Taktlie Leitsysteme an Haltestellen und Bahnsteigen weisen sehbehinderten Menschen den Weg zum Zug.
Taktlie Leitsysteme an Haltestellen und Bahnsteigen weisen sehbehinderten Menschen den Weg zum Zug. | Foto: jodo

Klimaschutzbegründung spaltet

Neue Ticketpreise im KVV: Kreis Karlsruhe war gegen Erhöhung

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Die Preisanhebungen beim Karlsruher Verkehrsverbund gibt es regelmäßig. Die aktuellen seien die geringsten seit 20 Jahren, so die Geschäftsführung. Die Änderungen werden mit Lohnsteigerungen und Investitionen begründet. Im KVV-Aufsichtsrat gab es kein einheitliches Bild: Die Vertreter des Landkreises Karlsruhe waren gegen die Erhöhung.

Die fünf Vertreter des Landkreises – an der Spitze Landrat Christoph Schnaudigel als stellvertretender Vorsitzender des KVV-Aufsichtsrates – stimmten aus Klimaschutz- und vor allem aber Qualitätsgründen gegen die Erhöhung, die Mehrheit des 28 Köpfe zählenden Gremiums aber dafür.

Moderate Preisanpassung

Der KVV spricht in seiner Pressemitteilung von einer „moderaten Preisanpassung von durchschnittlich 1,8 Prozent zum 15. Dezember“. KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon sagt, es handele sich um „die niedrigste Erhöhung seit über 20 Jahren“.

Unveränderte Preise für Einzeltickets

Die Preise der Einzelfahrkarten bleiben nach KVV-Angaben unverändert, die Tarife für Monats- und Jahreskarten werden angehoben. Laut Pischon stand der Aufsichtsrat „in Zeiten der Klimadiskussion vor der Aufgabe, eine Tarifanpassung zu beschließen, die von den Kunden akzeptiert wird, den 23 Verkehrsunternehmen im Verbund aber dennoch ihre Erlöse sichert“.

Stuttgart will helfen

Parallel zur Erhöhung der Tickepreise im KVV-Gebiet setzt Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den Verkehrsverbund Stuttgart unter Druck. Mit Blick auf den Klimawandel und dem Ziel, dass mehr Leute auf Busse und Bahnen umsteigen sollen, „passen Erhöhungen der Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr nicht in die Zeit“, wird der Minister in der der „Stuttgarter Zeitung“ zitiert.

Und mehr noch: Das Land sei bereit, einen Teil der fehlenden Tarifeinnahmen zu übernehmen. Die Möglichkeiten zur Tarifabsenkung müssten auch den KVV-Verantwortlichen bekannt sein, heißt es dazu auf BNN-Nachfrage aus dem Ministerium.

Falsches Signal

Beim KVV, der neben Stadt- und Landkreis Karlsruhe auch den Kreis Rastatt, den Kreis Germersheim, die Stadt Baden-Baden sowie Landau und die Südliche Weinstraße bedient, werden die Mehreinnahmen durch die Tariferhöhung auf rund drei Millionen Euro kalkuliert. Hätte man darauf verzichtet, wären knapp zwei Millionen aus der Kasse der Stadt Karlsruhe zu tragen gewesen, etwa 800.000 aus der des Landkreises Karlsruhe.

Die Landkreisvertreter haben in der Aufsichtsratssitzung nach BNN-Informationen deutlich gemacht, dass sie die Tariferhöhung als falsches Signal werten, hätten sich mit dieser Argumentation aber nicht durchsetzen können.

Ein stabiler Preis wäre ein positives Zeichen an die treuen Kunden des ÖPNV gewesen. Deren Zahl war zuletzt allerdings rückläufig. Dies könnte mit den Baustellen in Karlsruhe zusammenhängen: Kunden wechselten wegen der Umleitungen und Verzögerungen wieder von der Bahn aufs Auto. 2013 wurden 177,2 Millionen Fahrgäste verzeichnet, 2018 166 Millionen.

„home zone“ statt „Waben“

Beim Karlsruher Verkehrsverbund ist auch wegen der niedrigeren Fahrgastzahlen aktuell ein neues Tarifsystem in der Diskussion, das die bisherige Wabenstruktur ablösen soll. Mit der sogenannten „home zone“ soll der Kunde einen eigenen Streckenbereich definieren, in dem er zu einem attraktiven Preis mit Bahnen und Bussen beliebig oft unterwegs sein kann.

Preises sind zweitrangig

Mit der Zukunft des ÖPNV beschäftigen sich derzeit gleich mehrere Städte im Südwesten. Zuletzt hatte die Modellstadt Mannheim eine erste Zwischenbilanz gezogen. Die wichtigste Erkenntnis: Verbesserte Verbindungen animieren die Bürger am ehesten, auf Bus und Bahn umzusteigen.

Preise seien eher zweitrangig, hieß es. Zu einem ähnlichen Ergebnis war auch die Stadt Reutlingen gekommen. Neben Mannheim und Reutlingen zählt auch Herrenberg zu den drei Modellstädten im Südwesten. Mit Fördergeldern vom Bund wollen sie die Menschen zum Umsteigen auf Busse und Bahnen bewegen.

• Scool Card neu: 495 Euro (alt: 490)
• Monatskarte zwei Waben: 66 Euro (64)
• Montskarte sieben Waben: 177 (173)
• Studikarte: 162,80 (160,80)