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Sauna im Sommer

Die Caracalla Therme in Baden-Baden kommt ins Schwitzen

Die Corona-Krise geht an dem sprudelnden Publikumsmagneten nicht spurlos vorbei – weniger Badegäste, eine lange Zwangspause und Verluste in Millionenhöhe. Dennoch hält die Therme an ihrem Masterplan fest.

Die Seele baumeln lassen: Der Außenbereich der Caracalla lädt besonders im Sommer zum Entspannen ein. Foto: Julian Meier

Berti Nöltner breitet gerade ihr gelbes Handtuch auf der weißen Liege aus. Das angenehme Rauschen des Wasserfalls im Becken nebenan lädt zum Schlummern ein. Sie wärmt sich unter den Rotlichtlampen auf – auch bei hochsommerlichen Außentemperaturen von über 30 Grad. Der Besuch der Caracalla Therme gehört für sie und ihren Mann seit über zehn Jahren zum festen Wochenprogramm, Sommer hin oder her. Über eine eventuelle Ansteckung mit dem Coronavirus müssen sich die Badegäste bei Einhaltung der Regeln keine Sorgen machen.

Lüftungsanlage läuft auf Hochtouren

Denn die Wohlfühl-Oase schreibt Infektionsschutz groß. Konrad Lansche, Betriebsleiter der Carasana Bäderbetriebe, verrät, dass ein Konzept hierzu bereits im April ausgearbeitet worden sei. Außerdem sei die Lüftungsanlage mehr als gut für die Pandemie gerüstet: Innerhalb von zehn Minuten wird die Luft im gesamten Badebereich ausgetauscht.

Für den verspäteten Start in die Saison hat der Bäderbetrieb sein Personal verdoppelt. Vorerst dürfen nur 400 Gäste gleichzeitig in die Therme – im Sommer werde diese Obergrenze ohnehin selten erreicht, erklärt er. Eine Online-Anmeldung ist in der Therme nicht nötig.

Mehr als zwölf Wochen hatte die Therme geschlossen. Für Lansche gefühlt eine halbe Ewigkeit. Der Betriebsleiter spricht von einem Verlust, der sich im mittleren siebenstelligen Bereich bewege und den Bäderbetrieb wohl noch eine Weile ins Schwitzen bringe.

Wir konnten nicht einfach den Schlüssel umdrehen und die Türen schließen.
Konrad Lansche, Betriebsleiter der Bäderbetriebe Carasana

Mit der Hiobsbotschaft am 14. März musste die Therme quasi über Nacht die Schotten dichtmachen. Leichter gesagt als getan: „Wir konnten nicht einfach den Schlüssel umdrehen und die Türen schließen”, erklärt Lansche. Die Räume mussten auf einer konstant hohen Temperatur gehalten werden, damit es zu keinen Schäden in und an den Becken kam. Die Stillstandskosten der Therme waren über die Zeit des Lockdowns demnach sehr hoch, Lansche spricht von mehreren hunderttausend Euro im Monat.

Der fehlende Umsatz an den Kassen setzte dem ganzen Unterfangen noch eins obendrauf. „Wir hatten länger geschlossen als erwartet”, erklärt Lansche. Als es schon fast zu spät gewesen war, bekam der Bäderbetrieb grünes Licht. Anfang Juni hat die Therme innerhalb von 48 Stunden ihre Becken wieder auf Betriebstemperatur geheizt und den Gästen die Türen geöffnet.

Masterplan 2022: Ein millionenschweres Projekt sieht die Sanierung und Modernisierung der Caracalla Therme vor. Foto: Jan Bürgermeister

Die Caracalla zeigt erste Altersflecken

Die Caracalla feiert dieses Jahr ihren 35. Geburtstag. „Das Gebäude wird alt”, räumt Lansche ein. Der Masterplan 2022 sieht vor, die Therme auf Vordermann zu bringen und umfangreich zu modernisieren. Die Sanierung und die Erweiterung der Saunalandschaft, die Eröffnung einer Panorama-Sauna, die Erweiterung des Außenbereichs um das noch fehlende Schwimmerbecken und der Umbau des Gastronomie- und Wellnessbereichs sind nur einige der Vorhaben, die auf der Agenda stehen.

Die Kosten für das Großprojekt belaufen sich auf circa 40 Millionen Euro, wie aus einem Schreiben des Landtagsabgeordneten Tobias Wald (CDU) an Finanzministerin Edith Sitzmann hervor. Ziel sei es, den Gästen einen noch angenehmeren und vor allem moderneren Aufenthalt zu ermöglichen. Die Sanierung der Umkleiden steht als erstes auf dem Programm.

Auch junge Menschen besuchen die Therme

Der Reiz, die Therme auch bei hochsommerlichen Temperaturen zu besuchen, ist bei vielen Kunden da. Nöltner schließen sich viele Badegäste an. Dabei sind es nicht nur ältere Menschen, die die Ruhe und Entschleunigung genießen, sondern auch viele junge Menschen. Lansche spricht von einem niedrigen Durchschnittsalter. 45 Prozent der Badegäste gehen saunieren, das gilt jedoch für die Wintersaison.

Im Sommer verschlage es nur ein Drittel in die Heißluftbäder. Edwin Van den Bosch ist einer von ihnen. Er kommt gerade aus einem der sprudelnden Erholungsbecken und zieht sich seine Badeschuhe an. Der Niederländer wirkt sichtlich entspannt. Er ist zu Besuch in der Kurstadt. Der Gang in die Caracalla darf hier natürlich nicht fehlen. Durch den Wechsel zwischen warmen und kaltem Wasser sei der Sprung ins Nass immer wieder wieder erfrischend – auch im Sommer.

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