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Heiligabend

Wer an Weihnachten in Baden-Baden arbeiten muss

In manchen Berufen nimmt das Fest der Liebe nicht auf den Dienstplan Rücksicht. Viele Berufsgruppen sind an den Feiertagen im Einsatz.

Auch die Kinder von St. Bonifatius arbeiten an Weihnachten. Sie führen das Krippenspiel auf. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Lichter überall. Der Gänsebraten ist längst in der Röhre, die Plätzchen gebacken. Doch manch einer muss die Weihnachtsklassiker zu einem späteren Zeitpunkt genießen. Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Pflegekräfte – viele Berufsgruppen sind an den Feiertagen nicht bei ihren Lieben, sondern im Einsatz.

„Natürlich kann das Arbeiten an Weihnachten eine Familie belasten“, weiß der Mediziner Patrick Fischer. „Ich kann jeden verstehen, der versucht, um diesen Dienst herumzukommen.“

Andererseits wisse man mit Eintritt in den Beruf, dass Dienste an Wochenenden, Feiertagen, Hochfesten anfallen werden. „Es wird nicht besser, wenn man frustriert am Schimpfen ist“, rät er zu einer positiven Grundhaltung um diese Umstände besser zu verarbeiten. „Außerdem kann man jedes Fest nachholen; dann ist Weihnachten eben morgens um zehn Uhr, wenn man abends arbeiten muss.“ Denn letztlich könne man aus jeder Situation immer etwas Wunderbares machen.

Das gilt speziell für die kommenden Feiertage, findet Dekan Michael Teipel. „Wenn man sich als Pfarrer nicht auf Weihnachten freut, ist was falsch gelaufen.“ Ein Gefühl, das bereits Tage vor dem Fest mit einer entsprechenden Anspannung einher gehe. „Bei Kinder kommt diese meist von der Vorfreude aufs Auspacken, bei mir ist es die Vorbereitung der Gottesdienste.“

Pfarrer predigt an Weihnachten

Das mag anstrengend sein, zugleich aber auch schön. „Das größte Geschenk für mich ist es, wenn etwas von dem, was ich in meinem Predigten weitergeben möchte, ankommt.“ So wird er am Heiligen Abend an verschiedenen Stellen im Einsatz aber auch zu Gast sein. „Ich liebe Weihnachten schon sehr“, gibt er offen zu.

Zwangsläufig wird er dieses Hochgefühl jedoch nicht mit seiner Familie, den Eltern teilen können. „Wir feiern am zweiten Weihnachtstag zusammen.“ Den Abend des 24. Dezember wird er mit zwei Kaplanen und der Mutter eines dieser Kollegen beim gemeinsamen Abendessen verbringen“ verrät er.

Ganz so besinnlich wird die Arbeit von Karin Ziegler nicht sein. Sie ist am 24. zum wiederholten Male im Spätdienst. „Natürlich muss ein Krankenhaus, und in meinem Fall eine Intensivstation, auch an Feiertagen und Wochenenden weiter funktionieren“, sagt sie.

Weihnachten auf der Intensivstation

An Weihnachten sei die Situation jedoch eine besondere. Man betreue Patienten, die ihren Familien in diesen Tagen besonders fehlen und umgekehrt. „Auch das Personal fehlt an diesen Tagen in seinen Familien.“ Wen der Dienst trifft, der versuche Weihnacht entsprechend um die Arbeitszeit herum zu organisieren. Es werde aber auch immer versucht, die familiäre Situation im Dienstplan zu berücksichtigen.

„Wenn ich an Heiligabend Spätdienst habe, denke ich immer um 16 Uhr daran, dass ich - als meine Kinder klein waren - da schon mitten im Fest war. Statt Krippenspiel ist es jetzt die Intensivstation.“ Gefeiert wird dann eben erst nach 21 Uhr. Aber auch bei der Arbeit fühlen sich solche Tage anders an.

„Der Geist des Weihnachtsfests ist immer dabei und bricht sich zwischendurch immer wieder Bahn.“ Alle, Personal, Angehörige und zuweilen auch die Patienten, sind irgendwie anders gestimmt als in „normalen“ Diensten. „Das Essen ist festlicher und etwas Besonderes, der Pausenraum ist geschmückt, und wenn ich dann nach Hause gehe, ist es ein bisschen so als gehe ich von der einen Familie zur nächsten. Wenn es erst einmal Abend ist, finde ich es gar nicht mehr so schlimm Heiligabend auf Station verbracht zu haben, trotz allem.“

Auch für Christian Frisch, der in der Wohnungslosenhilfe der Caritas den Hut aufhat, ist der 24. ein Arbeitstag. „Das ist für mich gesetzt.“ Und zwar schon seit mehr als 20 Jahren. Die Weihnachtspredigt, die Bescherung der Bewohner, das sei schon etwas Berührendes, was für ihn fest zu Weihnachten dazugehört.

Das Schönste sei jedoch, dass kaum das Telefon klingelt und alles irgendwie zur Ruhe zu kommen scheint. „Da finde ich ein bisschen mehr Zeit, um den Menschen zuzuhören. Das ist eine Zeit, die ich sehr liebe.“

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