Skip to main content

Im Visier: die „laute Last“

Staatssekretärin spricht im Unimog-Museum in Gaggenau über Jahrhundertaufgabe

50 Besucher kamen am Donnerstag ins Unimog-Museum zu einer Podiumsdiskussion über „Lärmschutz“. Eingeladen hatte Landtagsabgeordneter Thomas Hentschel (Grüne).

Feierabendverkehr auf der B 462: Während vor der Haustür des Unimog-Museums die Autos Schlange stehen informier sich im Museum 50 Besucher einer Podiumsdiskussion von Bündnis 90/Die Grünen über das Thema „Lärmschutz“. Foto: Ralf Joachim Kraft

Die Formel, auf die sich der Informations- und Diskussionsabend im Unimog-Museum in Gaggenau bringen lässt, ist denkbar einfach: Immer mehr Verkehr auf den Straßen erzeugt immer mehr Lärm. Und immer mehr Lärm bedeutet immer mehr Stress, macht krank und steigert die Unzufriedenheit der Bürger.

Auf der B462, also direkt vor der Haustür, standen im dichten Feierabendverkehr die Autos Schlange – und im Museum die Menschen.

50 Besucher waren am Donnerstagabend einer Einladung des Landtagsabgeordneten Thomas Hentschel (Die Grünen) zur Podiumsdiskussion unter dem Titel „Lärmschutz – eine Jahrhundertaufgabe“ gefolgt.

„Lärmschutz – eine Jahrhundertaufgabe“

Elke Zimmer, Staatssekretärin des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg, stellte das Thema Lärmschutz als einen der politischen Schwerpunkte der Landesregierung vor. Dann kamen als Betroffene die Vertreter dreier Bürgerinitiativen zu Wort. Nach der Podiumsdiskussion mit den Referenten hieß es: Feuer frei für die Fragen der Bürger.

Iris Sutter, Vorsitzende der BI Lärmschutz Rastatt-Münchfeld, schilderte den jahrelangen Kampf für Lärmschutz an der Ortsdurchfahrt B3/Badener Straße und für eine Querspange von der B3-Neu zur L75 (ehemals B36).

„Als 2008 die B3-neu freigegeben und die A5-Ausfahrt Rastatt-Süd in Betrieb genommen wurde, hat sich die Lärmproblematik verschärft. Die Ortsdurchfahrt wurde zum Autobahnzubringer“, berichtete Sutter.

Die Ortsdurchfahrt wurde zum Autobahnzubringer.
Iris Sutter, Vorsitzende der BI Lärmschutz Rastatt-Münchfeld

Anträge auf nachträglichen Lärmschutz habe das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) abgelehnt. Stattdessen kam Flüsterasphalt und nächtliches Tempo 30 auf einem Teilstück. „Der Effekt ist aber gleich null“, ergänzte der zweite BI-Vorsitzende Thomas Kehrer, der in den Zuschauerrängen saß.

Wie die BNN berichteten, hatte das RP ab 2010 eine Querspange zwischen B3 und L75 geplant. Doch die Planung wurde 2011 als naturschutzrechtlich nicht genehmigungsfähig beurteilt und 2013 eingestellt.

Querspange: voraussichtlicher Baubeginn 2025

2016 nahm die Stadt Rastatt in Abstimmung mit dem RP die Planung mit modifizierter Trassenführung und minimiertem Eingriff in Natur und Landschaft wieder auf. Elke Zimmer stellte die Planfeststellung für 2023 und einen voraussichtlichen Baubeginn im Jahr 2025 in Aussicht.

Manfred Striebich, Sprecher der Initiative Lärmschutz der Siedlergemeinschaft Ottenau, widmete sich zunächst dem Lärmschutz an der B462.

Den gebe es inzwischen in Form von Flüsterasphalt und Betongleitwand. Gefühlt habe der Lkw-Verkehr dennoch zugenommen und der Flüsterasphalt bringe bei Lastern fast gar nichts.

Das ist kein zukunftsweisendes Verkehrskonzept.
Manfred Striebich, Sprecher der Initiative Lärmschutz der Siedlergemeinschaft Ottenau

Es sei nötig, dessen Wirkung zu überprüfen und das Lkw-Aufkommen erneut zu erfassen. Zum Thema Lkw-Parkplatz am Amalienberg erklärte der Sprecher: „Der ist seit 2016 offiziell für Lastwagen gesperrt, allerdings können sie dort weiterhin ungehindert parken.“

Die Folge sei Lärm durch Kühlaggregate und Motoren. Jetzt sei geplant, diesen Parkplatz oberhalb des Wohngebiets mit neuem Rückwärtsparken und Lärmschutzwand auszubauen.

„Das ist kein zukunftsweisendes Verkehrskonzept“, betonte Striebich, der sich für einen großen und zeitgemäßen Lkw-Rastplatz mit Übernachtungsmöglichkeiten an geeigneter Stelle entlang der B462 aussprach. Die dritte Forderung der Initiative betraf das noch immer nicht umgesetzte Tempo 30 in der Ebersteinstraße.

Mautflüchtlinge nachts – und am Wochenende Motorradlärm

Dass es in Michelbach neben „lautem, unnötigem Motorrad- und Freizeitlärm“ auch Probleme mit Lkw-Verkehr gibt, berichtete Konstantin Rost, Sprecher der Michelbacher Interessengesellschaft gegen Lärm auf der L613.

Zunehmend ein Problem seien die Mautflüchtlinge in der Nacht Er fordert eine Lkw-Maut auch auf Landesstraßen. An den Wochenenden sorgten zu laute Motorräder und Sportwagen für Unmut.

Die Stadt Gaggenau habe alles in ihrer Macht Stehende getan. „Aber Tempo 30 war das Maximum. Alles weitere akzeptiert das RP nicht, weil es die Sicherheit und nicht den Lärm und die Gesundheit der Anwohner in den Vordergrund stellt“, bedauerte Rost.

Er forderte: „Die Realität vor Ort muss stärker einbezogen werden.“ Statt der Durchschnittswerte gelte es, die konkreten Spitzen zu berücksichtigen. Elke Zimmer verwies in diesem Zusammenhang auf die „erfolgreiche Initiative Motorradlärm“, an der sich mittlerweile mehr als 160 Kommunen beteiligen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang