Triathlet Sebastian Kienle aus Mühlacker will am 12. Oktober ganz vorne mit dabei sein. | Foto: Thierry Deketelaere

Triathlon

Interview mit Sebastian Kienle vor dem Ironman Hawaii

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Der zweite Samstag im Oktober ist bei Triathlonfans geblockt: „Ironman Hawaii“. Das Rennen der Rennen. Wellen, Hitze, Wind – auf der Pazifikinsel Big Island wird den Dreikämpfern alles abverlangt. Wer nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometern auf dem Rad und 42 Kilometer Lauf in dem beschaulichen Ort Kona als Erster die Ziellinie überquert, kommt ins Geschichtsbuch der Triathleten. Einer, der dort schon eingetragen ist: Sebastian Kienle aus Mühlacker, der 2014 „King of Kona“ war.

In knapp drei Wochen will er auf Hawaii erneut angreifen und ganz vorne mit dabei sein. Wie er sich vorbereitet und auf das Rennen am 12. Oktober zugeht – das schilderte er unserem Redaktionsmitglied Matthias Kuld.

Herr Kienle, wo erreichen wir Sie denn gerade?

Auf Maui. Ich bin schon immer sehr früh nach Hawaii angereist. Sonst haben wir immer auf Big Island trainiert, wo auch das Rennen stattfindet. Dieses Jahr sind wir auf Maui, auch, weil der Pool in Kona zur Zeit geschlossen ist. Ich muss sagen, dass mir die Trainingsbedingungen hier sehr zusagen.

Mit wem trainieren Sie zusammen?

Unsere Gruppe besteht aus Laura Philipp, meinem Trainer Philipp Seipp, meiner Frau und Franz Löschke.

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Was steht denn in den letzten Tagen vor dem Ironman Hawaii noch speziell auf dem Plan?

Im Moment ist das Training schon noch recht umfangreich, das Training ist sehr spezifisch. Es geht vor allem auch darum sich an die Hitze hier anzupassen. Insgesamt kommen so knapp 30 Stunden Training zusammen. Vor allem im Laufen legen wir noch einen Schwerpunkt. Nach langwierigen Achillessehnen-Problemen besteht hier noch Nachholbedarf was den Umfang angeht. Und natürlich nutzen wir die guten Bedingungen hier um an meiner Schwäche, dem Schwimmen, zu arbeiten.

Welche Bedeutung hat für Sie mentales Training – in so einem Acht-Stunden-Wettkampf muss man ja auch Schwächephasen überstehen oder sich in einer schwierigen Situation nach vorn pushen?

Am Ende wird das Rennen in Kona immer im Kopf entschieden. Das Training hier führt einen schon ab und zu an seine Grenzen, das ist auch mental ein gutes Training. Gleichzeitig gilt es auch mit einer gewissen Frische im Kopf an der Startlinie zu stehen.

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Wie lief denn das Jahr bislang für Sie?

Insgesamt sehr zufriedenstellend, mit einem Sieg bei „The Championship“ in Samorin und einem zweiten Platz bei der Ironman European Championship in Frankfurt habe ich im wesentlichen meine Wettkampfziele erreicht. Wichtiger war aber vor allem, dass ich wieder beschwerdefrei laufen kann. Der Trainierwechsel zu Philipp Seipp hat sich als richtige Entscheidung herausgestellt. Auch wenn ich beim letzten Rennen, der 70.3 WM in Nizza, mit dem fünften Platz nicht ganz meinen Traum von einem dritten Titel erfüllen konnte, so bin ich vor allem mit dem Laufen sehr zufrieden. Schneller zu laufen als der Doppel-Olympiasieger Alistair Brownlee und Javier Gomez war auf jeden Fall gut fürs Selbstvertrauen. Das Schwimmen hat sich im Gegensatz dazu als eklatante Schwächen offenbart.

So ein Ironman-Wettkampf beginnt ja in aller Herrgottsfrühe. In Hawaii gehen Sie um halb sieben in Wasser. Wie sieht die Vorbereitung am Tag davor aus, wie lange schlafen Sie in der Nacht vor dem Wettkampf, wann stehen Sie auf, was frühstücken Sie, wie sieht der letzte Radcheck aus?

Auf Hawaii gibt es ja 12 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland. Das macht es einfach hier jeden Tag sehr früh ins Training zu starten. Daheim bin ich sicher kein Frühaufsteher, hier bin ich jeden Tag um fünf Uhr wach und starte um 6:30 Uhr ins Training. Um 18 Uhr geht hier auch schon die Sonne unter. In der Nacht vor dem Rennen schläft man natürlich nicht viel. Um 3:30 Uhr klingelt normalerweise der Wecker, aber auch in den zwei Nächten nach dem Rennen ist oft nicht an Schlaf zu denken. Der Körper steht noch unter extremen Stress. Normalerweise schlafe ich selten mehr als 3-4 Stunden und die selten am Stück. Dafür ist daheim dann wirklich Ruhe angesagt. Auch in den Wochen vor dem Rennen schlafe ich normalerweise neun Stunden am Tag. Zum Frühstück am Renntag: ganz einfach. Toast mit Honig, Banane, Kaffee und ein Powerbar-Getränk. Zum Radcheck: Die sehr sensiblen Wettkampfreifen montiere ich immer selber. Das muss man auch können, weil man nicht immer einen Mechaniker dabei hat. Auf Hawaii habe ich in diesem Jahr aber sogar zwei Mechaniker vor Ort, die sich um mein Material kümmern. Einen von Radsport Wagner, der mich auch zu Hause supportet und einen von meinem Sponsor und Komponentenhersteller SRAM.

Haben Sie beim Wettkampf irgendwelche Rituale?

Nein, Rituale keine, Routinen schon, das ist auch wichtig. Das gibt einem mental etwas halt.

2014 waren Sie schon einmal Erster beim „Ironman Hawaii“. Wie war das damals, als Weltmeister wurden? Trägt die Erinnerung bis zum bevorstehenden Wettkampf?

Natürlich ist das ein überwältigendes Gefühl. Überhaupt das Rennen zu finishen, ist schon ein tolles Gefühl. Wenn dann noch die Emotionen eines Sieges dazu kommen, ist das schon der Wahnsinn. Wenn ich Bilder vom Rennen sehe, kann ich mich noch gut daran zurück erinnern. Trotzdem hätte ich nichts dagegen diese Erinnerungen dieses Jahr noch einmal etwas aufzufrischen.

Für einen zweiten Sieg braucht es einen optimalen Tag. Wie sieht der aus Ihrer Sicht aus?

Sicher muss ich den Rückstand im Schwimmen in Grenzen halten. Rein aus eigener Kraft wird es schwierig für mich das Rennen zu gewinnen. Dazu müssen auch andere Variablen zu meinen Gunsten stehen. Zum Beispiel müssten die Bedingungen auf dem Rad einigermaßen schwer sein, mit möglichst viel Wind. Das würde dafür sorgen, dass die starken (und leichten) Läufer stärker unter Druck geraten. Wenn ich mit den besten vom Rad steige, sehe ich schon eine realistische Chance das Rennen auch im Laufen für mich entscheiden zu können, dafür muss ich aber wirklich 100 Prozent von meinen Können an diesem einen Tag abliefern.