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Erste Wine-Bank in Baden

Weinfreunde finden in Bühl einen ganz besonderen Genuss

Nach dem Rheingau und der Pfalz hat jetzt auch Baden eine Wine-Bank. Sie ist im Gewölbekeller einer Villa aus dem 19. Jahrhundert untergebracht und versteht sich als Treffpunkt für Weinbegeisterte. In 198 Fächern können maximal 13.368 Flaschen eingelagert werden.

Zwei Männer, eine Wein-Leidenschaft: Frank Wolz (links) und Thomas Velten betreiben in Bühl die erste Wine-Bank in Baden. Foto: Sonja Bell

Manchmal ist es ganz einfach. Ein paar Freunde, eine Flasche Wein, das notwendige Zubehör, und schon fließt ein angeregtes Gespräch dahin. Wein verbindet – diese zwei Worte beschreiben den Kern einer Wine-Bank. Der Architekt Thomas Velten und der Rechtsanwalt Frank Wolz haben das 2009 im Rheingau begonnene Konzept nach Bühl geholt.

Vieles, was locker und leicht daherkommt, ist das Ergebnis einer gehörigen Portion Arbeit. Auch der Weg zur fertigen Wine-Bank benötigte seine Zeit. Angesiedelt ist sie im Keller der Villa Walchner in der Eisenbahnstraße. Die Querelen um das 1847 von Franz Hermann Walchner errichtete Haus sind eine Geschichte für sich; als Thomas Velten nach vollzogenem Grundstückskauf für die Campus-Bauherren erstmals auf das Gelände konnte, schaute er sich auch in der Villa um.

Beim Anblick des Naturkellers mit seinem Sandsteingewölbe wusste er, dass hier etwas Besonderes seine Heimat finden sollte. Feucht und kalt, mag der Keller seine Schönheit noch ein wenig versteckt haben, doch dem Auge des Architekten entging sie nicht. „Wozu er einst genutzt wurde, wissen wir nicht“, sagt Velten.

Eines von 198: In den Fächern können die Mitglieder Wein einlagern. Foto: Sonja Belle

„Ein spezieller Weinkeller war es nicht.“ Während die neuen Wohngebäude am Campus entstanden, überlegte Velten gemeinsam mit Frank Wolz „in einer Weinlaune, was im Leben Spaß macht“. Sie stießen auf das Konzept der Wine-Bank. Neben dem Rheingau konnte auch die Pfalz eine bieten, dazu findet sie sich in Großstädten wie Hamburg, Köln oder Wien: „Da passt Bühl doch wunderbar dazu“, lacht Velten.

Fächer zur Weinlagerung

In einer Wine-Bank können Fächer zur Weinlagerung angemietet werden. Vor allem aber soll sie eine Stätte sein, an der man sich trifft, über Gott und die Welt und natürlich den Wein diskutiert. Alles Notwendige ist vorhanden, bis hin zu einem „Fast Chiller“, der den Wein innerhalb weniger Minuten auf sieben oder acht Grad herunterkühlt.

Die Wine-Bank ist ein Club, zugangsberechtigt ist, wer ein Fach anmietet; auch Gäste können mitgebracht werden.

Konstant 16 Grad

Ein Jahr lang hat die Umgestaltung gedauert, parallel zum Bau der Campus-Häuser, der Zugang ist barrierefrei und auch an die Campus-Tiefgarage angebunden. Im Keller hat Velten möglichst wenig Eingriffe vorgenommen. Das Ergebnis kontrastiert das historische Gemäuer mit moderner Ausstattung, aus dem nicht mehr ganz so hübschen Entlein ist ein stolzer Schwan geworden.

Das Herzstück ist die beleuchtete Theke, um die herum viel Platz ist. Zwischen den Weintresoren finden sich Nischen mit Sitzgelegenheiten. Technisch musste einiges eingebaut werden, sei es für das Lichtkonzept oder die Klimatisierung: Konstante 16 Grad zeigt das Thermometer.

Eine separate Weinbar ist mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Hier findet sich auch ein kleiner Küchenbereich, ein lokaler Kooperationspartner bereitet auf Wunsch Platten vor, die die Gäste dann im Kühlschrank finden. Als Konkurrenz zur Gastronomie verstehe man sich nicht, eher als Ergänzung, sagt Frank Wolz. Gastronomen, die sich die neue Einrichtung bereits angeschaut haben, sähen auch einen Nutzen für sich: „Man trifft sich hier vor oder nach einem Essen. Das ist ein Mehrwert für Bühl.“

Import aus dem Rheingau: Das Konzept der Wine-Bank startete 2009 in Hattenheim. Foto: Sonja Bell

Neugier auf die weite Weinwelt

Velten und Wolz leben hier ihre Begeisterung für den Wein aus. „Natürlich haben wir hier eine beachtliche Menge investiert, und es wäre schön, wenn sich das irgendwann refinanzieren würde. Vor allem aber ist es unser Hobby“, sagt Velten. Wolz lacht: „Ich bin mittlerweile schlimmer als mein Vater, der die Frage, welchen Wein es zum Essen geben soll, immer ausgiebig erörtert hat.“

Seine Vorlieben liegen auf roten Tropfen aus dem Süden, wobei er auch die einheimischen Gewächse schätzt. Velten wiederum ist immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen: „Ich trinke selten zweimal den gleichen Wein.“ Aktuell sind Weiße aus Deutschland und dem Elsass seine Favoriten.

Beide eint die Neugier auf die weite Weinwelt, und die verbindet sie mit ihren Kunden. Obwohl noch keine Werbung betrieben worden sei, gebe es von Karlsruhe bis Offenburg schon eine gute Nachfrage, etliche Fächer seien bereits an den Weinfreund gebracht worden. Eigentlich sollte der Startschuss Ende April mit einer großen Eröffnungs-Sause fallen. Doch die Corona-Pandemie ließ das nicht zu. Im Freundeskreis habe sich die Neuigkeit aber schnell herumgesprochen, „und wir sind mehr als zufrieden bisher““, sagt Velten.

Der Wein verbindet

Diese Zufriedenheit bezieht sich nicht nur auf die Zahl der belegten Fächer, sondern auch auf die gesellige Atmosphäre unter dem Gewölbe: „Die Leute stehen strahlend an der Theke“, freut sich Wolz. Sie unterhalten sich, eben noch Fremde lernen sich bei einem guten Tropfen kennen. Wein verbindet eben.

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