Ergänzung zu Bus und Bahn: Mieträder liegen in Karlsruhe im Trend, insbesondere für den letzten Kilometer zum Ziel oder kurze Fahrten. 90 Prozent der Nutzer sind mit dem „KVV.nextbike“ weniger als eine halbe Stunde unterwegs
Ergänzung zu Bus und Bahn: Mieträder liegen in Karlsruhe im Trend, insbesondere für den letzten Kilometer zum Ziel oder kurze Fahrten. 90 Prozent der Nutzer sind mit dem „KVV.nextbike“ weniger als eine halbe Stunde unterwegs | Foto: jodo

Markt wächst rasant

Ganz Karlsruhe ist im Mietrad-Boom – Tausende Nutzer bei „KVV.nextbike“

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Rot-weiße Mieträder von „KVV.nextbike“ parken vor der Badischen Landesbibliothek, am Ludwigsplatz und an der Haltestelle Herrenstraße. Doch dass sie stehen statt fahren, wird immer seltener. Die Nachfrage nach einem Fahrrad auf Zeit steigt in der Stadt rasant.

Allein der an den Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) angedockte und von Nextbike betriebene Verleihservice hat seine Mietzahl im Vergleich zu 2018 verdoppelt. Mehr als 10.000 Nutzer sind registriert.

Gut 20.000 Mieten pro Monat

Der Mietrad-Boom habe mehrere Gründe, glaubt Frank Pagel, der die Sparte beim KVV betreut. So sei die Materialqualität des im März gestarteten Dienstes im Vergleich zum Vorgänger „Fächerrad“ deutlich besser und der Buchungsprozess einfacher und flexibler.

„Aber vor allem passt die umweltfreundliche Fortbewegung per Rad in den Trend der Zeit“, sagt Pagel. 330 Mieträder hat „KVV.nextbike“ Mitte März im Stadtgebiet verteilt. Gut 20.000 Mieten verzeichnet Pagel seitdem pro Monat, im Juli waren es sogar knapp 25.000.

Flexzone in der Innenstadt, Mietstationen in den Stadtteilen

Trotz der hohen Nachfrage ist die Chance groß, im Innenstadtbereich schnell ein Mietrad zu finden. Im Umkreis von 200 Metern sei eigentlich immer eines verfügbar, sagt Pagel. Abstellen dürfen Radler ihr Gefährt in der Kernstadt und in Durlach dank der sogenannten „Flexzone“ überall – und ein Blick auf die Verfügbarkeitskarte zeigt, dass sie das auch tun.

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Anders sieht es in den Stadtteilen aus. Dort ist Start und Stop nur an Mietstationen möglich – nicht immer ist ein Rad zu haben. Hier hofft der KVV-Vertreter auf Nachbesserungen durch Nextbike.

Kein Interesse an E-Bikes

Im nächsten Jahr könnte die Stadt-Flotte aufgrund der Nachfrage um gut 100 weitere Räder wachsen. „Wenn der Gemeinderat das Geld freigibt“, sagt Pagel. Getrübt wird die aktuelle Erfolgsgeschichte nur durch die 16 E-Bikes im Programm. „Das haben wir in der Stadt probiert. Es wird aber nicht groß angenommen“, sagt Pagel.

Für Räder mit konventionellem Antrieb per Muskelkraft hofft er bis 2024 auf eine Verdopplung des Angebots auf gut 600. Als wichtigen Schlüssel für weiteres Wachstum hat man in der KVV-Zentrale die Studenten in der Stadt identifiziert.

Wird ein Mietrad-Jahresabo Teil des Semesterbeitrags?

Pagel würde ein Mietrad-Jahresabo zum Sonderpreis gerne für alle Studenten fest in den Semesterbeitrag integrieren – in Darmstadt ist das beispielsweise bereits passiert. Dafür hat er beim Allgemeinen Studierenden Ausschuss (Asta) angeklopft.

Eine ähnliche Initiative war aber vor rund fünf Jahren gescheitert. Damals mit dem Argument, dass nicht alle Studierenden zahlen sollten, wenn nur einige die Räder wirklich nutzen.

Vor allem auf Studenten hat es auch der Mietrad-Anbieter Swapfiets abgesehen – allerdings mit einem völlig anderen Modell. Bei dem niederländischen Unternehmen mieten Kunden Räder mit einem markanten blauen Vorderrad nicht nur für die Nutzungszeit, sondern gleich für einen ganzen Monat. Bis Ende 2019 rechnet Swapfiets mit 1500 Abonnenten in der Stadt.

Swapfiets sieht Wachstumspotenzial

„Wir freuen uns sagen zu können, dass die Karlsruher die Swapfiets-Idee durchaus positiv angenommen haben“, teilt ein Sprecher des Unternehmens mit. Man gehe von einem „sehr guten Wachstumspotenzial“ und einer zunehmenden Nachfrage nach Miet-Angeboten aus.

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Im Sommer 2020 will Swapfiets deshalb sein Geschäft in Karlsruhe ausbauen und E-Bikes im Monatsabo anbieten. Ein genauer Starttermin steht allerdings noch nicht fest.

Beim dritten größeren Anbieter von Mieträdern wird es hingegen beim Status quo bleiben. Der Call-a-Bike-Service der Deutschen Bahn mit einer Mietstation am Hauptbahnhof plant keine Ausweitung des Angebots, sagt ein Sprecher. Zu Nutzungszahlen und Entwicklungen will sich das Unternehmen „aus Wettbewerbsgründen“ nicht äußern.

Abos werden teurer

Allen Wachstumsplänen zum Trotz – einen Wermutstropfen gibt es 2020 für Abokunden. Bei Swapfiets ist die Zeit der Kennenlernangebote vorbei. Und auch bei „KVV.nextbike“ steigt der Preis, allerdings nur der für das vergünstigte Jahresabo für KVV-Kunden von 29 auf 39 Euro.