Der Fall wird vor dem Landgericht in Karlsruhe verhandelt.
Der Fall wird vor dem Landgericht in Karlsruhe verhandelt. | Foto: Uli Deck/Archivbild

Birkenfelder Bluttat vor Gericht

Paulus-Prozess: Angeklagter war zum Tatzeitpunkt mit Kommissarin liiert – sie ahnte von nichts

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Im Paulus-Prozess vor dem Landgericht Karlsruhe haben jetzt zwei Frauen ausgesagt. Neben der Ex-Freundin des erschlagenen Büchsenmachermeisters Simon Paulus aus Birkenfeld, war auch eine Kriminal-Kommissarin im Zeugenstand, die zum Tatzeitpunkt mit einem der Angeklagten liiert war. Ihre Aussage machte deutlich: Die Frau ahnte von nichts.

Von unserem Mitarbeiter Ekart Kinkel

„Waffen waren sein ein und alles“. So brachte die ehemalige Lebensgefährtin von Simon Paulus die berufliche und private Passion des getöteten Büchsenmachermeisters aus Birkenfeld im Enzkreis auf den Punkt. Sowohl bei seiner Arbeit in einer Waffenfabrik als auch zuhause an der Werkbank habe sich Paulus mit Waffen beschäftigt, sagte die 63-Jährige, die bis Oktober 2017 mit dem Opfer liiert war, bei ihrer Vernehmung vor dem Landgericht Karlsruhe.

Ex-Freundin: Paulus hat mit Waffen nicht gehandelt

Gehandelt habe ihr langjähriger Lebensgefährte mit seinen Waffen nicht. „Dass er ein ganzes Bündel Waffen für 4 000 Euro verscheuert, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen“, sagte sie.  Einmal habe er einen Nachbarn aus ihrer Wohnung in Pforzheim allerdings eine Packung Munition gegeben. Als sie ihren Lebensgefährten zur Rede stellte, habe sie dieser barsch zurecht gewiesen. Der heute 30-jährige Wohnungsnachbar muss sich seit dreieinhalb Monaten wegen des Mordes an Simon Paulus vor Gericht verantworten.

Der Fall Simon Paulus: Das ist passiert (BNN-Zeitleiste)

Als Paulus am 29. August erschlagen wurde, war die Beziehung schon zu Ende. Am 30. Oktober 2017 habe sie den Schlussstrich gezogen und Simon Paulus aus der Wohnung geworfen. „Er hatte sich sehr verändert. Er war zu mir nicht so nett, wie er sich nach außen gab“, sagte die Zeugin. Höchstwahrscheinlich sei er auch von seinen neuen Bekannten negativ beeinflusst worden. Seine offensichtliche Alkoholsucht habe er aber überwunden gehabt.

Angeklagter war mit Kriminal-Kommissarin liiert

Nachdem der 30-Jährige wegen eines DNA-Treffers in der Wohnung von Paulus ins Visier der Ermittler geriet, wurden auch Personen aus dem Fitnessclub des Verdächtigen unter die Lupe genommen, darunter der 42 Jahre alte Kampfsportlehrer, der sich wegen der Hilfe beim Beseitigen der Leiche vor Gericht verantworten muss. Der 42-Jährige habe bei seiner ersten Vernehmung „sehr nervös“ gewirkt und kein schlüssiges Alibi gehabt, sagte ein Kriminalbeamter. Außerdem habe er sich auffällig für die kriminaltechnische Auswertung von DNA-Spuren interessiert.

„Nicht in die Ermittlungen involviert“

Für besondere Brisanz sorgte dazu sein Privatleben, der zum Tatzeitpunkt mit einer Kriminal-Kommissarin liiert war. Sie habe die Beziehung im November beendet, sagte die 31-jährige Polizistin im Zeugenstand. Grund seien zahlreiche Lügen gewesen, die ihr der 42-Jährige im Laufe der einjährigen Beziehung erzählt habe. Dass der 42-Jährige an der Ermordung von Simon Paulus beteiligt sein könnte, habe sie nicht geahnt. Allerdings habe sie auch keine Informationen zum dem Fall weitergegeben, da sie nicht in die Ermittlungen involviert war und keine Details kannte.
Neue Erkenntnisse über die Täter erhoffte sich die Polizei am Donnerstag bei der Suche nach Hinweisen am Fundort des Leichnams im Hagenschießwald. 25 Beamte durchkämmten das Waldstück.
SUCHE NACH SIMON PAULUS: Beamte der Soko „Wagner“ durchkämmten das Waldstück, in dem die Leiche des Jägers gefunden worden war. (Archiv) | Foto: Gress (Archiv)
Der Verteidiger des 30-Jährigen, Anwalt Ulrich Sommer, beantragte eine Verwertungssperre für die Auswertung eines abgehörten Gespräches zwischen seinem Mandanten und einem 27 Jahre alten Mitangeklagten durch eine phonetische Sachverständige. Laut dem phonetischen Gutachten haben sich beide Männer über die geplante Ermordung einer 60-jährigen Frau aus den Enzkreis unterhalten. Weil die Audiodateien mit menschlichen Gehör kaum zu verstehen waren, musste die Sachverständige die Kommunikation in einen Kontext bringen und erhielt dafür Einsicht in die Ermittlungsakten. „Deshalb hatte sie auch keine Chance für eine andere Interpretation“ begründete Sommer seinen Antrag zur Nichtverwertung der „spekulativen Interpretation“.

Am Freitag, 16. August, wird die Verhandlung fortgesetzt.

 

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