Der Gabenzaun in Durlach gleicht aktuell eher einer Müllhalde. Überall liegen gespendete Gegenstände herum. | Foto: Svenja Müller

Ordnungsamt schreitet ein

Verwahrloste Gabenzäune in Karlsruhe: Was passiert mit den Spenden nach Corona?

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Zu Beginn der Corona-Krise sind nicht nur in Karlsruhe an mehreren Stellen Gabenzäune entstanden. Dort konnten Menschen Spenden für hilfsbedürftige Menschen hinterlassen. Inzwischen haben viele Anlaufstellen für Hilfsbedürftige wieder geöffnet, die Gabenzäune unterdessen verwahrlosen. Jetzt hat sich auch das Karlsruher Ordnungsamt eingeschaltet.

Von unserer Mitarbeiterin Svenja Müller

In der Corona-Krise mussten Tafeln und Kleiderkammern temporär schließen. Viele Privatpersonen haben an selbst organisierten Gabenzäunen Kleidung und Lebensmittel gespendet und so Bedürftigen geholfen. Einige dieser Zäune machen mittlerweile jedoch Probleme.

Karlsruhes ehemals größter Gabenzaun gleicht heute einer Müllhalde. Früher lagen die Spenden ordentlich aufgereiht auf einem Tisch. Mit Kleiderhaken an einer Schnur befestigt wartete die abgegebene Kleidung auf ihren nächsten Besitzer. Heute herrscht unter der Brücke, welche die Durlacher Allee trägt, das Chaos: Überall liegen Schuhe und Kleidung verstreut neben aufgerissenen Kartons und Plastiktüten.

Im Zuge der Coronakrise sind an mehreren Orten im Stadtgebiet solche oder ähnliche Gabentische entstanden. Eigentlich braucht es dafür eine offizielle Genehmigung. Die Stadt drückte in diesem Falle ein Auge zu, da es sich um eine Hilfsaktion handelte.

Zurückgelassene Corona-Gaben sorgen für Unmut

Ehrenamtliche initiierten die Projekte und organisierten sich unter anderem auf Facebook-Seiten. In Durlach war der Gabenzaun lange Zeit stark frequentiert. Immer wieder ist es dabei auch passiert, dass Personen auf der Straße standen, weil der Gehweg an der Stelle recht schmal ist. Daher hat sich das Ordnungsamt in Absprache mit den Ehrenamtlichen darauf geeinigt, den Gabenzaun unter der Bahnbrücke einzustellen.

Was mit zurückgelassenen Gegenständen passiert, muss geregelt werden.

Björn Weiße, Leiter Ordnungsamt Karlsruhe

„Es bestand eine Gefahrensituation“, erläutert Björn Weiße, Leiter des Ordnungsamts. Grundsätzlich finde er es zwar gut, dass Ehrenamtliche Hilfsgüter verteilten. Dass es rund um den ehemaligen Gabenzaun in Durlach nun jedoch sehr wüst aussieht, beschäftige die Stadtverwaltung. „Was mit zurückgelassenen Gegenständen passiert, muss geregelt werden“, sagt der Leiter des Ordnungsamts.

Initiatoren kümmern sich teilweise nicht mehr um ihre Projekte

In der dazugehörigen Facebook-Gruppe ist es mittlerweile ruhig geworden. Loco Dias, der Hauptinitiator des Gabenzauns in Durlach, meldete sich am 22. April mit seinem letzten Post. Darin informierte er über den aufgelösten Gabenzaun in Durlach und versprach, sich in den kommenden Tagen zu melden.

Auf Nachfrage der BNN sagte der junge Mann jedoch, dass er zwar die Facebook-Seite noch betreue, mit den Gabenzäunen jedoch nichts mehr zu tun habe, da er bereits an einem neuen ehrenamtlichen Projekt arbeite.

Doch es gibt auch noch positive Beispiele: So wird die Essensausgabe in der Unterführung „Kühler Krug“ weiterhin gut betreut. Täglich von 16.30 Uhr bis 18.00 Uhr teilen Freiwillige gespendete Lebensmittel und Hygieneprodukte an Bedürftige aus. Die Organisatoren stimmen sich auf der Facebook-Seite aktiv ab. Auch die Gabenzäune in der Hohenzollernstraße und am Lidellplatz schauen weiterhin gepflegt aus.

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Anlaufstellen für Hilfsbedürftige öffnen wieder

Nach und nach dürfen soziale Einrichtungen wieder öffnen, da die Beschränkungen zu Corona langsam aufgehoben werden. So bietet das Herz Jesu Stift in Karlsruhe-Mühlburg seit 20. Mai wieder seine Essensausgabe für Wohnungslose und Bedürftige an.

Zwischen 11.30 Uhr und 12.30 Uhr geben die Schwestern im Halbstundentakt täglich warmes Mittagessen aus. „Unter normalen Umständen finden bis zu 36 Menschen in den Räumen Platz. Aktuell sind wir jedoch nur in der Lage, etwa 20 Personen zu versorgen“, berichtet Schwester Alfonsa und verweist auf die notwendigen Hygienemaßnahmen.

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Viele Besucher holten sich die Ausgabe aber ohnehin ab und verzehrten sie außerhalb der Einrichtung. Das sei bereits vor Corona so gewesen. Zum Kreis der Personen, die regelmäßig zur Essensausgabe kommen, gehören vor allem Wohnungslose und Ältere, die Probleme haben, sich selbst zu ernähren. Auch Menschen mit schmaler Rente zählen dazu.

Lebensmittel- und Geldspenden sind erwünscht

Wer die Arbeit der Schwestern unterstützen möchte, kann Lebensmittel spenden. „Sehr gut eignen sich abgepackte und haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Milchpackungen oder Konserven“, sagt Schwester Alfonsa. „Selbstgekochte Lebensmittel können wir aus Hygienegründen nicht annehmen.“ Abgeben kann man die Spenden montags bis mittwochs sowie freitags und samstags jeweils von 8 bis 14 Uhr.

Zu der Vielzahl an sozialen Einrichtungen rund um Karlsruhe zählt auch der Café-Treff und die Kleiderkammer der Heilsarmee. „Leider können wir beide aktuell noch nicht öffnen, da es sehr eng bei uns zugeht“, sagt Majorin Andrea Weber.

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Gemeinsam mit ihrem Mann Stephan hat sie in der Coronakrise damit begonnen, Bedürftige zu unterstützen: Jeden Freitag organisieren die beiden eine Lebensmittelausgabe, bei der Tüten mit Lebensmitteln im Wert von fünf bis sieben Euro vorgepackt und einzeln ausgegeben werden.

Rund 30 Personen nehmen dieses Angebot an. „Das sind mehr als bei unserem regulären Café-Treff“, sagt Andrea Weber. Von Lebensmittelspenden bittet sie, abzusehen, da die ausgegebenen Tüten immer gleichwertig befüllt sein sollen. „Wer uns unterstützen möchte, kann gerne Geld spenden“, sagt die Majorin.