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Bundespräsident a.D. in Bühl

Christian Wulff Überraschungsgast bei Sulke-Konzert im Schüttekeller

Ein prominenter Überraschungsgast war unter den Besuchern des Konzerts von Stefan Sulke im Bühler Schüttekeller: Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff ist ein Fan des Liedermachers und war begeistert vom Ambiente der Kleinkunstbühne.

Prominenter Besuch bei Rüdiger Schmitt: Christian Wulff gehörte zu den Konzertgästen. Foto: Katrin König

Der prominente Gast  ist entspannt, was kaum überrascht, freut er sich doch auf einen schönen Konzertabend mit dem Liedermacher Stephan Sulke. Sein Gastgeber dagegen ist maximal nervös, und auch das kann nicht verwundern, denn wann kann Rüdiger Schmitt im Bühler Schüttekeller schon mal einen leibhaftigen Bundespräsidenten a.D. begrüßen?

Anfrage vom Bodensee

Im Juni ist dem Hänferdorf-Impressario per E-Mail eine Anfrage aus Überlingen in den Rechner geflattert: Ob Karten reserviert werden könnten für Christian Wulff und einen Freund? Da musste Schmitt kurz schlucken und sagte zu. Dann hieß es Stillschweigen bis zum Konzerttag:  Sicherheitsaspekte sind auch für einen aus dem Amt geschiedenen Bundespräsidenten und ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten von Belang , und so sondiert am Vortag auch ein Beamter des Bundeskriminalamts den Schüttekeller. Alles in Ordnung, befindet er.

"Sehr kluge Einlassungen"

So steht Christian Wulff nun am Fuß der Kellertreppe, grüßt freundlich, lässt sich fotografieren und schreibt ein paar nette Zeilen ins Gästebuch.  Mit großer Selbstverständlichkeit beantwortet er ABB-Fragen, Fragen, wie sie auch in manchen Besuchergesichtern stehen. „Ich durfte als Bundespräsident Stephan Sulke kennen lernen, weil er mitgemacht hat bei ‚Weihnachten mit dem Bundespräsidenten‘, eine Fernsehsendung, die am 24. Dezember ausgestrahlt wurde“, erzählt Wulff in charmantem Plauderton. Er habe sich auf Anhieb „super gut“ mit Sulke verstanden, dessen „sehr kluge Einlassungen über Jahrzehnte hinweg“ er schätze.  Als ein Freund und großer Sulke-Fan vom Bodensee Wulff erzählt habe, der Künstler trete mal wieder auf, aber nur bei guten Freunden (zu denen Rüdiger Schmitt nach mittlerweile fünf Schüttekeller-Auftritten gezählt werden darf), „sagte ich, da müssen wir hin. Ich gehe mit den Kindern in den Europapark Rust und breche von dort nach Bühl auf“, sagt Wulff und schiebt mit leichtem Lächeln, ganz Medien-Profi, nach: „Ich war noch nie in Bühl, und das ist ja auch eine Sache, die eigentlich nicht in Ordnung ist.“

Christian Wulff trägt sich ins Gästebuch des Schüttekellers ein. Foto: König Foto: None

Eng befreundet mit Heinz Rudolf Kunze

Sulke ist nicht der einzige Sänger deutschsprachiger Lieder, den Wulff schätzt. Er ist eng befreundet mit Heinz Rudolf Kunze aus seiner Heimat Osnabrück, „und mit ihm verbindet mich der Wunsch, dass wir mehr deutschsprachige Musik fördern, weil es noch stärker vereinfacht, über Themen zu reflektieren, nachzudenken“.  Das gemeinsame Singen und Anhören des Gesangs stärke den Zusammenhalt einer Gesellschaft, sagt Wulff, der auch als Präsident des Deutschen Chorverbands „dem Singen sehr, sehr zugeneigt“ ist, auch wenn er schmunzelnd zugibt: „ Ich bin ehrlich gesagt keiner, der sehr gut singt.“ Fasziniert sei er jedoch von jenen, „ die Gesang und Instrumente nutzen, um Menschen zu animieren oder einfach nur zu unterhalten“.

Begeistert vom Ambiente

So wie Stephan Sulke. Wulff gehört nicht zur „Uschi“-Fraktion, für die der Klamauksong Sulkes bestes Lied ist: „Das ist nicht Stephan Sulke, so wie ‚Dein ist mein ganzes Herz‘ auch nicht Heinz Rudolf Kunze ist.“  Wulff kennt die Szene, in der sich solche Künstler bewegen: „Ein anspruchsvolles Publikum ist natürlich auch ein überschaubares Publikum.“ Sich selbst verstehe er nicht als „gefürchtetes Fachpublikum, ich bin als Otto Normalbürger hier“.  Und als solcher reagiert er wie viele Schüttekeller-Neulinge: begeistert vom Gewölbe und der Atmosphäre: „Diese Location hier , der Ort, der Rahmen, jeder kennt jeden, das ist schon ein besonderer Abend, bevor überhaupt zu singen begonnen wurde.“

Der Hausherr strahlt

Zwei Stunden später hat sich Wulffs Vorfreude als berechtigt erwiesen: „Es hat mir sehr gut gefallen, die Stimmung in diesem Raum ist toll.“  Und auch Sulke hat ihn überzeugt; natürlich war die „Uschi“ dabei, aber Wulffs Favorit war der Titel

, in dem die vordergründige Komik rasch der Nachdenklichkeit weicht:  „Fehler machen alle, ob blöde, ob gescheit, nur dass man es dem Blöden im Nachhinein verzeiht, dem Klugen wird es selten nachgesehen.“  Mit der Besuchermenge im engen Mittelgang geht Wulff zurück zum Ausgang; mit einer neuen Sulke-CD und einem herzlichen Händedruck verabschiedet er sich vom mittlerweile wieder entspannten Hausherrn. Am Ende eines Schüttekeller-Abends entlässt Rüdiger Schmitt stets persönlich und strahlend seine Gäste in die Nacht. Und dieses Mal strahlt er noch ein klein wenig mehr.

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