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Vandalismus an Gedenkstätte in Bühl

Wer hat Maritta Wilkes Seelenort für ihren Sohn zerstört?

Unbekannte zerstörten eine Gedenkstätte im Wald am Schartenberg bei Bühl. Dort war ein junger Mann beim Joggen am plötzlichen Herztod gestorben. Für seine Mutter rissen alte Wunden wieder auf und in den sozialen Netzwerken schlägt die Geschichte große Wellen.

Fassunglos: Maritta Wilke an der Gedenkstätte für ihren Sohn, die dieser Tage von Unbekannten zerstört wurde. Das kunstvoll geschmiedete Herz mit dem Bild von Achim Wilke fehlt seitdem. Foto: Jörg Seiler

Es ist für Maritta Wilke ein Seelenort, dieser Platz mitten im Wald am Schartenberg, oberhalb des Bühler Stadtteils Eisental. Am 19. Mai 2007 erlag ihr Sohn Achim dort beim Joggen dem plötzlichen Herztod. Maritta Wilke richtete eine kleine, sehr persönliche Gedenkstätte ein: Ein Stein mit Namen, Geburts- und Todestag, sie hat alles selbst eingraviert, sowie ein geschmiedetes Herz mit einem Portrait ihres Sohnes.

Und jetzt der Schock: Unbekannte haben diesen emotionalen Ort der Erinnerung zerstört. Eine Spaziergängerin, die regelmäßig dort vorbeikommt, machte die Tat auf Facebook in der Gruppe „Bühlertal und Umgebung“ öffentlich, stellte Bilder dazu, die die Folgen dieses Aktes des Vandalimus zeigen.

Das kunstvolle Herz, das der Großvater des besten Freundes von Achim Wilke schuf, fehlt. Gestohlen? Irgendwo in den Wald geworfen?

Plötzlicher Tod im Wald

Es gibt einige offene Fragen. Eines ist jedoch klar: „Das hat bei mir alten Wunden wieder aufgerissen“, sagt Maritta Wilke. Man merkt es ihr an, an diesem eigentlich ganz normalen Freitagmorgen, der für sie alles andere als normal ist. Es ist der erste Besuch an ihrem Seelenort, nachdem er zerstört wurde. Der Namens-Stein ist wenigsten wieder da, er lag irgendwo im Wald, weg geworfen.

Besondere Erinnerung: In diesen Stein hat Maritta Wilke selbst den Namen ihres Sohnes eingraviert. Foto: Jörg Seiler

Die Spaziergängerin hat ihn gesucht und wieder hingelegt, berichtet Maritta Wilke. Buchstaben und Zahlen hat sie mit der Farbe ausgemalt, mit der Achim seine Studentenbude in Karlsruhe gestrichen hatte. Ein junger Mann, der sehr beliebt war, der mit beiden Beinen im Leben stand, der zielstrebig war, der gerne Sport machte. Beim Energieversorger EnBW absolvierte er ein duales Studium. „Der hat gewusst, was er wollte“, so die Mutter.

Vermutlich gestohlen: Das geschmiedete Herz fertigte der Großvater eines guten Freundes von Achim Wilke. Foto: Maritta Wilke

Der Sport war dem jungen Mann wichtig. Angesichts eines Hallenfußballturniers fühlte er sich wohl nicht fit genug. Die Strecke von der Aussichtshütte am „Heißen Stein“ hinauf zur Tränke und weiter Richtung Bildeiche lief er gern, der Weg ist bei Joggern, Mountainbikern, Wanderern und Nordic Walkern gleichermaßen beliebt.

Auch am 19. Mai 2007 schnürte Achim wieder seine Laufschuhe, eine Freundin begleitete ihn, war aber an der Steigung zurück gefallen. Um 12 Uhr endete das Leben des gerade mal 22-Jährigen - plötzlich, unerwartet, sein Herz hörte auf zu schlagen. Jegliche Hilfe kam zu spät.

Facebook-Mitglieder äußern Mitgefühl und Wut über die Tat

„Ich bin an seinem Tod fast zerbrochen“, schildert Maritta Wilke ihre Geschichte in der Facebook-Gruppe. Ihr sei nur noch geblieben, mit Genehmigung des Forstamts eine Gedenkstätte für ihn zu bauen. Vor Ort nennt sie ihre Beweggründe - dieses Memorial sei ihre wichtiger als die Grabstätte auf dem Friedhof. „Denn da oben ist seine Seele aus seinem Körper. Jedes Jahr an seinem Todestag um 12 Uhr bin ich da oben - der Zeitpunkt an dem er sein Leben ließ. Und ich spiele sein Lieblingslied von einer CD, die er mir von seiner Neuseelandreise mit gebracht hat.“ schrieb sie schon im Netz.

„Land Of Trees“ heißt das Stück. Es setzt die landschaftliche Einzigartigkeit des Inselstaats in Klänge um. Maritta Wilke hat es auf ihrem Smartphone, spielt es auch an diesem Freitagmorgen, wie immer, wenn sie den Ort besucht, an dem ihr Achim starb.

Seit diesen Tagen im September 2020 ist alles anders an diesem verletzten Seelenort. In der Facebook-Gruppe äußern viele Mitglieder ihr Unverständnis, sind sauer, frustriert, fassungslos. „Kein Anstand mehr“, schreibt einer, er finde es echt traurig, fragt, was in manchen Köpfen vorgehe. Ein andere Kommentator spricht schlicht von „Vollhonks“, ein weitere findet noch ein deutlicheres Wort.

Die Gemeinschaft im sozialen Netzwerk bewirkte dann, dass Maritta Wilke schnell von der Zerstörung der Gedenkstätte erfuhr, ein Mitglied meldet sich mit folgendem Eintrag: „Ich kannte Achim und werde seine Mama informieren. Das ist das Letzte, warum gibt es nur so kranke Menschen.“

Bei der weiteren Recherche erhärtet sich der Verdacht, dass da wohl wirklich jemand randaliert hat. An der nicht weit entfernten Aussichtshütte ist der Bauhof aktiv. Es sei nicht ihr Zuständigkeitsgebiet sagt einer der Männer, da sei der Forst verantwortlich. Doch der hat nichts abgeräumt, das erfährt die Redaktion bei einem Anruf. Marita Willke will aber nicht aufgeben, sie will die Gedenkstätte, an der ein von ihr gepflanzter Kirschlorbeer wächst, neu einrichten.

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