Boris Becker
KREATIVE STAU-UMFAHRUNG: Boris Becker wurde am Mittwoch von einem Förster erwischt, als er in einer dunklen Limousine auf einem Forstweg fuhr. | Foto: Rolf Vennenbernd

Tennis-Legende mit kreativer Stau-Umfahrung

Förster ertappt Boris Becker im Wald bei Pforzheim

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Ein Förster hat Boris Becker im Wald bei Pforzheim ertappt. Becker und sein Chauffeur probierten es mit einer kreativen, aber nicht ganz legalen Stau-Umfahrung über einen Forstweg. Die Tennis-Legende war das wohl prominenteste Opfer eines langen Staus zwischen Stuttgart und Karlsruhe. Wenn es nach dem zuständigen Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon geht, wird die Ordnungswidrigkeit wohl „aus ökonomischen Gesichtspunkten“ nicht geahndet.

Boris Becker setzt in jeder Lebenslage auf Willensstärke. Er tut es höflich, wie ein Forstwirt auf einem Schleichweg im Remchinger Gemeindewald erlebte, aber „keinen Promibonus“ gewährte. Dorthin hatte sich der frühere Tennisstar abgesetzt, während andere Autos in Fahrtrichtung Karlsruhe im Stau auf der B 10 ihre Nerven erprobten.

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Der Mann habe einen Zug in Karlsruhe erreichen wollen, berichtete Forstwirt Thomas König aus Remchingen. Er selbst sei „zwar nicht sonderlich an Sport interessiert“, habe aber nach einem fragenden „Herr Becker“ mit einem langgezogenen „Ja“ bestätigt bekommen, dass er mitten im Wald tatsächlich den vielfachen Wimbledon-Sieger erkannt hatte.

Auf einmal war ein dunkler Audi hinter uns, ignorierte das Verbotsschild und folgte uns im Schritttempo

„Auf einmal war ein dunkler Audi hinter uns, ignorierte das Verbotsschild und folgte uns im Schritttempo“, beschrieb König, wie die Geschichte an Mittwochmorgen begann. Nach etwa 500 bis 600 Metern hätten er und sein Kollege ihren Kastenwagen mit weiß-roter Schraffierung angehalten, die Motorsäge geschnappt und Äste entfernt. „Können Sie etwas zur Seite fahren“, hätten erst der Fahrer, dann Becker selbst gefragt. Das war die Situation des Erkennens. „Ich habe ihm die Hand hingehalten und ,Guten Morgen‘ gewünscht.“

VORTEIL BECKER: Förster Thomas König konnte nur noch hinterher schauen, bevor er seine Säge wieder ansetzte. Boris Becker war einfach rechts an seinem Dienstfahrzeug vorbeigefahren. | Foto: privat

Boris Becker räumt den Waldweg selbst frei

Nicht von Erfolg gekrönt war die Gelassenheit, mit der Thomas König reagierte. Becker verschaffte sich selbst freie Bahn, so der Remchinger Förster weiter. Boris Becker, einst für seine kraftvolle Vorhand berühmt, schmiss im Weg liegende Äste beiseite, während sein Fahrer die dunkle Limousine über einen Graben am gemeindlichen Forstfahrzeug vorbei gelenkt habe. Ob er dann nach Nöttingen oder in Richtung Keltern weiter fuhr, könne er nicht sagen, so König.


AUCH BORIS BECKER BETROFFEN: Die Autobahn A8 zwischen Pforzheim in Fahrtrichtung Karlsruhe war seit Dienstagabend gesperrt. Ein LKW
hatte Seifenpulver verloren.
| Foto: 7aktuell

„Normalerweise wird jeder angezeigt“, der den Waldweg verbotenerweise benutzt. Das sei aber Sache seines Vorgesetzten, den er jetzt informiere, sagte König weiter. Da dieser bei einer Nachfrage im Remchinger Rathaus nicht erreichbar war, war zunächst auch nicht klar, wie es mit Becker und seinem Chauffeur weiter geht.

Als gesichert gelten kann allerdings, dass er bei seiner Tour über den Klosterweg unweit des Sperlingshofs nicht in eine Falle getappt war. „Es gibt keine Staukontrolle“ auf dem Schleichweg, sagte König. Die Begegnung sei ein reiner Zufall gewesen.

Bürgermeister: Becker kommt wohl ohne Bußgeld davon

Inzwischen hat sich der zuständige Bürgermeister von Remchingen, Luca Wilhelm Prayon (CDU), zu dem Fall geäußert. Er sagt: „Wir verfolgen grundsätzlich alle, die in unserem Wald durch die Gegend fahren, ohne Ansehen der Person.“ Im konkreten Fall könne er aber womöglich trotzdem nichts machen.

Förster König war angesichts der unverhofften Begegnung so perplex, dass er sich das Kennzeichen nicht gemerkt hat. Und „Becker nachzutelefonieren, macht wohl wenig Sinn unter ökonomischen Gesichtspunkten“, findet Bürgermeister Prayon.

Immerhin: Unterdessen hat Boris Becker seine Tat öffentlich gestanden. Am Mittwochabend witzelte er beim Sender „Sky“, wo er als TV-Experte beim Spiel Bayern gegen den FC Liverpool einen Auftritt hatte: „Das ging fast blutig aus, aber ich bin nochmal aus der Nummer rausgekommen. Der kam schon mit seiner Kettensäge auf mich zu.“