Neue Erkenntnisse über die Täter erhoffte sich die Polizei am Donnerstag bei der Suche nach Hinweisen am Fundort des Leichnams im Hagenschießwald. 25 Beamte durchkämmten das Waldstück.
SUCHE NACH SIMON PAULUS: Beamte der Soko "Wagner" durchkämmten das Waldstück, in dem die Leiche des Jägers gefunden worden war. | Foto: Gress (Archiv)

Prozess in Karlsruhe

Mordfall Simon Paulus: „Ich sollte die Leiche in den Kofferraum legen“

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Fast zwei Stunden lang berichtet der 42-jährige Pforzheimer auf der Anklagebank des Landgerichts Karlsruhe mit ruhiger Stimme davon, was aus seiner Sicht am Abend des 29. August 2018 vor der Wohnung von Simon Paulus im Birkenfelder Ortsteil Gräfenhausen geschah.

von unserem Mitarbeiter Ekart Kinkel

Auch auf die Fragen des Gerichts gibt der Ex-Kampfsportlehrer Auskünfte und am Ende hat er den 30-jährigen Hauptangeklagten mit seiner Aussage schwer belastet. Der Mann habe ihn an diesem Tag bei einer zufälligen Begegnung darum gebeten, ihn zu einem Treffen zu begleiten, und da habe er spontan zugesagt, berichtet der 42-Jährige zu Beginn des dritten Verhandlungstages im Prozess um den gewaltsamen Tod des 50-jährigen Büchsenmachers.

Warten auf Nachricht per Walkie-Talkie

Deshalb habe er seine Sporttasche mit dem Handy in der Wohnung des 30-Jährigen gelassen und sei mit seinem Bekannten nach Gräfenhausen gefahren. Dort spielte sich die Sache laut Aussage des 42-Jährigen folgendermaßen ab: Der 30-Jährige zeigte dem 42-Jährigen das Haus von Paulus, gab ihm ein Walkie-Talkie und bat ihn, bis zu einer Benachrichtigung auf der Straße zu warten.

Nach etwa einer halben Stunde rief der 30-Jährige seinen wartenden Bekannten mit dem Funkspruch „Wir sind fertig. Komm schnell“ herbei. Als er zum Haus lief, habe er neben dem wartenden 30-Jährigen eine auf dem Boden liegende blutverschmierte Person gesehen und gefragt, ob der Mann tot sei, berichtete der 42-Jährige.

Leiche in den Kofferraum gelegt

Der 30-Jährige habe diese Frage kurz bejaht und ihn dann zum Transport der Leiche in den Kofferraum aufgefordert. Anschließend habe er gemeinsam mit dem 30-Jährigen noch mehrere Gewehre auf dem Rücksitz des Autos verstaut.

Danach fuhren die beiden Männer laut Angaben des 42-Jährigen in ein Parkhaus, wo sie die Waffen in einer Box verstauten, und dann in die Wohnung des Hauptangeklagten. Die blutüberströmten Kleider habe der 30-Jährige in einen Plastikbeutel gepackt, sagte der 42-Jährige. „Ich war froh, dass ich damit nicht mehr zu tun hatte“, sagt der wegen Beihilfe angeklagte Pforzheimer.

Angeklagter gibt an, bedroht worden zu sein

Weil er keine Zeitung lese, habe er von der Suche nach Paulus nur wenig mitbekommen. Bei seiner ersten Zeugenvernehmung hatte der 42-Jährige noch keine Angaben zu seiner Beteiligung an der Beseitigung des Leichnams gemacht. Erst Ende Dezember erzählte er bei einer zweiten Vernehmung seine Version der Geschichte.

Kurz zuvor wurde der 42-Jährige nach eigenen Angaben noch zweimal von jeweils zwei Männern bedroht und zum Schweigen aufgefordert. Beim Haftrichter sagte der 42-Jährige dann, dass der Hauptangeklagte eine große italienische Familie und gute Kontakte zur Mafia habe.

Beim Haftrichter machte auch der 26-jährige Grieche Angaben zu seiner Beziehung mit einer 60-jährigen Frau aus dem Enzkreis, die der 30-Jährige laut Anklage der Staatsanwaltschaft in der Nacht auf den 15. Oktober gemeinsam mit einem Mitangeklagten im Zuge eines geplanten Raubzugs ermorden wollte.

Am 3. Juni wird die Verhandlung um 9.45 Uhr im Schwurgerichtsaal des Landgerichts mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.