Übungsraum: Ein Team der Klinik stellte die Möglichkeiten für eine Lungenersatztherapie vor. Im Bild von links: Felix Schumacher, Ute Oltmanns, Simon Merk, Ines Fröhlich, Svenja Werner, Cengiz Balkan, Sabine Maier, Rene Gulde und Gunnar Strehlke.
Übungsraum: Ein Team der Klinik stellte die Möglichkeiten für eine Lungenersatztherapie vor. Im Bild von links: Felix Schumacher, Ute Oltmanns, Simon Merk, Ines Fröhlich, Svenja Werner, Cengiz Balkan, Sabine Maier, Rene Gulde und Gunnar Strehlke. | Foto: Friedrich

Für eine besser Therapie

Helios Klinikum in Pforzheim: Neue Maschine hilft der Lunge auf die Sprünge

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Wenn die Lunge entzündungsbedingt plötzlich ausfällt, dann besteht die Möglichkeit einer Lungenersatztherapie. Das dafür benötigte Gerät hat das Helios Klinikum für einen sechsstelligen Betrag angeschafft und ist damit eine der wenigen Kliniken in Baden-Württemberg, die auf eine solche Behandlungsmöglichkeit zurückgreifen können.

Von unserem Mitarbeiter Stefan Friedrich

Grippewelle und Coronavirus sind derzeit in aller Munde, die Angst vor Erkrankungen an der Lunge ist oftmals groß. Tatsächlich sind die Behandlungsmöglichkeiten gut – natürlich sofern die Lunge nicht unheilbar geschädigt ist, wie bei einem Krebs im Endstadium. Selbst wenn die Lunge zu versagen droht, kann eine so genannte ECMO-Maschine helfen.

Die Lunge ist damit komplett von ihrer Arbeit entlastet.

Felix Schumacher, Chefarzt Intensiv- und Notfallmedizin Felix Schumacher

Ein solcher Fall – das sei gleich vorweg gesagt – kommt allerdings nur sehr selten vor. Etwa 1.000 Mal pro Jahr in ganz Deutschland, versicherte der Chefarzt Intensiv- und Notfallmedizin Felix Schumacher. Dann aber werden beim Patienten unter Ultraschall Schläuche in die Gefäße eingeführt. Die Maschine saugt das Blut an, pumpt es durch einen Filter – CO2 wird dabei aus dem Blut rausgewaschen und Sauerstoff eingeleitet – und führt es in den Körper zurück. „Die Lunge ist damit komplett von ihrer Arbeit entlastet“, so Schumacher, und kann sich folglich besser regenerieren.

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Nur wenige Geräte

Von diesen ECMO-Geräten gibt es nicht allzu viele. Und Baden-Württemberg sei ohnehin „ein relativ schwarzes Loch auf der Landkarte“ gewesen. Ein Grund, dass das Helios Klinikum in Pforzheim sich eine solche Maschine angeschafft hat, auch wenn über einen regelmäßigen Austausch in einem eigenen Netzwerk gewährleistet war, dass Patienten in ein entsprechendes Krankenhaus verlegt werden können.

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Ein hochkomplexes Verfahren

Das Gerät zu bedienen sei ein „hochkomplexes Verfahren“, so Schumacher. „Man muss unglaublich viele Messungen machen.“ Das Blut kommt während des Vorgangs nämlich mit Schläuchen, also mit einer „völlig unphysiologischen Oberfläche“ in Berührung. In einem solchen Fall beginnt normalerweise sofort die Gerinnung. Fast eineinhalb Jahre ist das Team, das mit dem Gerät arbeitet, deshalb geschult worden – und wird dies auch weiterhin. Wenn die Maschine nicht für einen Patienten benötigt wird, steht sie in einem Schulungsraum zur Verfügung, wo trainiert werden kann.

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ECMO rettet Leben

Einen solchen Einsatz hat es kürzlich schon gegeben. Eine Patientin, mit etwa 50 Jahren „noch recht jung“, so Ute Oltmanns, Chefärztin Pneumologie, musste damit behandelt werden. Zu erwarten war das nicht. „Sie kam normal ins Krankenhaus.“ Innerhalb weniger Stunden erlitt sie ein Lungenversagen. Zuerst sei sie mit einem klassischen Gerät beatmet worden. „Dann hat man gemerkt, dass man keine Luft mehr in die Lunge kriegt.“ Mithilfe von ECMO sei das Blut dann relativ schnell wieder mit Sauerstoff angereichert worden. „Die Lunge war zu dem Zeitpunkt so entzündet, dass sie hart wie eine Leber war.“ Inzwischen kann die Patientin wieder „ganz normal atmen“ – ohne externe Hilfe eines Beatmungsgeräts. Ohne ECMO, ist sich Oltmanns sicher, „wäre sie jetzt nicht mehr am Leben.“

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Damit es gar nicht erst soweit kommt, dass sich die Lunge infolge eines Infekts entzündet, raten die Mediziner gerade in Zeiten der Grippewelle, sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren oder – wenn man beruflich in China zu tun hat – im Hinblick auf den Coronavirus Mundschutz zu tragen. Brillen können auch ein wenig helfen, weiß Rene Gulden, Leitender Oberarzt Pneumologie: Es sei bekannt, dass Brillenträger einen besseren Schutz vor Ansteckung genießen, weil das Auge – „letztlich ja auch eine Schleimhaut“ – besser geschützt ist.