohen Fichten und Tannen

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Nach weiteren starken Schneefällen hat die Straßenmeisterei Bühl in Absprache mit der Straßenmeisterei Achern reagiert und aus Sicherheitsgründen auch die Schwarzwaldhochstraße über die Kreisgrenze hinweg zwischen Hundseck und Ruhestein gesperrt. Zwischen Hundseck und Unterstmatt ist die Strecke zumindest für Anwohner frei, weiter südlich geht für Autofahrer nichts mehr.

Viel Nassschnee auf den Bäumen

Hans Jürgen Lang, beim Landratsamt Rastatt für Verkehrstechnik und Tunnelmanagement zuständig, will kein Risiko eingehen. „Die Straßen sind frei“, berichtet er. „Auf den Bäumen liegt aber sehr viel Schnee. Die Äste drohen zu brechen und sind teilweise bereits gebrochen. Die Kollegen der Straßenmeisterei haben das Holz, so gut es geht, weggeräumt.“ Die Situation ist aber laut Lang nach wie vor ausgesprochen heikel. „Der Schnee auf der Fahrbahn ist für uns beherrschbar, nicht aber der Schneebruch“, sagt er. „Sicherheit hat Priorität.“

Strecke Neusatzeck – Hundseck ist dicht

Auch die K 3765 zwischen Neusatzeck und Unterstmatt (auf Gemarkung Bühl) wurde deshalb komplett gesperrt. Lediglich im nördlichen Bereich des Landkreises Rastatt gibt es aktuell keine Probleme. Die dort zuständige Straßenmeisterei Gernsbach musste keine Strecken sperren.

3000 Tonnen Streusalz

Die beiden Straßenmeistereien des Landkreises in Bühl und Gernsbach betreuen jeweils rund 280 Kilometer Straßen. „Wir sind nicht nur für die Kreisstraßen verantwortlich, sondern im Auftrag des Bundes und des Landes auch für den Unterhalt der Bundes- und Landesstraßen auf unserer Gemarkung“, erklärt Lang. „Dazu gehört auch der Winterdienst.“ Für den sind die Straßenmeistereien mit insgesamt 3 000 Tonnen Streusalz gut gerüstet. Sowohl in Bühl als auch in Gernsbach gibt es ein großes Salzlager, zusätzlich Silos in Herrenwies und Niederbühl. Die beiden Straßenmeistereien sind mit 18 eigenen Mitarbeitern und zusätzlichem Personal von beauftragten Fremdfirmen im Einsatz.

Acht Fahrzeuge im Einsatz

Zwei Lastwagen und drei Unimogs des Landkreises und drei weitere Fahrzeuge der Fremdfirmen sorgen dafür, dass die Straßen möglichst schnee- und eisfrei bleiben. Auch der Bauhof der Stadt Bühl hat im Höhengebiet jede Menge zu tun. Bislang mussten aber keine Gemeindestraßen gesperrt werden. „Gott sei Dank“, meint Uwe Schultheiß, der den Wintereinsatz koordiniert. Oberhalb von Neusatzeck beginnt die geschlossene Schneedecke. Alle Gemeindestraßen sind frei oder gebahnt. „Wir sind gut vorbereitet“, sagt Schultheiß. „In der Rheinebene gibt es zurzeit ja überhaupt keinen Schneefall.“

Wanderer sind unvernünftig

Sehr viel kritischer ist die Situation im Stadtwald im Höhengebiet. Förster Martin Damm warnt ausdrücklich davor, den Wald aktuell zu betreten. „Leider gibt es immer noch unvernünftige Wanderer“, bedauert er. „Das ist absolut unverständlich.“

Waldwege gesperrt

Damm berichtet von extremen Niederschlägen ab 600 Höhenmetern mit einem hohen Nassschneeanteil. Die Bruchgefahr im Wald ist wegen der Schneelast sehr hoch. „Der Aufenthalt dort ist gefährlich“, warnt der Förster. Einige Waldwege wurden inzwischen offiziell gesperrt.

Schneebruchgefahrim Höhengebiet. Das Foto entstand an der Bushaltestellen Breitenbrunnen. | Foto: Bernhard Margull

Es knirscht und knackt

„Es knirscht und knackt unaufhörlich“. So beschreibt ebenfalls ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei Achern die Situation im Höhengebiet. Die Lage ist hochgefährlich, wie Kai Hockenjos als Sprecher des Landratsamts Ortenaukreis berichtet: Überall im Höhengebiet muss mit Schneebruch und umstürzenden Bäumen gerechnet werden. „Es besteht Gefahr für Leib und Leben.“

Nicht überall freie Fahrt

Ungehindert zur Schwarzwaldhochstraße kamen Autofahrer nur über Bühlertal, über Allerheiligen und über die Bundesstraße 28. Nicht passierbar waren unter anderem die Zufahrten über Sasbachwalden und Seebach. Entwarnung ist derweil nicht in Sicht: Angesichts der Wettervorhersage mit weiteren Schneefällen und Sturmböen lassen laut Hockenjos für Mittwoch weitere Sperrungen befürchten. Hockenjos richtete in diesem Zusammenhang den dringenden Appell an die Verkehrsteilnehmer, die Straßensperrungen nicht zu missachten: „Das ist hoch gefährlich“.

Einsatz auf der Schwarzenkopfstraße bei Seebach: Ein Laubbaum fiel mit der Spitze auf ein Wohnhaus und auf das davor parkende Auto. | Foto: Gemeinde Seebach

Aufgeweichter Untergrund

Die Schneefälle der vergangenen Tage und die immer wieder wechselnden Temperaturverhältnisse haben dazu geführt, dass die Bäume eine besonders schwere Schneelast zu tragen haben. „Hinzu kam der aufgeweichte Untergrund, der die Standsicherheit der Bäume beeinträchtigte“, so der Seebacher Bürgermeister Reinhard Schmälzle. Bereits am Sonntag waren laut Schmälzle die Feuerwehr, der kommunale Bauhof und ein privater Räumdienst im Dauereinsatz. „Vom Schneebruch waren auf dem gesamten Gemarkungsbereich der Gemeinde Seebach nahezu alle Ortsstraßen ab einer Höhenlage von 500 Meter betroffen“, so Schmälzle.