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Nach dreieinhalb Jahren

Ewald Haitz hört als Dorfbott in Bühl-Eisental auf

Dreieinhalb Jahre lang war Ewald Haitz in Bühl-Eisental der Dorfbott. Mit der Reminiszenz an frühere Zeiten hat er die Menschen zusammengebracht und etwa im Ortsteil Müllenbach der Dorfgemeinschaft neue Impulse gegeben. Jetzt aber hat er aufgehört.

Der Dorfbott kommt: Darauf muss vorerst verzichtet werden. Ewald Haitz hört auf. Foto: Christina Nickweiler

Neulich war Ewald Haitz im Kindergarten. „Dich kennen wir“, sagten einige Kinder zu ihm. Auf die Frage nach seinem Namen riefen sie: „Du bist der Dorfbott!“ Haitz lacht: „Sogar auf der Straße werde ich mit Dorfbott angesprochen.“ Die Nachricht aber, die er im Dezember an seinen Stationen in den Bühler Stadtteilen Müllenbach, Affental und Eisental verbreitete, hat viele Dorfbewohner sprachlos zurückgelassen: Haitz hört auf, die Rolle des Dorfbotts ist nach 37 Auftritten seit September 2016 für ihn beendet.

Wie früher am Stammtisch

Los war es gegangen, als vor rund fünf Jahren bei einem Bürgerforum im „Weinberg“ die Rede darauf kam, wie man die Menschen wieder miteinander ins Gespräch bringen könne, „wie es früher am Stammtisch oder auf dem Bänkel vor dem Haus war“, sagt Haitz. Ein Arbeitskreis Kommunikation entstand, und Ortsvorsteher Jürgen Lauten wurde als Dorv-Projektbegleiter (Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung) auf ein Bundesforschungsprojekt mit dem Titel „SoNaTE“ aufmerksam gemacht: Es steht für „Soziale Nachbarschaft und Technik“.

Digitale Plattform für das Dorf

Lauten sprach mit dem Arbeitskreis und Oberbürgermeister Hubert Schnurr und nahm dann Kontakt zum Forschungsprojekt auf. So kam Eisental rasch in die Rolle eines Pilotprojekts. Dessen Ziel ist der Aufbau einer Kommunikationsplattform für Regional- und Quartierentwicklung. Die Plattform solle jedem im Dorf das Mitmachen ermöglichen, und es gebe auch gut gemachte Beispiele wie nebenan.de. Der Aufbau braucht indes einige Zeit, und um diese zu überbrücken, kam Haitz die Idee des Dorfbotts, jenes Mannes, der einst mit der Schelle im Dorf unterwegs war, um wichtige Neuigkeiten zu verkünden. „Vom Dorfbott zum Dorfnet“, so lautete die Idee.

"Ich habe das wohl zu gut gemacht"

„Am Anfang haben mich alle für verrückt erklärt, und als sie darüber geschlafen hatten, meinten sie, das wäre was“, erinnert sich Haitz. Zunächst habe man vereinbart, dass die Rolle von verschiedenen Akteuren abwechselnd ausgefüllt werden solle. „Ich habe das aber wohl zu gut gemacht“, lacht Haitz. Und so wurde er zu Dorfbott, und zu einer Institution. Ein Fernsehteam wurde auf die Aktion aufmerksam, seit dem vergangenen Jahr gibt es einen „Ableger“ in Unzhurst.

Eineinhalb Tage Vorbereitung

„Ich habe meinen Urlaub danach ausgerichtet und jeden Monat eineinhalb Tage in die Vorbereitung gesteckt“, sagt Haitz. Nicht nur Neuigkeiten wurden verbreitet, auch Umfragen starteten der Dorfbott und sein Team, um zu erfahren, welche Bedürfnisse die Dorfbewohner mit Blick auf die Gemeinschaft haben.

„Es waren sehr, sehr viele schöne Stunden. Ich freute mich immer, wenn ich in die Gesichter schaute. Es war schön, die Menschen zusammenzubringen“, blickt Haitz zurück. Auf seine Ruhestands-Nachricht habe er auch Anrufe aus Nachbarorten erhalten: „Auch dort wurde es bedauert, dass ich aufhöre.“

Dorfgemeinschaft wieder belebt

Besonders groß ist das Bedauern in Müllenbach. Der Dorfbott habe dort die Dorfgemeinschaft wieder belebt, sagt auch Jürgen Lauten. Das Ziel, Kommunikation und Gemeinschaft zu stiften, sei hier in großartiger Weise erreicht worden. „Da war eine Stunde vorher schon was los und zwei Stunden nachher immer noch“, sagt Haitz.

"Oder ich bin draußen"

Dass nun Schluss ist, habe mehrere Gründe: gesundheitliche, die Enkelkinder, für die sich Haitz Zeit nehmen will, und der Umstand, dass das Forschungsprojekt „nicht richtig vorankommt“. Deshalb habe er im vergangenen Januar angekündigt, dass die Plattform bis Jahresende laufen müsse, „oder ich bin draußen“. Nun machte er es wahr. Und vielleicht sprechen ihn die Kinder demnächst mit Dorfbott i. R. an.

Für den Eisentaler Ortsvorsteher Jürgen Lauten kam die Nachricht nicht überraschend. Ewald Haitz hatte ihn und den Arbeitskreis Kommunikation schon im Januar über diese Möglichkeit informiert und im November dann bestätigt, dass er im Dezember die letzte Runde im Ort drehen werde. Lauten hat Verständnis dafür: „Der Aufwand für Ewald Haitz und sein Team war enorm, weshalb wir auch froh waren, dass es dreieinhalb Jahre lang geklappt hat.“ Dass das „Dorfnet“, die angestrebte genossenschaftlich betreute Kommunikationsplattform für Regional- und Quartierentwicklung, noch nicht abgeschlossen ist, habe seinen Teil zu der jüngsten Entwicklung beigetragen. Im Oktober dieses Jahres läuft das Forschungsprojekt SoNaTe in Eisental aus. Ergebnisse ließen noch auf sich warten, obwohl sie längst vorliegen sollten, sagt Lauten. „Ich habe das wiederholt angemahnt. Im Oktober wurde dann eingeräumt, dass man weit hinter dem Fahrplan ist.“ Vielleicht, mutmaßt Lauten, seien die Wissenschaftler nicht nah genug an der Realität dran. Die Plattform existiere zwar schon, aber sie unterscheide sich bis auf das Sicherheitskonzept nicht von schon bestehenden Plattformen und sei nicht so weit, dass sie im Dorf getestet werden könnte. „Unsere Erwartungen haben sich nicht erfüllt“, konstatiert Lauten., „vielleicht haben wir uns auch zu große Hoffnungen gemacht.“ Doch tut sich eine andere Möglichkeit auf: „Wir haben eine Idee, die wir in Eisental umsetzen können.“ Nähere Details mochte Lauten noch nicht nennen: „Es sind noch ein paar Punkte zu klären.“

Und der Dorfbott? Vorerst wird es keine Termine mehr geben. „Das ist natürlich traurig“, sagt Lauten. Einen Nachfolger zu finden, das sei sehr schwierig: „Natürlich haben wir uns Gedanken darüber gemacht, ob es jemanden gibt, der diese Aufgabe übernehmen könnte.“ Aber Haitz habe die Figur stark geprägt, was die Suche nicht einfacher mache. Es sei auch darüber gesprochen, wie der Aufwand reduziert werden könnte, dass der Dorfbott beispielsweise nur jeden zweiten Monat kommt. Doch fand sich bisher keine Lösung, und so muss nun vorerst auf den Dorfbott verzichtet werden.

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