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Vorwurf aus den 90er Jahren

Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs gegen Bühler Pfarrer – keine Rückkehr in das Amt

Wegen „Grenzverletzungen und sexuellen Missbrauchs” hat das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg einem Bühler Pfarrer mit sofortiger Wirkung die Ausübung priesterlicher Dienste untersagt.

Pfarrkirche St. Peter und Paul Bühl Foto: Coenen Ulrich

Gegen den 61-Jährigen sei eine Anzeige „wegen Grenzverletzungen und sexuellen Missbrauchs” erstattet worden, teilt die Pressestelle des Ordinariats am Freitag mit. Der Vorwurf beziehe sich auf einen Fall in den 90er Jahren, als der Priester Internatsseelsorger in Sasbach war. Der Pfarrer kündigt an, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens nicht mehr in sein bisheriges Amt zurückzukehren.

Ordinariat sieht keine Alternative

Das Opfer hatte sich zunächst ans Ordinariat gewandt, in Abstimmung sei dann bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet worden. Parallel werde gegen den Priester ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet. Vor einem möglichen erneuten Einsatz in der Seelsorge sehen die geltenden Bestimmungen zudem vor, sich einer psychiatrischen Begutachtung zu unterziehen.

Die Leitung der Erzdiözese spricht von einer überraschenden und schockierenden Nachricht für die Pfarrgemeinde, die nun einer Vakanz entgegensehe: „Eine Alternative dazu gibt es aber nicht”, heißt es in der Mitteilung. Solange ein Verfahren aufgrund der erwähnten Vorwürfe laufe, könne ein Priester „nach Maßgabe der Ordnung der Deutschen Bischofskonferenz keine seelsorgerlichen Aufgaben ausüben”.

Das Erzbischöfliche Ordinariat sehe sich gegenüber den von sexuellem Missbrauch betroffenen Menschen in der Verantwortung, „ unabhängig davon, dass auch für jeden Beschuldigten bis zum Abschluss der Untersuchungen die Unschuldsvermutung gilt”.

Pfarrer zeigt sich „total geschockt”

Auf der Homepage der Pfarrgemeinde erschien ein Newsletter, in dem der Pfarrer die Gemeinde darüber informiert, dass er Erzbischof Stephan Burger den Verzicht auf seine beiden Pfarreien angeboten und um Beurlaubung bis zur vollständigen juristischen Aufklärung der Vorwürfe gebeten habe.

Damit wolle er Unruhe in der Pfarrgemeinde verhindern und „jeden Anschein von Vertuschung vermeiden”. Der Pfarrer spricht von einem konsequenten Schritt, „wenn damit auch keinerlei Schuldeingeständnis verbunden ist”. Gegenüber der Redaktion wollte er mit Blick auf das laufende Verfahren keine weiteren Angaben machen; er sprach lediglich davon, „total geschockt” zu sein, und machte deutlich, dass er unabhängig vom Ausgang dieses Verfahrens definitiv nicht mehr in sein Priesteramt in Bühl zurückkehren werde.

Bis über eine Nachfolge entschieden ist, wird übergangsweise der Schwarzacher Pfarrer Manfred Woschek die Pfarreien leiten.

Bitte beten Sie für mich und alle Menschen, die ich irgendwann verletzt habe.
Beschuldigter Bühler Pfarrer

Der Pfarrer deutet in seinem Schreiben an, dass er auch ohne diese neue Entwicklung möglicherweise Bühl bald verlassen hätte: „Tatsächlich ist mir im Nachdenken über meine Situation schmerzhaft klar geworden, dass ich so oder so in Bühl in absehbarer Zeit an meine körperlichen und psychischen Grenzen gekommen wäre (oder zum Teil schon bin).”

Die Corona-Zeit mit immer neuen Herausforderungen, die zusätzliche Aufgabe mit der Übernahme einer weiteren Pfarrei: „Das alles und die ganzen zurückliegenden Jahre mit Volldampf haben soviel Kraft gekostet, dass ich unterbewusst wohl auch Angst vor der Zukunft hatte.” Seinen Brief beendet er so: „Bitte beten Sie für mich und alle Menschen, die ich irgendwann verletzt habe. Ich werde auch an Sie und Euch in meinen Gebeten denken.”

Einen Namen nennt das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg in seiner Pressemitteilung nicht. Auch die BNN verzichten auf die Namensnennung und folgen damit ihrem in zahlreichen ähnlichen Fällen angewandten Grundsatz, aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes auf die Nennung zu verzichten. Ein weiterer Grund dafür ist die Unschuldsvermutung, die auch in Fällen von sexuellem Missbrauch gilt.

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