Die anstehenden Aufgaben skizziert Oberderdingens Bürgermeister Thomas Nowitzki in seiner Neujahrsrede.
Die anstehenden Aufgaben skizziert Oberderdingens Bürgermeister Thomas Nowitzki in seiner Neujahrsrede. | Foto: Rebel

Kommunalpolitik

Bürgermeister bringt bei Neujahrsempfang in Oberderdingen alte Bahntrasse ins Gespräch

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Thomas Nowitzki ist immer für eine Überraschung gut. Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Oberderdingen am Dreikönigstag hatte er gleich deren drei im Gepäck. Zum einen präsentierte er Überlegungen, die vor knapp 90 Jahren auf Eis gelegte Bahnstrecke von Bretten über Oberderdingen nach Leonbronn zu reaktivieren. Zum zweiten eröffnete er die Debatte um die Namensgebung des runderneuerten Oberderdinger Freibads, das im Sommer in Betrieb gehen soll.

Dabei schlug er den Namen „Filplebad“ vor. Wobei sich der Schultes dabei auf einen alten Uznamen der Oberderdinger bezog. Die dritte Überraschung war von weniger erfreulicher Art: Zwei bis drei Millionen Euro wird die Gemeinde in die Sanierung der Amthofmauer investieren müssen, informierte Nowitzki, der diese mit einer Grünplanung für die nahe gelegenen Seegärten verbinden.

Rund 400 Besucher verfolgen beim Neujahrsempfang aufmerksam die Rede des Bürgermeisters, der Musikverein Oberderdingen sorgt mit staatstragenden Klängen für eine stimmungsvolle Atmosphäre. | Foto: Rebel

Rund 400 Oberderdinger waren zum nunmehr 35. Neujahrsempfang erschienen, der erfrischend kurz ausfiel, weil der eigentlich vorgesehene Gastredner kurzfristig nach Berlin abberufen worden war. Der Musikverein Oberderdingen verschönerte den Empfang mit fulminanten Klängen.

Dabei war auch hier ein Ausfall zu verkraften: Winfried Nies aus Kürnbach, langjähriger Dirigent des Helmsheimer Musikvereins,  musste kurzfristig für die verhinderte Dirigentin einspringen. Er hatte genau eine Probe Zeit, um den Musikerinnen und Musikern eine überaus reife Leistung zu entlocken.

Beim Neujahrsempfang widersprüchliche Befindlichkeit skizziert

Im ersten Teil seiner Rede widmete sich das Gemeindeoberhaupt der widersprüchlichen Befindlichkeit der Bundesdeutschen. Zwar gebe es in den Grundsatzfragen in Deutschland eine breite Zustimmung, doch wenn es konkret werde, seien viele nicht mehr bereit, persönliche Veränderungen oder gar Einschränkungen zu akzeptieren: „Viele sind für Windenergie, aber nicht in ihrem Umfeld, viele befürworten Wohnungsbau, aber nicht in der Nachbarschaft“, skizzierte Nowitzki das Dilemma.

Mit fulminanten Klängen bereicherte der Musikverein Oberderdingen unter Stabführung von Winfries Nies den Empfang.
Mit fulminanten Klängen bereicherte der Musikverein Oberderdingen unter Stabführung von Winfries Nies den Empfang. | Foto: Rebel

Er gab zu bedenken, dass es bei politischen Entscheidungen nicht darum gehen könne, ob der Einzelne davon einen Vorteil hat, sondern ob sie das Land oder die Gemeinde voranbringen. Nicht ohne Stolz verwies er beim Neujahrsempfang auf die rund 5.000 Arbeitsplätze in der Gemeinde und Gewerbesteuereinnahmen von fast 7,4 Millionen im vergangenen Jahr. Um den Wirtschaftsstandort zu stärken, müssten auch weitere Flächen für die gewerbliche Entwicklung bis 2035 ausgewiesen werden.

Als wichtige anstehende Aufgaben nannte der Bürgermeister die Neugestaltung des Sickinger Schlossareals, für das ein städtebaulicher Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden soll. In der Brettener Straße sollen in einem denkmalgeschützten Gebäude ein Tages-Cafe und Wohnungen entstehen. Außerdem will die Gemeinde weitere Innenentwicklungen anpacken und neue Bauflächen erschließen.

Nowitzki: Privatgymnasium ist machbar

„Die Machbarkeitsstudie zur Ansiedlung des privaten Heisenberg-Gymnasiums liegt vor“, informierte Nowitzki. Fazit: Das Gymnasium sei machbar, auch wenn die Hürden hoch liegen. Doch bis zum Schuljahr 2021/2022 könnte es mit zwei fünften Klassen und 48 Schulplätzen losgehen, kündigte er beim Neujahrsempfang an.

Abschließend erinnerte das Gemeindeoberhaupt daran, wie viel Unheil und Leid nationalistische Engstirnigkeit über Europa gebracht habe und appellierte angesichts von nunmehr 75 Jahren Frieden auf dem Kontinent an die Zuhörer, die zutiefst humanistische Idee des Projekts Europa auch in den alltäglichen Gesprächen zu verteidigen.

Der Musikverein blies aus diesem Grund nicht nur die Nationalhymne, auch bei der Europa-Hymne waren die Gäste eingeladen mitzusingen.