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Ziegler-Betriebsrat will bessere Bedingungen

Textilbranche und der Acherner Firma Ziegler stehen Streiks bevor

In der Textilindustrie haben die Tarifverhandlungen begonnen. Auch die Firma J.H. Ziegler in Oberachern ist mit im Boot, obwohl sie eigentlich vor allem in der Automobilindustrie unterwegs ist.

Laut sein, pfeifen und trommeln: Das dürfen die Beschäftigen nach dem Ende der sogenannten Friedenspflicht, in diesem Fall nach dem 31. Januar. Wie das allerdings unter Corona-Bedingungen aussehen kann, ist noch offen. Foto: Tobias Felber

In der Textilindustrie stehen Warnstreiks bevor – das betrifft auch die Firma J.H. Ziegler in Oberachern. Auftakt der Tarifverhandlungen zwischen der Kommission der IG Metall und den Arbeitgeberverbänden war am Dienstag: Die Gewerkschaft fordert vier Prozent mehr Geld und eine Regelung der Altersteilzeit.

„Elektro und Metall sind normalerweise die Flaggschiffe in unserer Gewerkschaft, die kleineren Branchen vergisst man gerne“, sagt Thomas Bredow von der IG Metall Offenburg im ABB-Gespräch gemeinsam mit zwei Betriebsräten der Firma Ziegler, Dominic Lausch (Vorsitzender) und Julia Scholz, die beide auch Mitglied der Tarifkommission sind.

Dass die Situation durch die Corona-Krise für alle schwierig ist, erschwert die Frage nach Forderungen.

Die kleineren Branchen vergisst man gerne.
Thomas Bredow, IG Metall Offenburg

Ziegler macht nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Ehret-Eisner rund 80 Prozent seines Umsatzes mit technischen Vliesstoffen im Sitz- und Akustikbereich in der Automobilindustrie, wird aber der Bekleidungs- und Textilindustrie zugeordnet. Diese habe in der Pandemie sehr zu kämpfen: Für 2021 deuteten sich in der Branche, wie auch in anderen, rote Zahlen an, so Thomas Bredow.

„Wir haben uns deshalb in der Forderungsdiskussion schwergetan“, sagt er, denn es gebe eine große Bandbreite von insolventen Betrieben bis hin zu solchen, die mehr Personal brauchen. Nun fordert die IG Metall für die Beschäftigten in diesem Bereich vier Prozent mehr Geld, mindestens aber 100 Euro, und eine Fortführung der Altersteilzeit mit höherer Auszahlung und höherer Quote.

Dominic Lausch, Betriebsrat J.H. Ziegler Foto: Stefanie Prinz

Bei Betriebsrundgängen bei Ziegler am Tag des Verhandlungsauftakts und Gesprächen mit den Mitarbeitern nach deren Wünschen hätten die einen diese Forderungen für gut befunden, andere hätten gefragt, ob man in der aktuell für alle schwierigen Lage überhaupt etwas fordern könne, so Dominic Lausch: „Wenn wir mit nur zwei statt vier Prozent ins Rennen gehen würden, bekämen wir nur ein Prozent – wir müssen also.“

Julia Scholz, Betriebsrätin J.H. Ziegler Foto: Stefanie Prinz

Vor allem die Altersteilzeitverträge seien in der Tarifkommission vorab ein Thema gewesen: Weil die Quote hier gemäß dem auslaufenden Tarifvertrag bei zwei Prozent liegt, gibt es in ihrem Betrieb mit insgesamt rund 200 Beschäftigten vier Plätze für Altersteilzeit, die jeweils vier Jahre lang belegt sind, erläutern Dominic Lausch und Julia Scholz. Diese Quote führe zu einem Stau: „Viele wollen oder müssen tatsächlich irgendwann aus dem Beruf raus. Man vergisst oft, dass es hier um Handwerk geht, das körperlich anstrengend ist.“

Man vergisst oft, dass es hier um Handwerk geht, das körperlich anstrengend ist.
Dominic Lausch und Julia Scholz, Betriebsräte

Viele ältere Kollegen seien davon mitunter so „gebeutelt“, dass sie eigentlich in die Altersteilzeit müssten, sich das unter den gegebenen Umständen aber kaum leisten könnten: „Deshalb fordern wir hier höhere Zuzahlungen“, sagt Dominic Lausch. In Bezug auf das Unternehmen sei der erste Altersteilzeitantrag erst 1,5 Jahre nach Wiederaufnahme in den Tarifvertrag gestellt worden, sagt Geschäftsführer Ehret-Eisner auf Anfrage; zudem sei hier aktuell die Quote von zwei Prozent oder vier Mitarbeitern gar nicht voll ausgeschöpft: Deshalb gab und gebe es auch derzeit im Unternehmen keinen „Stau“.

Thomas Bredow, IG Metall Offenburg Foto: Stefanie Prinz

Die Kommission fordert zudem eine aufgestockte Entlohnung – die sei in anderen Branchen oftmals besser: „Junge Menschen gehen für ihre Ausbildung lieber in den Metall- oder Elektrobereich als in die Textilindustrie“, sagt Julia Scholz. Es sei schwierig, neues, nötiges Personal zu finden, nicht nur für die Ausbildungsberufe, dabei bezahle Ziegler bereits freiwillige übertarifliche Zulagen, so Ehret-Eisner. Er sieht einen Grund darin, dass Ausbildungsberufe wie Textilmaschinenführer oder Textillaborant oft weniger bekannt seien.

Gestreikt werden dürfte nach dem 31. Januar

„Unsere Forderungen sind insgesamt human“, sagt Dominic Lausch: „Man muss aber auch betonen, dass unsere Geschäftsleitung bisher schon immer sehr kooperativ ist.“ Die Fortsetzung der Tarifverhandlungen soll noch im Dezember stattfinden, nach den Feiertagen will man im Januar mit Flyer-Aktionen und „aktiven Mittagspausen“ weitermachen, um bei den Beschäftigten zu werben. Die sogenannte Friedenspflicht gilt bis zum 31. Januar um Mitternacht, danach darf „getrommelt“ werden. Wie coronakonform gestreikt werden kann, müsse aber noch besprochen werden - in jedem Fall anders als üblich.

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