Fanmarsch des KSC begleitet von der Polizei.
Der Fanmarsch des KSC in Stuttgart, begleitet von der Polizei. | Foto: GES

Solidarität von VfB-Ultras

Nach KSC-Derby in Stuttgart: Anzeigen gegen die Polizei häufen sich

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Auch neun Tage nach dem umstrittenen Polizeieinsatz beim Derby in Stuttgart, vor dem 591 KSC-Fans eingekesselt und nicht ins Stadion gelassen worden waren, gehen die Bewertungen darüber weit auseinander. Am Montagabend befasste sich auch die Fanhilfe mit dem Thema.

Das Stuttgarter Polizeipräsidium zeigt sich ungeachtet der massiven Kritik zufrieden mit der eigenen Arbeit: „Im Gegensatz zum Lokalderby im Jahr 2017 stand 2019 der Sport im Mittelpunkt.“

Anzeigen häufen sich

In Karlsruhe sind schon jetzt mindestens 15 Anzeigen gegen die Polizei eingegangen. Der Einsatz und die möglichen Folgen für Betroffene, die allesamt auch erkennungsdienstlich behandelt wurden, war auch am Montagabend bei einer Info-Veranstaltung der Fanhilfe im Wildpark Thema.

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Im Kern geht es bei der Kontroverse um zweierlei. Erstens darum, ob die KSC-Fans sich so massiv daneben benommen haben, dass es verhältnismäßig war, 591 Menschen vom Stadionbesuch auszuschließen und fünf Stunden in einem Polizeikessel zu internieren. Oder ob – und das ist die Lesart vieler KSC-Fans – die Polizei von vornherein vorhatte, keinen Angehörigen der Karlsruher Ultraszene ins Stadion zu lassen.

Aussagen gegen Aussage

Ein Großteil der Szene war freilich dann gar nicht im Kessel. Berichten von Fans zufolge sei willkürlich entschieden worden, wer in den Kessel kam und wer nicht. Die Polizei behauptet, sie habe eine „Gruppe Karlsruher Fans, aus der heraus die Straftaten bzw. Störungen beim Gästefanmarsch begangen wurden, separiert“, um „weitere Straftaten zu verhindern.“

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Bei dem von der Polizei erzwungenen Marsch, der in den Sicherheitsgesprächen nicht geplant war, war es am Bahnhof Untertürkheim zu einem Zwischenfall gekommen, bei dem auch zwei Böller in Richtung Beamter geworfen wurden.

Polizei gibt zu laufendem Verfahren keine Auskunft

Die Polizei äußert sich nicht dazu und verweist auf „ein laufendes Strafverfahren, zu dem wir derzeit keine Auskünfte erteilen können“.  Auch auf die Frage, ob jene wenige Fans, die negativ aufgefallen waren, direkt separiert wurden, sodass man nicht 591 Fans hätte vom Spiel aussperren müssen, lässt die Polizei unbeantwortet.

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Auskunftsfreudiger ist sie hingegen bei der Gesamtbewertung: Die Maßnahmen hätten sich „ausschließlich gegen Personen, von denen Gewalt ausging, gerichtet“. Allerdings sei „nicht auszuschließen, dass sich einzelne Personen in der Umschließung befunden hätten, von denen gegebenenfalls keine Störungen ausgingen.“

VfB-Ultras solidarisieren sich mit Banner beim Spiel in Sandhausen

Solidarität erfuhren die KSC-Fans ausgerechnet von einer Ultra-Gruppierung des VfB, die beim Spiel in Sandhausen auf einem Banner die Aufklärung der Polizeiarbeit gefordert hatte. „Verein, Stadt, Land: Aufklärung der Polizeiarbeit in Stuttgart jetzt“, war darauf zu lesen.

Fragen haben auch Abgeordnete von Grünen, CDU und FDP, die im Innenausschuss des Landtags Antworten auf den Einsatz verlangen.

BNN/cr