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Neue Perspektive auf alte Heimat

Nach 40 Jahren Bruchsal: Gebürtige Bühlerin ist glücklich, wieder in ihre Heimat gezogen zu sein

Nach 40 Jahren in Bruchsal ist Birgit Schemel aus Bruchsal zurück in ihre Heimatstadt Bühl gezogen - gemeinsam mit ihrem Partner. Beide lassen keinen Zweifel daran, wo sie sich wohler fühlen.

Artur Schmidt und Birgit Schemel möchten in Bühl ihren Lebensabend verbringen. Sie erleben die Stadt als ausgesprochen offen und freundlich. Foto: Katrin König

Von Katrin König

Ach, Bühl! Wie freundlich die Menschen, welch Paradies auf Erden die Landschaft! Für die aus Kappelwindeck stammende Birgit Schemel haben vier Jahrzehnte, die sie mit ihrem Partner Artur Schmidt in Bruchsal lebte, die Perspektive auf ihre Heimat ganz und gar verändert.

Als sie Bühl mit Mitte 20 als ausgebildete Friseurin verließ, rebellierte sie gegen eine ihrer Meinung nach „spießige“ Kleinstadt. Und begegnete in Bruchsal dem totalen Neuland.

Warum aber entschied das Paar überhaupt, ein wunderbares, denkmalgeschütztes Eigenheim mit riesigem Grundstück in einem Bruchsaler Ortsteil zu verkaufen, den fest etablierten und vertrauten Freundeskreis dort zu verlassen, in Schemels Fall sogar den eigenen Friseurladen aufzugeben und im Alter noch einmal neu anzufangen?

Überall Herzlichkeit

Erstaunlicherweise ist es Schmidt, der antwortet. „Ich wollte einen klaren Schnitt, neue Herausforderungen für unseren letzten Lebensabschnitt.“ Bei Besuchen habe er Bühl und Bewohner als sympathisch erlebt, warum nicht hier den Neustart wagen? Außerdem, sagt Schemel, die ihren Partner „niemals zu diesem Schritt gezwungen hätte“, habe auf eine Annonce zwecks Mietwohnung in Bruchsal niemand reagiert.

„In Bühl hatten wir hingegen großes Glück. Wir fanden eine Wohnung mit tollen Vermietern, ganz ohne Immobilienmakler.“ In dieser geräumigen, zentral gelegenen Dachwohnung - mit Aufzug, versteht sich -, können sie sich ihr Alter perfekt vorstellen. „Wichtig war uns, viel zu Fuß machen zu können“, sagt Schemel, und Schmidt fügt augenzwinkernd hinzu: „Und das, obwohl ich in Bruchsal ein Autohaus habe.“ Beide genießen es, zum Markt zu spazieren, die Menschen in den Cafés zu betrachten, in den kleinen Läden einzukaufen, überall Herzlichkeit zu spüren.

Man trifft ja sogar bei den Mitarbeitern des Rathauses auf echte Freundlichkeit. Das sind wir von Bruchsal nicht gewöhnt.
Birgit Schemel

Letztere fällt Schemel besonders ins Auge. „Man trifft ja sogar bei den Mitarbeitern des Rathauses auf echte Freundlichkeit“, sagt sie, und erzählt von einigen Nachfragen beim Bürgerservice. „Das sind wir von Bruchsal nicht gewöhnt.“ Sie umschreibt die in Bühl spürbare Lebenshaltung als „Laissez-faire“ und mutmaßt, diese habe vielleicht auch mit der Nähe zu Frankreich zu tun.

Menschen in der Zwetschgenstadt sehr offen

„Ich wuchs in einer Zeit auf, als die französischen Besatzer noch stets präsent waren. Bis heute ist dies ein bunt durchmischtes Völkchen, wenngleich inzwischen anders bunt.“ Auch Schmidt erlebt die Menschen in der Zwetschgenstadt als „sehr offen“. Er befindet: „Allein ein netter Gruß öffnet doch Welten.“

Offenes Städtchen? Birgit Schemel ist froh, wieder in Bühl zu leben. Foto: Niklas Spether bfc

Begeistert ist er auch von seiner Aufnahme im hiesigen Reitverein, er hat sein geliebtes Pferd gleich mit nach Bühl genommen. „Die Vereinsmitglieder haben mich wie selbstverständlich in ihren Reihen akzeptiert. Sehr schnell war ich nur noch ‚der Artur‘.“

Schemel wiederum hat über die Jahrzehnte hinweg ihre Jugendfreundschaften intensiv gepflegt; an Einsamkeit ist also gar nicht zu denken.

Natürlich sieht gerade sie auch negative Veränderungen. Da wäre der lebendige Springbrunnen im Stadtgarten, den sie sehr vermisst. Auch bedauert sie, dass ihr Kindheitskino nicht mehr existiert: „Bühl ohne Blaue Königin! Das ist so traurig!“ Nun, sagt Schmidt, das bedeute dann wohl, dass sie weiterhin der „Schauburg“ in Karlsruhe treu bleiben müssten. Die frequentierten sie schon von Bruchsal aus. Ein bisschen Großstadtluft kann wohl auch im Alter nicht schaden.

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