Roland Schmider (Ex KSC Vizepraesident) Homestory zum bevorstehenden 80 igen Geburtstag. Zu Hause Karlsruhe Moosweg 10. GES/ Fussball/ Roland Schmider (KSC) Portrait 10.03.2020 --
Roland Schmider wird 80. Der "ewige Präsident" des KSC blickt zurück. | Foto: GES

Ära beim Karlsruher SC

Der „ewige KSC-Präsident“: Roland Schmider wird 80 Jahre alt

Anzeige

26 Jahre war Roland Schmider Präsident des Karlsruher SC. Von 1974 bis ins Jahr 2000 lenkte er die Geschicke des badischen Traditionsvereins. Zu seinem 80. Geburtstag erinnert sich Schmider zurück an seine Zeit beim KSC. 

Roland Schmider hat Freude am Wiedersehen: Der pfiffig gescheitelte Scholl. Der ernst getroffene Kahn. Der kürzlich verstorbene „Calli“ (Rühl) in seinen Dreißigern, und hier: der unvermeidliche „Winni“ (Schäfer). Natürlich: ein Foto mit „Kaiser Franz“ (Beckenbauer), keines mit Nelson Mandela, den er bei einem Staatsempfang kennenlernen durfte. Der Hausherr ist selig, das schwere Fotoalbum hatte er länger nicht in den Händen. Seine Frau Brigitte hatte es ihm zum 60. gebastelt. Liebe und Herzblut stecken darin. Für den Karlsruher SC. Füreinander sowieso.

Mehr zum KSC: Winnie „Wahnsinn“ – Trainerlegende Schäfer wird 70 Jahre alt

So viele Gesichter, so viele Geschichten. Schnappschüsse bei den allsommerlichen Grill-Partys mit der Mannschaft im Garten der Schmiders, bei Banketten, in Stadien und auf Reisen, auf denen das Box-Idol Max Schmeling die Schmiders oft begleitete. Dazwischen klebte Frau Schmider papierne Erinnerungstücke aus der 26-jährigen Präsidentschaft ihres Mannes. Schön chronologisch, von 1974 bis 2000.

Geschichten aus der Schmider-Ära:
Lothar Buchmann: Ein Trainer trockenen Schlags, 1985/1986 schon alte Schule. Schmider gedenkt: „Bei ihm durftest du nicht lachen. Wenn man es tat, kam von ihm: ’Lachen Sie über mich?’ Auch hatte Buchmann einen Riesenhund. Als ich den Auflösungsvertrag machen musste, dachte ich: ’Pass auf, der lässt jetzt den Hund auf dich los.’ Ich hatte Angst.“ Schmider blieb unversehrt.

Als „ewiger KSC-Präsident“ ist Schmider in der Region präsent. An diesem Mittwoch wird er seinen 80. Geburtstag feiern. Dann ohne die Enkelkinder. Besorgt ist er, denkt er daran, was die Corona-Krise noch so alles fügen und aus seinem KSC machen könnte. An ihm hängt er nach wie vor, obwohl er, auch dank seiner Familie, den inneren Abstand auf mehr als eineinhalb Meter vergrößert zu haben scheint. In den 1990ern machte der Boulevard Schäfer zu „Winni Wahnsinn“ und führte ihn, Schmider, als „Sonnenkönig“ des KSC vor. Ihn, den notorischen Geldeintreiber, den das Wiener Trainer-Original Max Merkel eine Dekade davor noch als „Liftboy“ des Clubs bezeichnet hatte.

Uli Hoeneß nahm mehrfach in Schmiders Wohnzimmer Platz

Wer die Schmider-Ära und deren jähes Ende verstehen wollte, der musste immer auch die Wandlung eines wirtschaftlich stets knapp über der Grasnarbe lavierenden Fahrstuhlclubs zum neureichen Europapokalstarter bedenken. Der Bayern-Manager Uli Hoeneß saß wegen KSC-Spielern mehrmals in Schmiders Wohnzimmer in Neureut. Das, die durch das 7:0 gegen Valencia ins Maßlose gesteigerte Euphorie, Thomas Häßler, DFB-Pokalfinale, 30 Millionen D-Mark als Ertrag aus den internationalen Auftritten – all das, was sich anfühlte, als habe man es gemeinsam geschafft, machte etwas mit den Alphatieren beim KSC. Seinerzeit bestätigten sie, dass die gröbsten Fehler im Erfolg geschehen. Fehlurteile. Übertriebene Vertragsausgestaltungen. Anflüge von Größenwahn. Eifersuchts-Geschichten. Schmutzige Wäsche.

Auch interessant: KSC-Fans helfen Menschen in Karlsruhe in Zeiten er Corona-Krise

Die Nachwehen während des freien Falles von der Bundesliga in die Regionalliga zwischen 1998 und 2000 mündete am Rand der Zahlungsunfähigkeit, als die Banken ihre Kreditlinien strichen. Den Vertrag mit Rechtehändler Michael Kölmel, der mit seinen 15 Millionen D-Mark dem KSC in letzter Minute die Insolvenz ersparte, hatte Schmider vorbereitet und war dann zurückgetreten. Zu seinen Fehlern stehe er, sagt Schmider. Wunden hinterließen die in den Jahren danach gesäten Zweifel an seiner Redlichkeit.

KSC und Schmider: Wie die Faust aufs Auge

Zurück in die späten 1960er, frühen 1970er. Am Stammtisch bei „Onkel Paul“ am Mühlburger Tor besprach sich Oberbürgermeister Günter Klotz mit wichtigen Leuten der Stadt zu deren wichtigen Themen. Wer beim KSC für frischen Wind sorgen könnte, war eines. Karl Troullier, der Coca-Cola-Konzessionsgründer, führte den Namen seines Prokuristen ein. Am 6. Januar 1970 hatte Schmider einen Termin bei Klotz, der „Ehrenprotektor“ des KSC war. „1970 war überhaupt ein besonderes Jahr für mich, denn nach dem Tod von Herrn Troullier setzte mich seine Frau als Geschäftsführer bei Coca Cola ein“, erinnert sich Schmider. Der KSC und er, das hatte „gepasst wie die Faust aufs Auge“, findet er. Sein Vater habe ihn beim VfB Mühlburg angemeldet, da war er zehn.

Geschichten aus der Schmider-Ära:
Joachim Löw zahlte im Herbst 1999 Lehrgeld, als er mit dem KSC nur eines von 18 Zweitligaspielen gewann. Den Abstieg erlebte der heutige Bundestrainer aus der Ferne. Schmider: „Er sagte damals: ’Ich habe es falsch eingeschätzt. Ich wollte mit spielerischen und taktischen Mitteln die Klasse halten.’ Menschlich ist Jogi einmalig.“

1972 wurde Schmider KSC-Vize, im Februar 1974 zum Nachfolger des nicht mehr kandidierenden Präsidenten Gerd Hesse gewählt. Schmider war mit 33 also jüngster Clubchef im deutschen Profifußball. Für den gebürtigen Brettener fühlte sich die erste Elefantenrunde mit den Etablierten in Frankfurt erhaben an, als betrete er „einen Dom“. Lauter honorige Persönlichkeiten. Schmider weiß noch: „Neben mir saß Eintracht Braunschweigs Präsident Ernst Fricke. Er bot mir Hilfe an, falls ich Fragen hätte.“ Zum Hörer habe er danach häufiger gegriffen. Die Braunschweiger waren 1973 zu Pionieren geworden, indem sie als erste die Trikotbrust der Spieler vermarkteten. Auch der KSC erschloss sich diese Einnahmequelle. Ab 1974 warb er für die „Karlsruher Leben“. Um Beträge um die 100.000 Mark ging es. 20 Jahre später würde Ehrmann erstmals einen siebenstelligen Betrag überweisen.

Schmider: Alles ausgeschöpft, um an Geld zu kommen

Wie’s sonst am Anfang war? Rühl, der als Trainer Erfahrung vom 1. FC Köln und Hertha BSC einbrachte, sei ihm da schon ein guter Berater gewesen, erzählt Schmider. Für Geldnachschub sorgte der Freundeskreis. Trotzdem sei der Club „immer auf das Wohlwollen der Stadt angewiesen“ gewesen. Schmider leistete zwischen 1976 und 1981 als FDP-Gemeinderat Lobbyarbeit. Auf der alten Holztribüne hatte er mal bedruckte Zettel verkauft, 50 Mark das Stück. „Baustein für eine neue Tribüne“ stand darauf. Vorläufer der Fan-Anleihen. 2.000, 3.000 Mark seien so hereingekommen. „Wir haben alles ausgeschöpft, um an Geld zu kommen. Lizenz, Spielergehälter – es war immer ein Problem“, sagt Schmider.

Mehr zum KSC: Legende Rühl im Alter von 80 Jahren verstorben

Den Trainer Bernd Hoss entließ sein Vorstand auf dem ersten Zweitliga-Tabellenplatz. Bundesweit Gelächter. Schmider erklärt: „Wir mussten die Spielerprämien bezahlen, und die Zuschauereinnahmen und die Einnahmen aus den Merchandising hatten da noch eine viel wesentlichere Bedeutung. Ich habe freitags vor Heimspielen immer die Wetterwarte in Rheinstetten angerufen. War es schlecht, blieb die Hälfte weg. Beim Fußball von Hoss eben auch.“

Bildnummer: 14472012  Datum: 26.11.1981  Copyright: imago/Fred Joch Max Merkel unterschreibt seinen Vertrag beim Karlsruher SC, li. Präsident Roland Schmider; Fussball ORD0501b privat yoh xdp quer GER Vsw 1981/1982 KSC Vertragsunterzeichnung Unterschrift unterschreiben  Image number 14472012 date 26 11 1981 Copyright imago Fred Yoke Max Merkel SIGN his Treaty the Karlsruhe SC left President Roland Schmider Football  Private yoh  horizontal ger Vsw 1981 1982 KSC Signature of the contract Signature sign
Roland Schmider (l). und Trainer-Legende Max Merkel, der den KSC zwischen den Jahren 1981 bis 1982 trainierte.  | Foto: imago-images

Auf Rühl und Hoss folgten in der Ära Schmider 13 weitere Trainer. Als der Erfolgloseste sollte Joachim Löw, als der Erfolgreichste Schäfer in die Annalen eingehen. Am Ehrentag dürfte der Bundestrainer an Schmider denken. Mit Schäfers Anruf rechnet der Jubilar nicht. Denn heute ist auch der 22. Jahrestag der von beiden nie verwundenen Trennung. Schmider entließ Schäfer 1998, an seinem 58. Geburtstag. Seither mied Schäfer jeden Kontakt. „Zu seinem 70. im Januar habe ich Winni angerufen, das Handy war aus, ich sprach ihm auf die Mailbox. Reagiert hat er nicht.“

Geschichten aus der Schmider-Ära:
Max Merkel: Manfred Krafft wusste nicht, dass die Finger über ihm gesenkt waren. Schmider war mit Geschäftsführer Manfred Amerell zum Wiener Kauz Max Merkel unterwegs. Schmider habe gedacht, man verhandele in dessen Münchner Villa. Er erzählt: „Amerell und Merkel haben mich gelinkt. Ich sehe es noch: Reingekommen, blitzblanker Tisch, darauf Schampus, Gläser. Ich sag: ’So, fangen wir an.’ Und Merkel: ’Was fangen wir an?’ Die Sache sei klar, mit Amerell sei alles besprochen, nur unterschreiben müsse ich. Um 19 Uhr drucke die Bild an. Ich war fix und fertig. Vize Fritz Becherer musste es Krafft sagen.“ Merkel kannte bei Ankunft keinen Spieler. Am Saisonende hielt er den KSC in der Bundesliga.