Herrlich unpersönlich ist der Postverkehr über eine sogenannte Paketstation, so unpersönlich gar, dass Betrüger mit gestohlenen Identitäten Bestellungen aus dem Internet abräumen können. Hier ein Symbolbild. | Foto: Collet

Waren gingen nach Berlin

Landkreis Rastatt: Betrüger zocken über Paketstation ab

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Vielleicht war es ja ein schönes Kleid und Hannah K. (Name geändert) hätte toll drin ausgesehen. Doch wer immer dieses Kleid auch trägt, Hannah K. ist es nicht. Und doch soll sie es bezahlen. Die Frau aus dem Landkreis Rastatt ist richtig sauer, und das zurecht. Betrüger haben in ihrem Namen und auf ihre Rechnung bislang insgesamt 15 mal teure Sachen im Internet bestellt. Weder von den Bestellungen noch von der Auslieferung hat die Betrogene je etwas mitbekommen.

Geschädigte bekommt Mahnungen

Von den Kleidern, Schuhen und Elektroartikeln, die allesamt über eine Paketstation in Berlin direkt in die Hände der Betrüger gingen, sieht Hannah nur die Mahnungen. „Ich habe nichts bestellt und ich habe nichts erhalten“, sagt die 63-Jährige. „S.Oliver will 177 Euro von mir für eine Bestellung, von der ich nichts weiß und mit der ich nichts zu tun habe.“

Ich habe nichts bestellt und ich habe nichts erhalten.

Hannah K. ging zur Polizei und die fand heraus, dass bei diesem Betrug tatsächlich nur ihr Name und ihre Wohnadresse verwendet wurden. „Die E-Mail-Adresse war falsch und mein Geburtsdatum war auch falsch angegeben.“ Von der Polizei erfuhr sie auch, dass insgesamt 15 Bestellungen über ihren Namen und die falsche E-Mail-Adresse abgewickelt und ausgeliefert wurden. Die ausgetricksten Händler sandten die Rechnung für die Waren zunächst wohl an die falsche E-Mail-Adresse. Erst bei den Mahnungen griffen sie auf die angegebene Wohnadresse zurück. Hannah K. muss also damit rechnen, dass demnächst noch 14 weitere Mahnschreiben bei ihr eingehen.

Betrüger gehen auf Einkaufstour

Der Trick ist nicht neu und doch können weder die Polizei noch die Deutsche Post erklären, wie er in diesem Fall funktioniert hat. Die Betrüger suchen sich irgendeinen unbeteiligten Menschen, dessen tatsächliche Adresse sie kennen, gehen mit einer falschen E-Mail-Adresse auf Einkaufstour ins Internet und bestellen überall dort, wo man auf Rechnung kaufen kann.

Paketstation als Lieferadresse

Als Rechnungsadresse geben sie die reale Wohnadresse ihres Opfers an. Als Lieferadresse jedoch eine anonyme Paketstation am anderen Ende der Republik. Und genau hier ist der Punkt, an dem die Sicherheitsvorkehrungen offensichtlich versagen. Eigentlich dürfte niemand das Schließfach einer Paketstation öffnen können, wenn er sich nicht eindeutig als rechtmäßiger Empfänger der Sendung ausgewiesen hat.

Ich habe nie so einen Paketstation-Zugang beantragt und auch nie unverlangt einen Zugang von der Post zugesandt bekommen.

„Jeder Nutzer wird im Rahmen des Registrierungs-Prozesses, bei dem alle zur Zeit gängigen Sicherheitsmethoden angewandt werden, initial überprüft“, antwortet die Post, wenn sie auf die Vorfälle angesprochen wird. Und sagen will sie damit, dass sie sich von ihren Paketstation-Kunden eigentlich den Personalausweis zeigen lässt. Wie sich die Betrüger unter dem Namen von Hannah K. bei der Post anmelden konnten, ist nicht nur für sie ein Rätsel. Ausweis verloren? Jemals per Online-Video ein Bankkonto eingerichtet? Nein, sagt das Opfer. In der Vergangenheit wurden immer wieder Zugangskarten, die die Post an ihre Kunden verschickt, abgefangen und zu betrügerischen Zwecken eingesetzt. Hannah schließt auch das aus. „Ich habe nie so einen Paketstation-Zugang beantragt und auch nie unverlangt einen Zugang von der Post zugesandt bekommen.“

Neuland für Rastatter Polizei

Für die Polizei in Rastatt ist das Neuland. Nach Angaben eines ihrer Sprecher machten sich die Beamten nach der Presseanfrage im Internet schlau, wie Betrüger in solchen Fällen arbeiten. Am Ende könnte in Berlin ein gefälschter Ausweis vorgelegt worden sein. Doch wer fälscht den Ausweis einer 63-jährigen Frau aus dem Landkreis Rastatt und macht sich dann in Berlin so zurecht, dass sich Postbeamte täuschen lassen? Kosten werden auf Hannah K. wohl keine zukommen.

Gefühl von Unsicherheit bleibt

Die Betrogenen sind die Händler, die unvorsichtigerweise nicht auf Vorkasse bestanden. Doch für die Frau bleibt ein Gefühl von Unsicherheit zurück. „Wie kann das passieren? Wie können sich Fremde als mich ausgeben und einfach einkaufen? Was können die mit meiner gestohlenen Identität noch alles anstellen?“ Die Post hat den Zugang inzwischen gesperrt. Wie er jemals eingerichtet werden konnte, bleibt unklar. Polizei und Post ermitteln noch.