PARTEI-REVOLUTIONÄRE: Roman Dorzweiler, Krunoslav Slavulj, Elena Peters, Uwe Hück, Matteo Narcisi, Baris Yilmaz, Irina Zweifel und Simeon Dannheim (von links) auf Redaktionsbesuch beim Pforzheimer Kurier.
PARTEI-REVOLUTIONÄRE: Roman Dorzweiler, Krunoslav Slavulj, Elena Peters, Uwe Hück, Matteo Narcisi, Baris Yilmaz, Irina Zweifel und Simeon Dannheim (von links) auf Redaktionsbesuch beim Pforzheimer Kurier.

BNN-Redaktionsgespräch

Hück-Unterstützer in Pforzheim: Neue SPD-Mitglieder wehren sich gegen Vorurteile

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Im parteiinternen Machtkampf bei der SPD Pforzheim zeigen sich die Anhänger von SPD-Ratsfraktionssprecher Uwe Hück selbstbewusst. Bei einem Redaktionsgespräch wehrten sich die Genossen gegen Vorurteile und erklärten, warum sie eine Neuwahl des Kreisvorstandes wollen.

Not macht erfinderisch, das gilt auch für Redaktionsbesuche. Wo zu normalen Zeiten im Konferenzraum in der Kurier-Geschäftsstelle getagt, gefragt und gestritten wird, wich man beim jüngsten Termin auf die Terrasse des benachbarten Eiscafé Casal aus. Bei acht engagierten Besuchern wäre es drin ein wenig eng geworden mit dem Corona-Abstand.

„Es wollten noch mehr mitkommen, die Genossinnen und Genossen wollen dringend etwas klarstellen“, brüllt Hück (58) fröhlich durch seine Lernstiftung-Hück-Schutzmaske. Dann macht der SPD-Stadtrat etwas ungewöhnliches: Hück schweigt. In der kommenden Stunde sind es vor allem jene sieben SPD-Mitglieder, die ihn begleiten, die ihre Sicht der Dinge darlegen. Bei Espresso und Eiscreme geht es dann zwar auch um das Duell Hück gegen Mast und ein wenig um Landes- und Bundespolitik, aber vor allem geht es um die Region Pforzheim.

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Und es geht um die Klarstellung, die Hück eingangs angekündigt hatte. Matteo Narcisi meldet sich dazu als Erster: „Ich habe gar keine Trainingsanzug“, sagt der Pforzheimer und nimmt Bezug an einen Bericht im Kurier, wo jüngst von einer „Hück-Horde in Trainingsanzügen“ die Rede war.

SPD Pforzheim mit vielen Neumitgliedern

Der Hintergrund: Rund 80 Neu-Mitglieder verzeichnet die Pforzheimer SPD ungefähr seit Hück im Februar 2019 zum Spitzenkandidat der Pforzheimer SPD im Gemeinderatswahlkampf gewählt wurde.

Innerparteiliche Skeptiker treiben dabei Fragen um, die zusammengefasst so lauten könnte: Hat Hück die Neu-Genossen wie politische Söldner angeheuert, um sich die Macht im Kreisverband zu sichern? Neumitglied Narcisi sagt dazu: „Ja ich bin wegen Uwe Hück in die SPD eingetreten, das heißt aber nicht, dass ich nicht eigenständige denke.“ Ihm sei wichtig, dass seine Heimatstadt vorankommt. „Pforzheim soll lebenswert sein für unsere Kinder“, sagt der werdende Vater und macht klar, wem er dabei etwas zutraut.

Hintergrund ist natürlich der seit Monaten hinter und vor den Kulissen ausgetragene SPD-Streit, ob Hück, der vor etwas über einem Jahr in der Pforzheimer Lokalpolitik aufschlug, bei der nächsten Bundestagsnominierung im Wahlkreis Pforzheim/Enz parteiintern die Abgeordnete Katja Mast herausfordern darf.

Hoffnung auf Hück

Während viele langjährige Genossen in Pforzheim und vor allem im Kreisverband Enzkreis an der erfahrenen Katja Mast festhalten, sprechen sich einige Neu-Mitglieder für eine Hück-Kandidatur aus. So auch der Unternehmer Krunoslav Slavulj: „Uwe Hück hat bewiesen, dass er Dinge umsetzen kann. Mit seiner Lernstiftung hilft er vielen jungen Menschen ganz konkret.“

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Auch die anderen Diskutanten machen gegenüber der Redaktion selbstbewusst klar, dass sie mehr sind als potenzielle Stimmenlieferanten für Hück. Darunter sind nicht nur Neumitglieder, sondern beispielsweise der in Pforzheim geborene Baris Yilzmaz. Er sei bald zwei Jahre SPD-Mitglied, fühle sich aber irgendwie nicht willkommen. „Ich hatte das Gefühl, die alten Genossen wollen lieber unter sich sein.“ Irina Zweifel, die sich in der Familienpolitik und bei der Inklusion einbringen will, pflichtet ihm bei: „Oft geht es da gar nicht um Inhalte, sondern nur darum, dass die Funktionäre ihre Struktur haben.“

Diese Struktur wollen Hück und seine Mitstreiter nun zu ihren Gunsten ändern. Sie haben die Neuwahl des amtierenden Kreisvrbandsvorstands beantragt. Auch Simeon Dannheim spricht sich dafür aus. Der 28-jährige Politikwissenschaftler ist stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender der SPD Pforzheim. Er glaubt daran, dass sich die Wogen nach der Neuwahl im Vorstand – wohl im September – wieder glätten werden. Immerhin hört man inzwischen auch Signale, dass Hück eventuell doch nicht gegen Mast antritt und stattdessen für den Landtag kandidieren wolle.

Die Mitglieder sollen entscheiden

Hück will darüber die Mitglieder entscheiden lassen, sagt er und mischt sich dann doch noch in die Kurier-Debatte im Eiscafé ein. Die SPD-Revolution müsse weiter gehen, denn ein Weiter-So sei keine Option. Als in der Runde erwähnt wird, dass Hück in der Partei nicht ganz so unerfahren ist, wie es manchmal dargestellt werde und dabei auch der Name Gerhard Schröder fällt, scheint beim boxenden SPD-Stadtrat eine innere Ringglocke zu bimmeln.

Hück reckt den Oberkörper nach vorne: „Seit 38 Jahren bin ich in der SPD und habe meine Erfahrungen gesammelt.“ Auch mit Gerhard Schröder. Bei der Wahl 2005 wurde der bislang letzte Kanzler der SPD von Angela Merkel besiegt, aber es war viel knapper als gedacht. Im Wahlkampfendspurt hatte Hück damals einen Auftritt für die Partei-Geschichtsbücher.

Der Porsche-Betriebsratschef hielt auf einem Sonderparteitag drei Wochen vor Wahl eine mitreißende Rede. Unter dem Jubel der Genossen soll der Vorsitzende Franz Müntefering ihn mit den Worten verabschiedet haben: „Noch zehn Minuten länger und sie hätten dich zum Parteichef gewählt.“

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Dabei wolle er weniger Chef sein, sondern mehr ein Motivator, sagt Hück. Dann macht auch er noch eine Ansage zum Thema „Genossen in Trainingsanzügen“. Er habe im Vereinssport nicht aktiv um Neumitglieder geworben, was manche unterstellten. Aus diesem Bereich seien es auch maximal zehn Personen, so der Vorstandsvorsitzende des FSV Buckenberg. Und dann kommt noch ein typischer Hück-Spruch: „Wenn ich jetzt auch noch zu den Vereinen gehe, dann werden es statt 100 sicherlich 400 neue SPD-Mitglieder.“